Düsseldorf soll Welthauptstadt für das Gaslicht werden
27.10.2009 | 10:08 Uhr 2009-10-27T10:08:00+0100
Düsseldorf. Seit Monaten kämpft die "Initiative pro Gaslicht" unter der Schirmherrschaft der Kunstmäzenin Gabriele Henkel für den Erhalt der 17.000 Gaslaternen in Düsseldorf. Henkel, Kom(m)ödchen-Chef Kay Lorentz und Künstler Tony Cragg überreichten nun eine Petition an Oberbürgermeister Elbers.
Wenn Gabriele Henkel auf die Barrikaden steigt, soll sie gebührend empfangen werden. So wählte Elbers im Rathaus gestern den Jan-Wellem-Saal, um dort die Protestnote der Kunstmäzenin und anderer namhafter Mitunterzeichner wie Kay Lorentz und Toni Cragg entgegen zu nehmen. Der Oberbürgermeister wird jetzt die Petition der Protestler an den Beschwerdeausschuss und den Rat weiterleiten, deren wichtigstes Anliegen sich in einem Satz zusammenfassen lässt. Düsseldorf soll „Welthauptstadt für das Gaslicht” werden.
Protest hat zu Meinungsumschwung geführt, auch in der Politik
Schon seit Monaten kämpfen Bürger in ihren Vierteln und die vor kurzem gegründete „Initiative pro Gaslicht” unter der Schirmherrrschaft von Gabriele Henkel dafür, dass keine weitere der fast 17.000 Gaslaternen auf Strom umgerüstet oder gar demontiert wird. Ein Protest, der in der Politik zu einem beachtlichen Meinungsumschwung geführt hat. Inzwischen zeichnet sich bei CDU und FDP eine Mehrheit dafür ab, die 4300 historischen Laternen in den Gründerzeit-Vierteln weiter mit Gas zu beleuchten und die meisten anderen nur umzurüsten, aber nicht abzubauen.
Die Protestler rücken keinen Millimeter von ihrer Linie zurück. Zu viel stehe auf dem Spiel. Allein gestern wurden vier Laternen auf der Meineckestraße demontiert. Schon eine Umrüstung auf Stromlicht oder LED wäre „ein schwerwiegender, nicht wieder gut zu machender Fehler”, so Henkel. Nirgendwo auf der Welt gebe es ein derart dichtes und intaktes Netz von Gaslaternen wie in Düsseldorf.
So bedeutend wie die erste Dampfmaschine
Dieses muss als industrietechnisches Denkmal sofort unter Schutz gestellt und langfristig auf die Unesco-Liste als Weltkulturerbe gesetzt werden. Ein Antrag für die Vorschlagsliste werde „letztlich Erfolg” haben, ist sich Gabriele Henkel sicher. Erst das Gaslicht habe die industrielle Revolution mit ermöglicht. Es sei vergleichbar mit der Entwicklung der Dampfmaschine. Und: Viele Düsseldorfer haben sich von klein auf „an dieses Licht gewöhnt und wollen nicht darauf verzichten.”
Die Argumente für die Umstellung auf sparsame Leuchtdioden lässt die Initiative nicht gelten. Damit werde „effektiver Klimaschutz” in Düsseldorf nicht erreicht. Der Anteil der Gaslaternen am Kohlendioxidausstoß der Stadt liege bei unter zwei Promille. Zudem können die Laternen auch mit Biogas betrieben werden.
Der Plan: Aufnahme in die Weltkulturerbe-Liste
Das weitere Procedere: Sollten die engagierten Streiter die Politik ganz auf ihre Seite ziehen, wird man zunächst ein Moratorium, einen Status Quo vereinbaren: Alles bleibt, wie es ist. In einem zweiten Schritt soll ein Expertenteam die Vorbereitungen für die Aufnahme in die Weltkulturerbe-Liste treffen. Das heißt auch, dass historische Straßenzüge wieder ans Gas-Netz angeschlossen werden, etwa auf der Kö: „Die Kö-Brücken würden viel schöner beleuchtet”, so Initiativen-Sprecher Georg Schumacher.
Auch die Altstadt und die Carlstadt müssten wieder komplett auf Gaslicht umgestellt werden. Über die Jahre wurde bereits bei 227 der 530 historischen Laternen die Gaszufuhr gestoppt. Während man auf der Akademie- und Flinger Straße die alte Leuchten unangetastet ließ, sind die Gasbrenner an der Bolkerstraße nur noch Attrappen.
Kampf für Gaslaternen wird Thema im Karneval
Jecken-Urgestein Hermann Schmitz, der die Initiative unterstützt, kündigt bereits an, den Kampf um die Gaslaternen beim nächsten Zoch zum Thema zu machen. Altstadt-Original Engelbert Oxenfort protestiert auch an vorderster Front: Er weiß noch, welchen Spaß er als Bub er mit den Laternen hatte, als er den Mast hoch kletterte und an einem Faden das Licht ausmachte. Kam dann der Mann von den Stadtwerken, suchte er schnell das Weite und warnte noch seine Spielgefährten: „Da kütt de Laternen-Pitscher.”
10:58
LED-GASLICHT in LEIPZIG:
http://www.videowerkstatt.net/videos/nachrichten/08-2011/letzte-led-leuchte-geht-in-betrieb-7958/
13:58
Im Dunkeln lässt sich´s gut munkeln, oder wie war der Spruch?
Die Laternen lenken ja auch nicht weiter vom Wesentlichen ab, ganz im Gegenteil, sie stellen es mit ins rechte Licht. Ob sie nun brennen oder nicht.
13:40
@ErwinSchwarz
Man sollte die Buergerinitiative Lot Stonn fuer den Tausendfuessler mal auf die UNESCO-Idee bringen, da waren doch einige Prominente dabei.
Und fuer Radfahrerschikannen reichen doch 11 Unterschriften, wenn ein Prof.em. dabei ist.
Bei den Gaslaternen hoffe ich, dass am Ende die Laternen selbst behalten (zeichnet sich ja schon ab) und auch die abgebauten wieder aufgebaut werden. Die Leuchtmittel kann man von mir aus austauschen. Es muesste durchaus LEDs geben, zumindet technisch muss das gehen, die eine Lichtfarbe aehnlich Gaslicht erzeugen. Das waere vielleicht eine huebsche Idee fuer ein Ingenieurbuero oder einen Studentenwettbewerb.
13:13
@Cappucino
Der Vorschlag findet meine volle Unterstützung. Und was die Gaslaternen angeht, bin ich für deren Erhalt bei gleichzeitiger Umrüstung auf LED, wobei natürlich das grelle Licht durch kleine mattgläserne, gelblich eingefärbte Hütchen über den Birnchen gedämmt werden sollte.
PS: die geplanten Straßentunnel sind im Grunde neue Bauwerke der überholten Idee einer autogerechten Stadt und bringen im Gegensatz zum Rheinufertunnel keinerlei städtebaulichen Vorteil.
12:03
Die Laternen sollten in jedem Falle bleiben, die Leuchtmittel hingegen koennen ausgetauscht werden, denn LEDs liessen sich auch so hinbekommen, dass ihr Schein demjenigen der alten Gasflamme zumindest sehr aehnlich ist.
Protest gegen das Abmontiern der Laternen? Ich bin dabei! Protest gegen den austausch der Gluehstruempfe gegen LEDs? Da sehe ich kein Problem.
Als Weltkulturerbe wuerde ich eher das Ensemble aus Drei-Scheiben-Haus, Schauspielhaus und Tausendfuessler vorschlagen. Es ist typisch fuer die klassische Moderne, die gerde verschwindet (nicht nur bei uns) und doch einmalig. Insbesondere der Tausendfuessler steht wie nur wenige Gebaeude weltweit fuer die laengst ueberholte Idee der autogerechten Stadt, ist typisch und doch einmalig, wie es die UNESCO-Kriterien fordern.
01:17
Weltkulturerbe-Status für das Gaslichnetz - bitte so schnell wie möglich!
Ich kann es einfach nicht fassen, daß ohne jede Information und Zustimmung der Bürger die kostbaren Original-
Alt-Düsseldorf-Gasleuchten in der Altstadt gerade STRASSENWEISE abmontiert werden und durch teure, aber optisch scheußliche und extrem billig anmutende Neubau-ATTRAPPEN ersetzt werden.
Ausgerechnet von dieser bestimmten Leuchtenfirma aus dem Rhein-Main-Gebiet, mit der die Stadtwerke auch sonst scheinbar gute Kontakte pflegen.
Bestückt mit knubbeligen Energiesparlampen, wie man sie aus dem Supermarkt oder Baumarkt kennt.
Das Licht hat nichts mehr mit der weichen, anmutigen Eleganz des Gaslichts gemeinsam.
Stattdessen weißrötliches Neonlicht.
War das edle, honiggelbe Gaslicht nicht gerade in der Altstadt für UNANTASTBAR erklärt?
Nun wurden beispielsweise an Reuterkaserne, Akademiestraße, Rheinstraße, Schulstraße, Josef-Wimmers-Gasse (an der Düssel), Hafenstraße und Bolkerstraße die wertvollen Originale durch die gleichen potthässlichen FAKES ersetzt, wie man sie schon an Oberkasseler Straße, Wildenbruchstraße, Alt Heerdt, Am Rott und anderswo findet.
Als Düsseldorfer bin ich extrem EMPÖRT und fühle mich verkackeiert.
Was würde wohl Heinrich Heine zur diesem Kulturkahlschlag und der Zerstörung unseres Stadtbildes sagen?
Da wird ein ganz besonderes, einzigartiges und historisches ALLEINSTELLUNGSMERKMAL unserer bisher schönen Stadt vernichtet, weil Interessen einiger Elektroindustriekonzerne kurzfristig bedient werden möchten, denen unser Stadtbild reichlich EGAL ist.
Aber es geht nicht nur um die historischen Leuchten in der Altstadt: Im GESAMTEN Gaslichtnetz unserer Stadt sind historisch und gestalterisch wertvolle Gasleuchten aller Art und Form bedroht, solange es keinen offiziell geregelten Schutz für diese kostbaren Denkmäler der Stadt- und Industriekultur gibt, die weltweit nur bei uns in Düsseldorf in diesem Ausmaß und in diesem Bestzustand vorhanden sind.
So wie Schloßturm, Lambertuskirche, Schloß Benrath sind sie unverwechselbares Erkennungsmerkmal unserer Stadt und kultureller Schatz zugleich.
Ein Weltkulturerbe für die Generationen von morgen.
Stadtkultur- und Industriedenkmal zugleich.
00:42
Gaslicht mag in von Altbauten geprägten Stadtteilen nostalgisch etc sein. Was die Befürworter allerdings offensichtlich nicht zu interessieren scheint ist, dass Gaslaternen -wie ein Vorredner bereits sagte- von der Lichtwirkung eher einer Funzel nahe kommen. LED Licht kann sehr individuell den örtlichen Verhältnissen angepasst werden. Zudem können mit LEDs ausgestattete Laternen relativ flexibel an anderer Stelle positioniert werden. Bei Gasbetrieb scheiterte ein Standortwechsel stets am Aufwand, eine Verlegung der Gasleitung zu veranlassen. In sonst von Gaslaternen mit reichlich dunklen Ecken und den passenden Gestalten ausgestatteten Gegenden, bringt ein angepasstes LED-Leuchtmittel einen guten Kompromiss aus Erhalt der alten Laterne mit zweckmäßigem und dann wenigstens erhellendem Licht.
21:21
Eine absolut unterstützendswerte Aktion von Frau Henkel und Co.
Hoffe sie hat Erfolg !!!
20:43
Es geht nicht um Laternen sondern Leuchtmittel. Soweit ich es verstanden habe soll Gas durch LED ersetzt werden, mehr nicht.
Gemäß den Argumenten der Gaslichtbefürworter müssen wir demnächst wohl wieder mit einem Kohlekraftwerk rechnen, back to the past...
Das was von vielen als heimelig bezeichnete Licht ist in Natura eher eine Funzel mit Punktwirkung.