Düsseldorf startet mit Wiederaufbau der historischen Parks

Gartendenkmalpfleger Tobias Lauterbach: „Die historische Analyse der Parks ist besonders wichtig.“
Gartendenkmalpfleger Tobias Lauterbach: „Die historische Analyse der Parks ist besonders wichtig.“
Foto: Wappner
Was wir bereits wissen
Die Stadt setzt nach „Ela“ einen weiteren „Meilenstein“: Gestern startete mit der Pflanzung von sechs Linden im Nordpark der Wiederaufbau der Düsseldorfer Gartendenkmäler.

Düsseldorf.. Fast unter Ausschluss der Öffentlichkeit pflanzten gestern Vormittag Mitarbeiter des Gartenamtes sechs Linden in den Boden des Nordparks, nahe des Japanischen Gartens. Dabei war es ein historischer Moment. Denn das Setzen der Bäume bedeutete gleichzeitig den Startschuss für den Wiederaufbau der Düsseldorfer Gartendenkmäler. Für die Stadt ein weiterer „Meilenstein“ nach den Zerstörungen durch Orkan „Ela“.

„Wir haben die Linden exakt dort hin gesetzt, wo die Bäume durch den Sturm gefallen sind, denn wir wollen in der Symmetrie bleiben“, erklärte Gründezernentin Helga Stulgies. Die Erneuerung der denkmalgeschützten Parks sei eine „große planerische Herausforderung“, aber auch eine „Chance, diverse strukturelle Defizite innerhalb der Anlagen zu korrigieren“.

16 Parkanlagen werden saniert

16 von insgesamt 32 Gartendenkmäler in der Rheinmetropole müssen nach „Ela“ in den kommenden Jahren saniert werden. Dabei sollen so genannte Parkpflegewerke als Grundlage dienen. In einem Pflegewerk werden sowohl alle Bestandteile einer Parkanlage festgehalten – Wege, Sträucher, Hecken oder Wasseranlagen – , als auch die einzelnen Entwicklungsstufen eines Parks. „Die historische Analyse ist besonders wichtig“, betont Gartendenkmalpfleger Tobias Lauterbach. Für das Pflegewerk benötige man eine „anlagengenetische Karte“, auf der die zeitlichen Entwicklungsschichten eines Parks miteinander gewichtet werden. Man spricht, so Lauterbach von der „Vita einer Anlage“.

Beispiel Hofgarten: Die mehr als 200 Jahre alte Anlage hat diverse Parkbilder durchlaufen. 1769 von Nicolas Pigage erstellt, wurde die grüne Lunge Düsseldorfs 1804 von Maximilian Weyhe erweitert. Es gab Zerstörungen durch Weltkriege, Veränderungen durch Verkehrsplanung, städtebauliche Maßnahmen wie den Kö-Bogen – und zu Pfingsten 2014 den verheerenden Sturm „Ela“. Die Fläche wiederherzustellen, führe zu einer tiefgreifenden Auseinandersetzung von historisch überliefertem und dem über Jahre gewachsenen Parkbild, so die Experten.

Neben dem Rheinpark und dem Ständehauspark gehört der Hofgarten zu den drei Parkanlagen in der Stadt, die – auch aufgrund des hohen Grades an Zerstörung – umfangreich saniert werden müssen. „Wir hatten ohnehin den Hofgarten auf unserer Agenda und wollten dort ein Parkpflegewerk in Auftrag geben“, verrät Lauterbach. Sturm „Ela“ habe jedoch im wahrsten Wortsinn alles durcheinander gewirbelt. „Wir mussten den Hofgarten nach dem Unwetter vorziehen“, so Lauterbach.

Im Hofgarten ebenso wie im Rheinpark soll nach Erstellung des Entwicklungsplans mit der Bepflanzung Ende 2015, spätestens Anfang 2016 begonnen werden. In 2017 sollen dann alle Sturmschäden beseitigt sein. „Bis es jedoch wieder zu einem richtigen Parkbild kommt, wird es noch eine Generation dauern“, so Lauterbach.

Auch wenn der knapp 100 Jahre junge Rheinpark durch „Ela“ schlimm in Mitleidenschaft gezogen wurde – Die Fachleute freuen sich, dass hier immerhin noch die kompletten Pflanzpläne aus den 1920er Jahren vorhanden sind. Bei insgesamt sechs weiteren sanierungsbedürftigen Anlagen sind sogar die kompletten Pflegewerke noch zu gebrauchen. Das sind der Ostpark, der Golzheimer Friedhof, der Park am Spee’schen Graben, der Park Lantz, das Rheingärtchen und der Schlosspark Mickeln.

Woanders sind die Zerstörungen weniger umfangreich, so dass nur Teile der Anlagen erneuert werden müssen. Lauterbach spricht in diesem Zusammenhang von „Parkpflegewerke light“. Es sind weitere sieben Areale: der Nordpark, die Mahnmal-Achse am Nordfriedhof, der alte Bilker Friedhof, Schlosspark Benrath, Park Elbroich, der Volksgarten und das Kö-Gärtchen.

Geplant ist auch die Pflanzung von Zukunftsbäumen wie die Amber oder der Lederhülsenbaum. Sie trotzen extremen Wetterlagen und sind zudem resistenter gegen Krankheiten. „Dies trägt dazu bei, dass unsere Parks artenreicher werden“, so Dezernentin Stulgies.