Kunstschau
Düsseldorfer Galerien im Quadriennale-Fieber
31.08.2010 | 16:37 Uhr 2010-08-31T16:37:00+0200
Düsseldorf. Kommende Woche beginnt in Düsseldorf die Quadriennale. Nicht nur die Museen feiern die bildenden Kunst, auch die Galerien der Landehauptstadt sind dabei. Da gibt’s diverse „Deutschland-Premieren“ zu erleben - zum Beispiel in Flingern.
Braucht eine Kunststadt wie Düsseldorf mit zahlreichen Museen und Kunsthäusern überhaupt eine „Quadriennale“? Darüber lässt sich sicherlich streiten, nicht nur wegen der immensen Kosten für einen Verwaltungs-Wasserkopf samt gut dotiertem Geschäftsführer-Posten.
Die 30 Galerien, die jetzt, eine Woche vor Quadriennale-Beginn, Ausstellungen eröffnen und parallel mit 42 Kölner Galerien zum „DC open“ einladen, machen das eh jedes Jahr zu dieser Zeit. Und sind freitags bis sonntags geöffnet.
Innovationen und Überraschungen auf der Kunstmeile Flingern
Doch das Ungewöhnliche: 27 von ihnen präsentieren Künstler aus 18 Nationen, die hierzulande noch in keiner Einzelschau vertreten waren. Unter dem werbewirksamen Slogan „Deutschland-Premieren“ rangiert dieses Quadriennale-Event, das die Stadt mit 20 000 Euro (für ein Booklet in 10 000er Auflage und für eine Sekretärin) unterstützt. Kunstinteressierte und Talentsucher wollen sie so in alle Stadtteile locken. Innovationen und allerlei Überraschungen bietet dabei die Kunstmeile Flingern.
Da baumeln bei Konrad Fischer, Platanenstrasse 7, Beton-Röhren von der Decke. Sie entpuppen sich als Lautsprecher, aus denen ein seltsames Stimmengewirr in den steril weißen Raum dringt. Juergen Staack entwickelte diese ästhetische Klang-Installation während eines Stipendiums in Tokio. Aufgenommen wurden die hektischen Geräusche auf der gut bewachten Thunfisch-Auktion, bei der täglich bis zu 150 Millionen Dollar umgesetzt werden. Wie die menschliche Stimme dank Computer in digitale Streifenbilder übersetzt werden kann, demonstriert Konzept-Künstler Staack im Nachbarraum.
Knochen in Porzellan gegossen erinnern ans Massaker
Zu einer außergewöhnlichen Begegnung mit asiatischer Kultur kommt es in der Galerie Conrads, Lindenstrasse 167. Yang Jiechang, bekannt durch internationale Biennalen, baut 54 quadratische Holzkästen auf. Auf Seidenpapier ruhen Schädel, Rippen, Becken-, Bein- und Armknochen. Alle in weißes Porzellan gegossen und mit blauen Motiven verziert. Die 400 einzelnen Skelett-Teile erinnern zwar durch das dekorative Blau-Weiß und die glänzende Emaille an ein Luxus-Geschenk, weisen aber auf das Massaker im Juni 1989 auf dem Platz des Himmlischen Friedens. Jiechang (55), der einst als Rot-Armist im Mao-China diente und nach 1989 nach Paris emigrierte, arbeitet aber nicht nur seine persönliche Geschichte auf. Auf verschwommenen Buchstaben-bildern zeigt er sich als Meister fernöstlicher Kaligraphie.
Bei Coshar, Flurstraße 53 (im Maria-Theresia-Haus), indes zeigt Mareen Mauer, wie sie ihre Biographie in Wachs gießt. Denn die Meisterschülerin von Rosemarie Trockel war früher Tänzerin und verewigt Ballerinen in knetbarer Materie. Modelle für die kleinen Figurinen, die den Rumpf dehnen oder Beine und Arme verschrauben, in Martin Schläpfers Ballett-Kompanie. „So entsteht eine neuartige Kooperation zwischen Opernhaus und junger Kunst“, sagt Galerist Coshar. (Fr. bis 22 Uhr, Sa. 12-20 Uhr, So. 12-18 Uhr.)
14:55
Ein Betrag von 20.000 EUR, den die Stadt für Booklet und Sekretärin ausgibt.
den mit 55.000 Euro dotierten Kunstpreis an Thomas Schuette
10:25
Der Wettkampf der Städte findet schon lange statt.
Um jeden Preis inszeniert die Politik prestigeträchtige Kulturprojekte. Kulturpolitik wird zur Standortpolitik.
Not In Our Name!
01:37
@ThomLong:
Ein Berlin Kenner sind Sie nicht, soviel steht fest. Berlin ist mit London und New York nicht zu vergleichen. Berlin profitiert vom andauernden Medien Hype und davon, daß es in Berlin billig ist. Bei dem hohen Leerstand an Gebäuden kann man leicht großzügig Ateliers verschenken oder zu symbolischen Mieten hergeben. Was nicht heissen soll, daß es in Berlin keine interessante Kunstszene gibt. Man muss aber auch mal erwähnen dürfen, daß Berlin sich Vieles auf Kosten der deutschen Steuerzahler durch aggressive Abwerbung erkauft. Und das ist nicht in Ordnung!!!
12:06
Was soll bitte schön diese (ständige) Berlinschelte an dieser Stelle wieder? Irgendwie klingt das immer arg nach Minderwertigkeitsgefühlen und/ oder schierem Neid in meine Ohren.
Wieso kann ich nicht auch als Rheinländer stolz sein auf die internationale Strahlkraft Berlins, auch wenn es den ein oder anderen Euro an Steuergeldern kostet? Bin ich zusehr im lokalpatriotischer Selbstüberschätzung und Stolz verfangen und kann nicht akzeptieren, dass Düsseldorf nunmal nicht der Nabel Deutschlands ist und selbst in unseren unmittelbaren Nachbarländern eher weniger bekannt ist? Missgönne ich dann im Gegenzug all den Städten das, was Düsseldorf an Bekanntheit nicht aufzuweisen hat? Sei es Berlin, wahlweise aber auch Köln, München, Frankfurt oder Hamburg?
Warum kann ich nicht einfach einmal akzeptieren und genießen, was hier lokal vorhanden ist, in kleinem Maßstab, und dieses pflegen und ausbauen und so einen/ meinen Beitrag zur Kunstlandschaft im Rheinland und in Deutschland leisten? Das kreative Potential des Rheinlands und Düsseldorfs ist leider objektiv nicht vergleichbar mit den lebendigen Kunst- und Szenevierteln in Berlin, London oder New York. So what? Und wenn hier im Einzelnen mal etwas Gutes auf die Beine gestellt wird und überregional Beachtung findet: Umso besser! Und es dann mit dem bekannt zurückhaltendem Wesen des Rheinländers still genießen... ;-)
Leute: Man muss auch jönne könne!
23:23
Natürlich braucht Düsseldorf eine Quadriennale. Man erwähnt hier (kritisch ?) einen Betrag von 20.000 EUR, die die Stadt für Booklet und Sekretärin ausgibt. Im Vergleich zu der Pleitehauptstadt Berlin mit über 60 Mrd. EUR Schulden, die aber Millionen in Werbung für die zahlreichen Museen etc. verballert (UNSERE Steuergelder), sind das ja nun Peanuts. Aber Berlin, auch Hauptstadt des Medienhypes genannt, darf das natürlich ?? Werdet wach!!