Düsseldorfer Mode-Zar im Visier der Steuerfahnder

Foto: Sergej Lepke / WAZ Fotopool
Was wir bereits wissen
Erneut haben nordrhein-westfälische Steuerfahnder mehrere Wohnungen und Häuser durchsucht. Diesmal ging es um Namen, die auf der angekauften Steuer-CD vom August standen. Unter anderem im Visier der Ermittler: der Düsseldorfer Mode-Unternehmer Albert Eickhoff.

Düsseldorf/Bochum.. Es war wieder ein Tag X für die Steuerfahndung. Mehr als 50 Beamte suchten Montag ab dem frühen Morgen bundesweit Wohnungen mutmaßlicher Steuerhinterzieher auf. Sie haben Fragen gestellt und Material mitgenommen. Die jüngsten Durchsuchungen sind Folge des Ankaufs von drei Steuer-CDs der Schweizer Großbank UBS durch die nordrhein-westfälischen Behörden im letzten August.

Einer der Betroffenen ist der Unternehmer Albert Eickhoff, Inhaber eines renommierten Modehauses auf der Düsseldorfer Kö und eine feste Größe in der Modebranche. Er sagte unserer Redaktion, die Fahnder hätten gegen 8.45 Uhr an seiner Haustür geklingelt.

Steuer-CD Er habe in einem Gespräch mit ihnen eingeräumt, seit 35 Jahren ein Konto bei der Schweizer Bank UBS zu unterhalten. Auf dieses Konto sei aber seit 30 Jahren nichts mehr eingezahlt worden. Noch im Mai habe er bei einem Besuch in der Schweiz darum gebeten, die dort liegende Summe, die offenbar mindestens sechsstellig ist, zu versteuern. Das sei offenbar nicht geschehen. Eickhoff: „Es tut mir leid“.

500 Namen auf der CD

Rund 500 Namen sollen auf den gestohlenen Datenträgern stehen, die die Wuppertaler Steuerfahnder beschafft haben. Im August hatte es nach dem Ankauf geheißen, es könnten durchaus „bekannte Namen“ unter den mutmaßlichen Steuersündern sein. Immer wieder fliegen Prominente auf, die ihr Geld unversteuert ins Ausland gebracht haben sollen: 2008 war es der damalige Post-Chef Klaus Zumwinkel. Vor zweieinhalb Jahren gab es nach einem Kauf aus den Beständen der Bank Credit Suisse sogar Hinweise, nach der Fußball-EM 2008 könnten bekannte Fußballspieler der Steuerhinterziehung überführt worden sein.

Bank lockte offenbar deutsche Kunden

Die im August für 3,5 Millionen Euro gekauften Bankdaten der UBS haben es aber noch in anderer Hinsicht in sich. Denn die UBS soll weiter als andere eidgenössische Banken gegangen sein. Sie soll ihre Mitarbeiter darin geschult haben, deutschen Kunden, denen die Schweiz zu heiß wird, die steuerfreie Anlage in anderen, ungefährdeten Steuerparadiesen wie Singapore schmackhaft zu machen.

Steuerhinterziehung Zwar stellte sich heraus, dass das beim CD-Kauf „beiliegende“ Schulungsmaterial mehrere Jahre alt war und nicht als direkte Reaktion auf den Streit um das umstrittene deutsch-schweizerische Steuerabkommen zu bewerten ist. Die NRW-Landesregierung zieht daraus aber ihren eigenen Schluss: „Die vorliegenden Erkenntnisse zeigen, dass bereits vor Abschluss des Steuerabkommens Gelder aus der Schweiz abgezogen wurden. Es besteht kein Anlass zur Annahme, dass sich das Verhalten der Anleger nach Abschluss des Abkommens grundlegend geändert hat und entsprechende Geldtransfers unterbleiben“.

„Kein Schwarzgeld mehr“

Die UBS mit dem ehemaligen deutschen Bundesbankchef Axel Weber an der Spitze bestreitet vehement, Kunden zur Steuerhinterziehung zu verleiten. Patrick Odier, der Chef der Schweizer Bankiervereinigung, sagte noch gestern dem „Spiegel“: „Wir wollen keinen Cent Schwarzgeld mehr“.

In Süddeutschland laufen weitere staatsanwaltschaftliche Ermittlungsverfahren gegen das Zürcher Bankhaus. Der Verdacht: Die Zürcher haben eine „Konten-Kaskade“ eingerichtet, die es ihrer deutschen Kundschaft ermöglicht, über die Weiterleitung über verschiedene Zwischenkonten ihr Geld dann doch so anzulegen, dass sie keine Steuern zahlen müssen.