Düsseldorf war 2014 so warm wie noch nie

Mit viel Sonne und Temperaturen bis 25 Grad begann der Frühling 2014 in Düsseldorf.
Mit viel Sonne und Temperaturen bis 25 Grad begann der Frühling 2014 in Düsseldorf.
Foto: Kai Kitschenberg
Was wir bereits wissen
Meteorologe Roland Vögtlin wertete die Wetteraufzeichnungen für das ablaufende Jahr aus. Fazit: Düsseldorf war so warm wie nie, bei einer Durchschnittstemperatur von 13 Grad.

Düsseldorf..  Reden wir übers Wetter, denn das bot 2014 mal wieder reichlich Gesprächsstoff. Auch wenn man es bei derzeit eisiger Kälte kaum glauben mag – Wohl noch nie war es so warm in Düsseldorf, mit einer Durchschnittstemperatur von 13 Grad.

Ein Ereignis aber stellte alle Wetterkapriolen in den Schatten: Orkan Ela, der am Abend des 9. Juni über Düsseldorf tobte und eine Schneise der Verwüstung zurückließ. Die Bilanz des Gartenamtes: fast 45 000 entwurzelte oder zumindest beschädigte Bäume.

Durch die verheerenden Folgen war dieser Sommer anders als andere. Kaum ein Waldspaziergang unter Schatten spendenden Buchen und Eichen, kein Picknick im Park. Aber dazu hätte dieser Sommer eh nicht viele Gelegenheiten geboten, „er zeigt sich eher von seiner launischen Seite“, sagt Roland Vögtlin. Der Meteorologe vom Wetterdienst Meteomedia hat die Aufzeichnungen 2014 analysiert. „Der Winter war einer der wärmsten der flächendeckenden Wettermessungen seit 1881“, sagt Vögtlin.

Was heißt hier Winter? Schon der Neujahrstag schickte ein laues Lüftchen und so blieb es: Nicht eine Kaltfront ließ wie sonst die Stadt erzittern, stattdessen schien die Sonne an 80 Stunden (70 Prozent mehr als im launischen Januar 2013) im Monat, „außerdem war es mit einem Mittelwert von 6,2 Grad deutlich zu warm“, so der Wetterexperte. Nur ein abendliches Donnerwetter schickte am 3. Januar ein paar Blitze über den Düsseldorfer Himmel. Dies war dann auch schon der kälteste Tag des ganzen Jahres mit gerade mal 0,6 Grad minus. Frost in homöopathischer Dosierung.

Schlapper Wintermonat

Auch der Februar erwies sich als schlapper Wintermonat, so als sei er schon ein Vorbote des Frühlings. Ein Sturm am 7. Februar knickte einige Bäume. Eine Woche später pustete die afrikanische Sahara roten Sand bis an den Rhein, am nächsten Morgen wirkte die Stadt, als sei Großreinemachen fällig. Und dann folgte das, was Fachmann Vögtlin „einige Wetter-Extreme“ nennt: Ein Sommertag am 9. März mit beglückenden 22 Grad, ein Sonntag, an dem die Plätze auf Café-Terrassen knapp wurden. Fazit: „März und April waren zu warm, zu sonnig, zu trocken.“

So kann das nur ein Statistiker sehen. Die Düsseldorfer knöpften die Mäntel auf und genossen Frühlingsglück. Denn sie ahnten ja, die heitere Periode würde nicht von Dauer sein. Im Mai kam er dann, der Regen, und schwemmte alle Wetterträume dahin. Immerhin hatte die frühe Wärme einen Vegetationsvorsprung von vier Wochen bewirkt. Folge: Erdbeeren und Spargel gab’s viel früher als sonst und zu niedrigeren Preisen.

Der Juni begann vielversprechend. Gleich am ersten Wochenende kündigte sich zu Pfingsten schönes Wetter an. Dieser 9. Juni war ein heißer Sommertag mit 31 Grad, dann aber strömten zwischen einem Tief über dem Atlantik und einem Hoch über Osteuropa feucht-warme Luftmassen aus dem Süden nach Deutschland. Plötzlich bildete sich über dem Ärmelkanal ein Randtief mit kühler Luft. Über dem Rheinland ballten sich gleich mehrere schwere Gewitter zusammen und bauten sich zu dem auf, was Vögtlin eine „Superzelle“ nennt. Ein Orkan mit Windgeschwindigkeiten von 142 Kilometern verwüstete die Düsseldorfer Wälder und Parks, der Schaden wird mit 64 Millionen Euro beziffert.

Und der Sommer, der diesem Schreckenszenario folgte? Nicht der Rede wert. Der Fachmann spricht von „labilen Luftmassen“. Heißt: Mal war es schwül-warm, dann wieder kühl, es regnete immer wieder kräftig, das alles in schnellem Wechsel. Der sonnigste Tag war der 3. Juli mit 15,5 Stunden, sechs Tage später mochte man das Haus nicht verlassen: Pro Quadratmeter fielen fast 40 Liter Regen. Was sonst vielleicht in einem Monat üblich ist, prasselte an nur einem Tag vom Himmel.

Im September kam der Sommer noch mal in Fahrt, der Oktober gab sich milde, blies warme Lüftchen aus Süden an den Rhein, um dann einen einsamen Wetterrekord vorzubereiten: den „Goldenen November.“ Der startete Allerheiligen mit einem Wärmerekord: 20,4 Grad! Die Rheinische Post berichtete, dass die Besucher des Fischmarktes sich fühlten, als dauere ihr letzter Frankreichurlaub noch an. Eisdielen und Biergärten waren voll, von November-Blues keine Spur. Der kam dann mit ein bisschen Verspätung im Dezember, der meist grau, düster, klamm und ebenfalls zu warm war. Von Polarluft und Schnee keine Spur, der Winter lässt uns mal wieder im Regen stehen.

Fazit: 2014 war eines der wärmsten Jahre überhaupt, ohne besonders heiße Tage im Sommer, über 30 Grad kletterte die Quecksilbersäule an nur fünf Tagen (2013 waren es 11). Alles irgendwie lauwarm. Vögtlin: „Das Jahr war geprägt vom milden Winter und Frühjahr mit früher Vegetation, einem durchwachsenen Sommer und einem versöhnlichen Herbst.“ Die Sonne schien an 1787 Stunden. Ist das viel? Im Vergleich zu Rimini nicht, „aber für hiesige Breiten ist das kein schlechter Wert.“