Düsseldorfer attackieren Hertha nach Chaos-Spiel

Der chaotische Verlauf des Relegationsspiel vom vergangenen Dienstag sorgt zwischen Berlin und Düsseldorf weiter für aufgepeitschte Stimmung.
Der chaotische Verlauf des Relegationsspiel vom vergangenen Dienstag sorgt zwischen Berlin und Düsseldorf weiter für aufgepeitschte Stimmung.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Vor der Entscheidung des DFB-Sportgerichts ist die Stimmung zwischen Düsseldorf und Berlin aggressiv. Der Manager der Punkband „Die Toten Hosen“ schimpft über Hertha-Manager Preetz, auch der Fortuna-Geschäftsführer greift die Berliner an.

Düsseldorf.. Vor der Entscheidung des DFB-Sportgericht am Montag über das chaotische Relegationsspiel Fortuna Düsseldorf gegen Hertha BSC Berlin peitscht sich die Atmosphäre zwischen den beiden Städten weiter hoch. Die Berliner Zeitung BZ hat in ihrer Samstags-Ausgabe Jochen Hülder, den Manager der Düsseldorfer Band „Die Toten Hosen“, mit schweren Vorwürfe gegen Michael Preetz zitiert.

„Wir standen in den Katakomben nebeneinander. Es ist mir ein absolutes Rätsel wie er zu diesen Todesangst-Aussagen kommen kann“, schimpft der Hosen-Manager demnach über den in Düsseldorf geborenen und aufgewachsenen Hertha-Manager Preetz. Und weiter: „In meinen Augen ist Herr Preetz ein absoluter Vollidiot. Er hat doch selbst gesehen, wie seine Spieler ausgerastet sind, den Schiri tätlich angegriffen haben. Er müsste ein lebenslanges Einreiseverbot für Düsseldorf bekommen.“

Auch Campino schimpft über die Hertha

Bereits vorab hatte Campino, Sänger der „Toten Hosen“ gegenüber einer Nachrichtenagentur über die Hertha geschimpft. „Das ist die letzte Karte, die der um seine Existenz kämpfende Club hier spielt. Wenn man Anwälte losschickt, die behaupten, man hätte Todesängste spüren können, ist das eine Verunsachlichung auf einem gefährlichen Niveau“, hatte der Punkband-Sänger gesagt. Hertha habe „keine Courage“ zu sagen „Wir werden mit Anstand diesen Abstieg hinnehmen, weil wir es im sportlichen Vergleich nicht geschafft haben, Fortuna zu schlagen“. Schon vorher hatte Campino betont: „Wenn er Rückgrat hat, muss Herr Preetz das bringen.“

Vor dem Sportgericht hatte Hertha-Anwalt Christoph Schickhardt zuvor kein gutes Haar an Fortuna und dem Sänger gelassen: „Fortuna schickt den Herrn Campino ins Fernsehen und der stellt das alles als große Party dar.“

Koordinationsstelle Fanprojekte findet Verhalten der Berliner Fans gefährlicher

Unterdessen hat Michael Gabriel, der Leiter der Koordinationsstelle „Fanprojekte“ bei der Deutschen Sportjugend, das Verhalten der Düsseldorfer Fans, die wegen des Aufstiegs ihrer Mannschaft auf den Platz gelaufen sind, als „Ausdruck von Freude“ entschuldigt: „Das ist, glaube ich, einmalig und sicher nicht strukturell gefährlich für den Fußball“, sagte Gabriel. Anders bewertete er das Verhalten der Berliner Fans: Sie hätten Fans in der Selbstüberhöhung ihr eigenes Sein und ihre eigene Vorstellung von Ultrakultur über den Fußball gestellt. Das sei gefährlich.

Die Sicherheitsvorkehrungen von Vereinen kritisierte der Vizechef der Gewerkschaft der Polizei, Frank Richter. Viele Vereine würden Ordner bei den Bundesligaspielen einsetzen, die nicht geschult seien, bemängelte er. Daher müssten vom Staat finanzierte Polizisten ständig als „Aushilfe“ einspringen. Während der Verhandlung vor dem DFB-Sportgericht war auch Kritik an den Düsseldorfer Ordnern geäußert worden.

Düsseldorf-Geschäftsführer Jäger: Wir hätten uns geschämt

Auch Fortuna-Geschäftsführer Paul Jäger hat die Berliner schwer attackiert. „Nachdem, was ich in der Verhandlung gehört habe, hätte ich an Hertha Stelle den Ball sehr, sehr flach gehalten und mich bei allen Beteiligten entschuldigt. Wären wir in der Situation gewesen, hätten wir keinen Einspruch gegen die Spielwertung eingelegt. Im Gegenteil: Wir hätten uns einfach nur geschämt für das, was nach Abpfiff passiert ist“, sagte Jäger der „Bild am Sonntag“.

Die Berliner scheinen dies verstanden zu haben: Für das Verhalten ihrer Spieler gegenüber dem Schiedsrichter haben sie sich inzwischen entschuldigt. Doch das, so ist aus Düsseldorf zu hören, hätte schon viel früher passieren müssen.