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Prozess

Düsseldorfer Kinder verwahrlosten im eigenen Dreck

13.02.2013 | 00:20 Uhr
Düsseldorfer Kinder verwahrlosten im eigenen Dreck

Polizisten hatten die Kinder in der völlig verdreckten Wohnung gefunden, Wände und Betten voller Kot, die Matratzen zerrissen. Die Mutter war auf einer Party. Das ist jetzt ein Jahr her. Am Dienstag wurde die 25-jährige Düsseldorferin vom Gericht zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

Richterin Uta Kretschmer blickt auf die Fotos und sagt: „Für uns ist das alles ziemlich unvorstellbar.“ Es sind Fotos einer verwahrlosten Wohnung und von zwei Kindern, zwei und drei, die Polizisten dort vor einem Jahr fanden. Die Mutter (25) aus Düsseldorf ist angeklagt, weil sie mit ihrem damaligen Lebensgefährten zwei Monate lang „die Fürsorgepflicht verletzt“ hat. Der Mitangeklagte ist krank, sein Prozess wird gesondert geführt.

Am 11. Februar entdecken Polizisten den 22-jährigen Freund in einer völlig verdreckten Wohnung, die Mutter ist auf einer Party. Die Kinder sind nur mit alten, verschmutzten Windeln bekleidet. Das Bett des kleinen Sohnes ist zerbrochen, die Matratzen sind zerrissen, Wände und Betten voller Kot, die Toilette ist verdreckt, überall liegen Windeln. In der Küche stapelt sich Geschirr mit Essensresten, im fast leeren Kühlschrank wuchert Schimmel. Die Kinder sind in ihrer Entwicklung weit zurück, der fast Dreijährige verständigt sich nur mit Schreien und Brummen. Beide Kinder haben Hautekzeme. Sie werden in Pflegefamilien untergebracht.

"Ich wusste nicht mehr, wo ich anfangen soll"

Die junge Frau, die auf der Anklagebank sitzt, verbirgt ihr Gesicht in ihrer Winterjacke. Nur einmal schaut sie in den Gerichtssaal, mit ängstlichen Augen, ungeschminkt, sie wirkt fast kindlich. Bis zum 13. Lebensjahr, erzählt sie leise, lebte sie bei den Eltern, später in Heimen. Fast ein Jahr ist sie in der psychiatrischen Klinik, weil sie sich selbst verletzt („geritzt“) hat. Die Hauptschule hat sie nicht abgeschlossen, mit 16 lebt sie in einem Bauwagen und auf der Straße.

Als sie mit 22 ihr erstes Kind bekommt, sitzt der Vater in Haft, sie trennt sich. Ihr Sohn erbt vom Vater eine Neurofibromatose, eine Krankheit, die die Entwicklung beeinträchtigen kann. Die Mutter arbeitet mit dem Jugendamt zusammen. Während der zweiten Schwangerschaft „habe ich das Programm abgebrochen“, erzählt sie. Dann lernt sie ihren neuen Partner kennen. „Im Sommer“, sagt sie, „hat er sich sehr viel um die Kinder gekümmert.“ Als es kalt wurde, habe das nachgelassen. „Ich habe davor die Augen verschlossen, dann wusste ich nicht mehr, wo ich anfangen sollte. Es tut mir leid.“ Inzwischen nimmt sie an einer Arbeitsvorbereitung teil, will ihren Schulabschluss nachholen, „eine Lehre machen, vielleicht im Einzelhandel“.

Das Gericht verurteilt sie zu einem Jahr auf Bewährung. Und 250 Stunden Sozialdienst.

Jo Achim Geschke



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