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Razzia

Düsseldorfer Mode-Zar im Visier der Steuerfahnder

12.11.2012 | 18:56 Uhr
Düsseldorfer Mode-Zar im Visier der Steuerfahnder
Der Düsseldorfer Mode-Einzelhändler Albrecht Eickhoff räumte ein, auch er habe in seinem Haus in Meerbusch Besuch von den Fahndern bekommen. Dabei sei es um ein Konto bei der Bank gegangen.Foto: Sergej Lepke

Düsseldorf/Bochum.   Erneut haben nordrhein-westfälische Steuerfahnder mehrere Wohnungen und Häuser durchsucht. Diesmal ging es um Namen, die auf der angekauften Steuer-CD vom August standen. Unter anderem im Visier der Ermittler: der Düsseldorfer Mode-Unternehmer Albert Eickhoff.

Es war wieder ein Tag X für die Steuerfahndung. Mehr als 50 Beamte suchten Montag ab dem frühen Morgen bundesweit Wohnungen mutmaßlicher Steuerhinterzieher auf. Sie haben Fragen gestellt und Material mitgenommen. Die jüngsten Durchsuchungen sind Folge des Ankaufs von drei Steuer-CDs der Schweizer Großbank UBS durch die nordrhein-westfälischen Behörden im letzten August.

Einer der Betroffenen ist der Unternehmer Albert Eickhoff, Inhaber eines renommierten Modehauses auf der Düsseldorfer Kö und eine feste Größe in der Modebranche. Er sagte unserer Redaktion, die Fahnder hätten gegen 8.45 Uhr an seiner Haustür geklingelt.

Steuer-CD
Staatsanwaltschaft Bochum startet Steuersünder-Razzia

Die Staatsanwaltschaft Bochum hat eine bundesweite Razzia gegen Steuerbetrüger gestartet. Die Aktion ist am Montagmorgen angelaufen. Im Visier der Steuerfahnder sind Kunden der Schweizer Großbank UBS. Die Bank äußerte sich bisher noch nicht zu der Razzia.

Er habe in einem Gespräch mit ihnen eingeräumt, seit 35 Jahren ein Konto bei der Schweizer Bank UBS zu unterhalten. Auf dieses Konto sei aber seit 30 Jahren nichts mehr eingezahlt worden. Noch im Mai habe er bei einem Besuch in der Schweiz darum gebeten, die dort liegende Summe, die offenbar mindestens sechsstellig ist, zu versteuern. Das sei offenbar nicht geschehen. Eickhoff: „Es tut mir leid“.

500 Namen auf der CD

Rund 500 Namen sollen auf den gestohlenen Datenträgern stehen, die die Wuppertaler Steuerfahnder beschafft haben. Im August hatte es nach dem Ankauf geheißen, es könnten durchaus „bekannte Namen“ unter den mutmaßlichen Steuersündern sein. Immer wieder fliegen Prominente auf, die ihr Geld unversteuert ins Ausland gebracht haben sollen: 2008 war es der damalige Post-Chef Klaus Zumwinkel. Vor zweieinhalb Jahren gab es nach einem Kauf aus den Beständen der Bank Credit Suisse sogar Hinweise, nach der Fußball-EM 2008 könnten bekannte Fußballspieler der Steuerhinterziehung überführt worden sein.

Bank lockte offenbar deutsche Kunden

Die im August für 3,5 Millionen Euro gekauften Bankdaten der UBS haben es aber noch in anderer Hinsicht in sich. Denn die UBS soll weiter als andere eidgenössische Banken gegangen sein. Sie soll ihre Mitarbeiter darin geschult haben, deutschen Kunden, denen die Schweiz zu heiß wird, die steuerfreie Anlage in anderen, ungefährdeten Steuerparadiesen wie Singapore schmackhaft zu machen.

Meldung vom 27. August
NRW auf der Spur von über 2000 Steuersündern

Mehr als 2000 Steuersünder, die ihr Geld in der Schweiz versteckt halten sollen, sind offenbar im Visier der NRW-Ermittlungsbehörden. Nach Medienberichten ist ab Herbst eine neue Ermittlungswelle geplant. Nicht einmal eine Selbstanzeige wird Steuersünder schützen, gegen die schon ermittelt wird.

Zwar stellte sich heraus, dass das beim CD-Kauf „beiliegende“ Schulungsmaterial mehrere Jahre alt war und nicht als direkte Reaktion auf den Streit um das umstrittene deutsch-schweizerische Steuerabkommen zu bewerten ist. Die NRW-Landesregierung zieht daraus aber ihren eigenen Schluss: „Die vorliegenden Erkenntnisse zeigen, dass bereits vor Abschluss des Steuerabkommens Gelder aus der Schweiz abgezogen wurden. Es besteht kein Anlass zur Annahme, dass sich das Verhalten der Anleger nach Abschluss des Abkommens grundlegend geändert hat und entsprechende Geldtransfers unterbleiben“.

„Kein Schwarzgeld mehr“

Die UBS mit dem ehemaligen deutschen Bundesbankchef Axel Weber an der Spitze bestreitet vehement, Kunden zur Steuerhinterziehung zu verleiten. Patrick Odier, der Chef der Schweizer Bankiervereinigung, sagte noch gestern dem „Spiegel“: „Wir wollen keinen Cent Schwarzgeld mehr“.

In Süddeutschland laufen weitere staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren gegen das Zürcher Bankhaus. Der Verdacht: Die Zürcher haben eine „Konten-Kaskade“ eingerichtet, die es ihrer deutschen Kundschaft ermöglicht, über die Weiterleitung über verschiedene Zwischenkonten ihr Geld dann doch so anzulegen, dass sie keine Steuern zahlen müssen.

Dietmar Seher und Götz Middeldorf


Kommentare
13.11.2012
09:17
Wer frei von Schuld ist schmeiße den ersten Stein!
von apizzi | #6

Also wirklich! Wer von unseren Lieben Bürgern hat es nicht auch schon getan wer möchte behaupten das er selber so gerne Steuern bezahlt!
Es geht doch nicht darum wie hoch die Summe ist die auf einen Konto geparkt ist sondern es geht darum das niemand gerne Steuern Zahlt.
Wenn jemand 1200 Euro Verdient dann versucht er genau so etwas zu bekommen als wenn jemand 1,2 Millionen verdient da geht es nur in einem anderen Maßstab zu.
Und den finde ich irrelevante da es sich ja nur um die gleichen Steuerbetrugs Versuche handelt.
Wenn das Finanzamt jede Steuererklärung genau Prüfen würde kämme es zu mehr Steuerbetrugsverfahren. Das wissen wir alle also einfach mal den Ball flach halten!!

1 Antwort
Düsseldorfer Mode-Zar im Visier der Steuerfahnder
von Hastalamuertesiempre | #6-1

apizzi:

es geht nicht darum, ob jeder dem Delikt Steuerhinterziehung nicht abgeneigt ist sondern darum, ob es einer begeht der im Monat vielleicht nur 1400,00 Euro verdient oder ob es ein Millionär/Milliadär ist, der weder in finanziellen Nöten nocht sonst etwas ist sondern einfach nur -geizig- ist.

Auf solche ************ kann die Gesellschaft so etwas von verzichten!

13.11.2012
08:22
Düsseldorfer Mode-Zar im Visier der Steuerfahnder
von donfernando | #5

So ein Mode-Zar muss halt jede Mode mitmachen. Wie dumm stünde er sonst auch da, wenn in seinen Kreisen das Gespräch auf Geldanlagen käme, und er gar nichts dazu sagen könnte?

12.11.2012
23:03
Düsseldorfer Mode-Zar im Visier der Steuerfahnder
von Hastalamuertesiempre | #4

Nur 50 Beamte im Einsatz obwohl in der BRD alljährlich ca. 30 Milliarden Euro an Steuern hinterzogen werden seitens der gutbetuchten illustren höheren Kreise?

Nein, das erinnert mich dann doch zu sehr an "Placebo-Pillen".

Und wenn jemand, der vor 30 Jahren einmalig eine Einzahlung in der Schweiz tätigte, zufällig in Millionenhöhe, mir einen vom Pferd erzählt, er habe zufällig -nach- 30 Jahren darum gebeten, diese Gelder zu versteuern obwohl er selbst dafür zuständig ist (und zwar hier in der BRD und nicht in der Schweiz), der hat jegliche Glaubwürdigkeit verloren.

Den würde ich dorthin schicken wo es ganz viele Gitterstäbe gibt, so wie man es mit Kriminellen machen sollte!

12.11.2012
20:41
Düsseldorfer Mode-Zar im Visier der Steuerfahnder
von dorfheide | #3

Hallo, wer wird denn hinter so einem unschuldig erscheinendem Gesicht einen Steuersünder vermuten?
Kann und will mir in diesem konkreten Fall kein Urteil erlauben.
Die Staatsanwaltschafen müssen trotzdem ohne Rücksicht auf die Person ihre Arbeit machen, überführte "unschuldig aussehende Gesichter" öffentlich beim Namen nennen und ohne ihre "Beziehungsvitamine" strafrechtlich gerecht behandeln. Lasse mich da mal als "Otto-Normalverbraucher" überraschen-:)

12.11.2012
20:06
Imme sind die Aneren schuld
von fummel | #2

Noch im Mai habe er bei einem Besuch in der Schweiz darum gebeten, die dort liegende Summe, die offenbar mindestens sechsstellig ist, zu versteuern.
Das sei offenbar nicht geschehen.

Hat er bei dem Besuch nur mal nacheschaut ob das Geld noch da ist?

Mach ich auch einmal im Monat.

12.11.2012
19:39
Düsseldorfer Mode-Zar im Visier der Steuerfahnder
von roosterkatze | #1

Schön das die Steuerbehörden in NRW reagieren und es den Steuerhinterziehern an den Kragen geht. Das der ehemalige Bundesbankchef an der Spitze der UBS steht und deren Vorgehensweise als korrekt bezeichnet kann, bei unserer Elite , nicht mehr verwundern.
Schade nur, das diese Steuerhinterzieher , weil prominent , nicht öffentlich genannt werden. Und das Herr Schäuble, selbst in Schwarzgeld schleusen erfahren, unbedingt das Abkommen mit der Schweiz ratifizieren will zeigt das es wohl in der schwarz / gelben Koalition viele Ehrenmänner mit grauen Westen gibt !
Politiker mit grauen Westen gibt

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