Düsseldorf stellt sich in den Weg

Thomas Beckmann spielt gegen
Thomas Beckmann spielt gegen
Was wir bereits wissen
Breites Bündnis gegen Rechts in der NRW-Landeshauptstadt: 5500 Menschen protestierten ám Montagabend gegen „Dügida“ mit rund 350 Islam-Gegnern.

Düsseldorf..  Norbert Wesseler hatte sich die Lage zunächst vom Hubschrauber aus angesehen. Später, gegen 19.30 Uhr, kam der Polizeipräsident dann mit dem Fahrrad in die City. Er sah gespenstische Szenen vor dem alten Rex-Kino an der Friedrich-Ebert-Straße. Rund 350 „Pegida“-Anhänger hatten sich dort versammelt, Deutschland-Fahnen flatterten im Wind, Melanie Dittmer, Rechtsradikale und „Dügida“-Organisatorin, hielt Schilder mit Mohammed-Karikaturen in die Höhe. 500 Meter weiter hinten, vor dem DGB-Gewerkschaftshaus, lief die vom Düsseldorfer Appell initiierte, friedliche Gegendemonstration mit Reden von Oberbürgermeister Thomas Geisel, Landtagspräsidentin Carina Gödecke oder dem hiesigen IG-Metall-Boss Nihat Öztürk. Rund 5500 Menschen stellten sich gestern Abend den Islam-Gegnern in Düsseldorf entgegen. „Das ist eine beeindruckende Zahl“, ließ sich Norbert Wesseler auf NRZ-Anfrage entlocken.

Der Spuk zwischen Ankunft und Abreise der „Pegida“-Anhänger dauerte gute vier Stunden. Demo und Gegendemo verliefen „weitgehend friedlich“, meldete gestern Abend die Polizei, die mehrere Hundertschaften vor Ort hatte.

Bannmeile in der City

Die Einsatzkräfte hatten quasi mit der Ankunft der Islam-Kritiker gegen 18 Uhr rund um den geplanten Demonstrationszug von Friedrich-Ebert-Straße über Karlstraße, Graf-Adolf-Straße zur Berliner Allee eine Bannmeile errichtet.

Den ersten Umweg mussten die Rechten aber bereits nehmen, kurz nachdem sie der Hauptbahnhof am Konrad-Adenauer-Platz ausgespuckt hatte. Auf dem Vorplatz hatten rund 500 Leute aus der Antifa-Bewegung eine Menschenmauer gebildet. Kein Durchkommen. Der Pulk mit den Deutschland-Fahnen musste den Umweg über Bismarck- und Karlstraße nehmen, um zum Versammlungsort zu kommen.

Um 19.50 Uhr zog der Tross dann los, wurde an jeder Ecke ausgebuht, ausgepfiffen, beschimpft. Es brodelte. Nervöse Stimmung bei den Polizisten, die dem Zug freies Geleit gewähren mussten. Vereinzelt flogen Flaschen aus den Reihen der Gegendemonstranten, zwei Polizisten wurden dabei verletzt. An der Graf-Adolf-Straße schütteten Anwohner einen Eimer Wasser über den „Dügida“-Zug aus. Überall „Nazis raus“-Rufe.

Ein wenig dezenter die Zeichen, die öffentlich gesetzt wurden. So blieb neben anderen markanten Gebäuden in der Landeshauptstadt auch das Rathaus duster – Ja, auch das Rathaus.

Dügida-Planerin Dittmer hatte noch am Wochenende einen Richterspruch gegen OB Geisel erwirkt. Vom Verwaltungsgericht wurde die Stadt daraufhin angewiesen, den Internet-Aufruf „Lichter aus! Düsseldorf setzt ein Zeichen gegen Intoleranz“ zu entfernen. Gestern dann legte die Stadt ihrerseits beim Oberverwaltungsgericht Münster Beschwerde gegen den Beschluss ein. Ein Ziehen und Zerren, dass Düsseldorf schließlich gewann: Wenige Minuten vor dem Start der Kundgebung kam vom OVG das Okay: Das Rathaus-Licht darf aus bleiben. Mit der Begründung, es sei juristisch nicht eindeutig geregelt, wie stark sich Geisel gegen „Dügida“ positionieren dürfe.

Übrigens: Auch Justizminister Thomas Kuschaty und Innenminister Ralf Jäger hatten angeordnet, ab 18.25 Uhr die Lichter ihrer Behörden zu löschen.

„Feigheit ist jetzt fehl am Platz“, sagte Star-Cellist Thomas Beckmann und platzierte sich kurz vor dem Start der Demo mit seinem Instrument mitten in den Pulk der Rechten am alten Rex-Kino und untermalte seinen Protest mit sanften Streicherklängen. „Wir können in dieser Stunde als Gesellschaft in einem säkularisierten Staat brüderlich zueinander finden. Was ich mit meiner Musik dazu beitragen kann, das möchte ich gerne tun“, sagte er.