Düsseldorfer Graffitisprayer lassen Kunst in Büchern drucken

Foto: Kerber Verlag/Polina Bazir
Was wir bereits wissen
Die „MaJo Brothers“ Marc und Johannes Hennig stellen Freitag ihr druckfrisches Werk über Graffitikunst in Düsseldorf vor

Düsseldorf.. Sie waren noch jung und kannten jemanden mit gefühlten hundert Eddings – so in etwa beginnt während der 1980er Jahre das künstlerische Schaffen von Marc und Joe Hennig. Jetzt veröffentlicht das Brüderpaar im Bielefelder Kunstverlag Kerber ein Buch, in dem ihre weltweit präsenten Arbeiten dokumentiert sind. Sein Titel ist so unaufgeregt wie sie selbst: „MaJo Brothers – Graffiti Art“. Am kommenden Freitag präsentieren sie es im Kulturbahnhof Gerresheim. Dazu gibt es eine begleitende Ausstellung.

„Wir behäkeln keine Bäume“

„Wir machen keine ‘Urban Art’ – wir behäkeln keine Bäume“, betont Joe Hennig, gefragt, wie er ihr Genre bezeichnen würde. Der Familienvater ist 43 Jahre alt, drei Jahre älter als Johannes, genannt Joe. „Wir sprühen Farbe. Wir machen Graffiti“, das ist Marc wichtig. Er ergreift im Gespräch selten das Wort. Meist nur, wenn er von Joe direkt gebeten wird, etwas zu sagen.

Die Brüder wirken sehr unterschiedlich. Marc ist schmal, drahtig, dunkle Haare, dunkler Bart. Joe ist groß, schlaksig, hat helle Augen, ist der Sprecher der Beiden. Dennoch strahlen sie eine starke Stimmigkeit aus. Die Gemeinsamkeit der MaJo Brothers ist, dass sie in ihrem Denken und Handeln sehr reflektiert sind, sich klar mit ihrem Leben und ihrer Kunst auseinander setzen. Vielleicht ist es das Erbe ihres früh verstorbenen Vaters. Der war ein bekannter Fotograf und hatte damals, als sie noch in Stuttgart wohnten, auf ihr Haus mit blauer Farbe und weißen Wolken bemalt.

Erste Graffitifläche stellte die Großmutter zur Verfügung

„Als wir anfingen, musste man Graffitis ja noch suchen. Heute sieht man sie jeden Tag überall“, erzählt Joe. Es war ihre Großmutter, die ihnen anfangs ihre Gartenmauer als Fläche zur Verfügung stellte. Inzwischen sind die „Gelb-Affen“ der MaJo Brothers stadtbekannt. Sie thronen an verschieden Orten, wie der Unterführung am Mintrop-Platz oder an der Eintrachtstraße.

Ein Projekt führte Joe sogar nach Indien. Die Künstler geben Workshops für Kinder und machen Auftragsarbeiten. Letztere liefern ihnen ungewollte Sozialstudien. Als Marc und Joe auf dem Kinderspielplatz am Schillerplatz die Gebäudewand bemalten, kamen von Passanten Kommentare wie „Man müsste Euch die Hände abhacken“. Eine Anwohnerin, die das Entstehen des Wandbildes beobachtete, schickte immer wieder die Polizei vorbei. „In Orten wie Monheim, wo es eine ‘wall of fame’ gibt, reagieren die Leute ganz anders“, sagt Joe. Auf den legalen Flächen dürfen Sprayer ihre Zeichen setzen und stoßen auch bei älteren Passanten auf wohlwollende Neugier. In dem Zusammenhang gefällt es natürlich, dass die Eisenbahnbrücke an der Vennhauser Allee auch eine ‘wall of fame’ werden soll.