Düsseldorfer Flughafen setzt auf mehr Starts und Landungen

DerDüsseldorfer Flughafen will vor allem zu den Spitzenzeiten die Zahl der Flugbewegungen ausweiten. Das Nachtflugverbot will er allerdings nicht antasten.
DerDüsseldorfer Flughafen will vor allem zu den Spitzenzeiten die Zahl der Flugbewegungen ausweiten. Das Nachtflugverbot will er allerdings nicht antasten.
Foto: Lars Heidrich
Was wir bereits wissen
Die Ministeriumsentscheidung zur umstrittenen Kapazitätserweiterung zu den Spitzenzeiten wird fürs kommende Jahr erwartet. Kommt das OK und die Anordnung des Direktvollzuges, könnte es schon 2018 losgehen.

Düsseldorf..  Es wird eng am Düsseldorfer Flughafen. Die Auslastung liegt derzeit bei 80 Prozent. Theoretisch ist da noch Luft. Aber eben nur theoretisch und rein mathematisch. Denn für die stark nachgefragten Zeiten kann der Flughafen den Bedarf der Airlines nach Starts und Landungen, den sogenannten „Slots“, nicht mehr decken. Denn die Fluggesellschaften wollen zu bestimmten Zeiten fliegen, weil sie so ihre Maschinen optimal auslasten, die sogenannten Umläufe der Flieger besser geplant werden können und dann auch die Kundennachfrage da ist.

„Dadurch gibt es Wellen von Flugbewegungen“, sagt Ludger Dohm (56), der neue Vorstands-Chef des Flughafens. „Früh morgens, mittags sowie am frühen Abend ist besonders viel los, in den anderen Zeiten ist es ruhiger.“ Doch der Flughafen darf pro Stunde nur 47 Starts und Landungen durchführen und die als Ersatzbahn gebaute nördliche Start- und Landebahn darf nicht im Dauerbetrieb genutzt werden. Das bremst den Flughafen aus, weil das für die Spitzenzeiten nicht ausreicht. Deswegen wurde im Februar beim NRW-Verkehrsministerium der Antrag auf Kapazitätserweiterung auf 60 Flugbewegungen pro Stunde in den Spitzenzeiten beantragt. Durch die erweiterte Nutzung erwartet der Flughafen eine Entspannung und vor allem eine Verringerung der Verspätungen.

Doch gegen die Flughafen-Pläne laufen Anwohner in der Region und vieler benachbarter Städte Sturm. Sie befürchten eine stärke Lärmbeeinträchtigung. „Wir haben nicht nur Gegner, aber die sind am lautesten“, sagt Flughafen-Chef Dohm. Es gebe auch Befürworter, darunter die Stadt Düsseldorf (die Anteilseigner des Flughafens ist) und Wirtschaftsverbände. Dass sich die Lärmschutzkommision des Düsseldorfer Flughafens, in dem Umlandstädte, Flughafen und Airlines vertreten sind, mehrheitlich gegen die Erweiterungspläne ausgesprochen hat, macht den Flughafen nicht nervös. Schließlich sei es ja auch nur schwer verständlich, dass die 600 000 Einwohner große Stadt Düsseldorf ebenso nur eine Stimme hat wie beispielsweise das viel kleinere Willich.

Pläne werden im Herbst offen gelegt

Dies und andere Argumente, wie beispielsweise die wirtschaftlichen Interessen für die Region, muss das Verkehrsministerium bei seiner Entscheidung für oder gegen die Kapazitätserweiterung abwägen. Voraussichtlich im Herbst werden die Erweiterungspläne für längstens drei Monate offen gelegt, dann wird es auch Einwände der Kritiker geben. „Das wird ein heißer Herbst“, so Ludger Dohm. Der will die Kritik an den Plänen nicht passiv resignierend zur Kenntnis nehmen. Der Flughafen geht in den Dialog mit den Bürgern und den Städten, erläutert sein Konzept und die Wichtigkeit für die heimische Wirtschaft. Dohmen bringt es auf den Punkt: „Es ist doch schizophren, wenn die Städte der Region aktiv mit dem Flughafen für sich als Wirtschaftsstandort werben, andererseits aber gegen ihn Stimmung machen.“

Im Laufe des kommenden Jahres erwartet der Flughafen eine Entscheidung des Ministeriums. Und die soll möglichst positiv ausfallen. Wenn dann gegen die positive Ministeriums-Entscheidung zur Kapazitätserweiterung geklagt wird, „dann kann es lange dauern“, sagt Ludger Dohm: „Das Vorhaben Kapazitätserweiterung ist eben kein Sprint sondern ein Marathonlauf.“

Doch auch wenn es Klagen gegen eine positive Ministeriumsentscheidung geben wird, könnte der Flughafen trotzdem schnell expandieren. Denn es besteht Möglichkeit die Anordnung eines „sofortigen Direktvollzuges“. Das bedeutet, dass in diesem Fall die Kapazitätserweiterung bis zur endgültigen juristischen Entscheidung umgesetzt wird. Konkret würden dann ab 2018 zusätzliche Starts und Landungen (bei entsprechender Genehmigung und Anordnung des Direktvollzuges) angeboten werden.

Darauf setzt der Flughafen – und betont, dass es ihm nicht um eine Aufhebung des Nachtflugverbotes geht, wonach nur von 6 bis 22 Uhr Flieger starten und nur von 6 bis 23 Uhr landen dürfen. Auch ein zusätzliches Terminal D ist nicht geplant, allenfalls seien kleinere Erweiterungen am bestehenden Gebäuden möglich, in dem zu 30 Millionen Passagiere pro Jahr abgefertigt werden können – vergangenes Jahr gab es 22 Millionen Passagiere.

„Wir denken mit Blick auf unseren Antragsvorhaben nicht, dass die anvisierten Kapazitäten sofort in vollem Maße ausgeschöpft würden“, sagt Flughafen-Sprecher Christian Hinkel. „Aber der Flughafen muss auch auf längere Sicht eine Perspektive haben, wenn die Millionen Menschen und die Wirtschaft unserer Region auch weiterhin mit den Zielen und Märkten dieser Welt verbinden möchte.“

Derzeit 202 000 Flugbewegungen

Vergangenes Jahr gab es in Düsseldorf 202 000 Flugbewegungen. Theoretisch wären nach der derzeitigen Genehmigung 256 000 Flugbewegungen möglich. Der Planungshorizont für die neue Betriebsgenehmigung ist das Jahr 2027 und darüber hinaus. Mit der neuen Genehmigung wären durch die flexiblere Nutzung des Zweibahnsystems theoretisch 318 000 Slots zu vergeben. Bei einer realistischen Auslastung von etwa 80 Prozent rechnet der Flughafen perspektivisch mit rund 249 500 Flugbewegungen. „Damit lägen wir also immer noch deutlich unter der bereits heute theoretisch genehmigten Anzahl“, so Hinkel.