Düsseldorf mit goldgelber Sonne und schwarzem Humor

Ein Karnevalswagen zeigt in Düsseldorf das Motiv "Charlie Hebdo - Satire kann man nicht töten".
Ein Karnevalswagen zeigt in Düsseldorf das Motiv "Charlie Hebdo - Satire kann man nicht töten".
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Jacques Tilly ließ gleich vier Mottowagen mit Islam-Themen im Zoch mitfahren. Aber auch viele Vereine zeigten Narren-Vehikel mit großem Ideenreichtum.

Düsseldorf..  Diese Inszenierung ist gelungen. Einige Journalisten sind am Robert-Lehr-Ufer unterwegs, wo sich gerade die Karnevalisten mit ihren Wagen für den Zoch aufstellen. Ein Fotograf flüstert: „Wagen 23 ist verhüllt, da droht ein Skandal.“ In der Tat haben Jacques Tilly und sein Team das Vehikel mit schwarzen Tüchern umwickelt. Und lüften das Geheimnis erst, als Zugleiter Hermann Schmitz um 12.30 Uhr das Startsignal gibt. Natürlich hat es sich Kreativ-Kopf Tilly nicht nehmen lassen, einen „Charlie-Hebdo-Wagen“ zu bauen. Der sorgt für Staunen und viel Applaus. Er zeigt einen Narren mit dem Satiremagazin, der von einem Attentäter geköpft wurde. Aus dem Hals quillt die unmissverständliche Botschaft: Satire kann man nicht töten!

Mit Lokalkolorit

Gleich drei weitere Wagen hat Tilly dem heiklen Islam-Thema gewidmet. Auf einem sind ein stummer, ein tauber und ein blinder Mullah zu sehen. Auf ihren Turbanen steht geschrieben: Terror hat nichts mit Religion zu tun. Ein anders Motiv zeigte einen Al-Qaida- und einen IS-Kämpfer als Skelette beim Armdrücken. Ebenfalls im Angebot: ein US-amerikanischer Panzer, aus dessen Auspuff eine Abgaswolke steigt, die sich in einen bewaffneten IS-Soldaten verwandelt.

Witzig auch: Angela Merkel, die von einem Griechen mit einer Fletsche beschossen wird. Und: Vladimir Putin als militärische Größe und wirtschaftlicher Zwerg. Das bewegendste Motiv: ein untergehendes Flüchtlings-Schiff mit der Aufschrift: Das ist der wahre Untergang des Abendlandes.

„Jacques hat das wieder wunderbar gelöst. Es sind beeindruckende Motive mit rabenschwarzem Humor“, lobt CC-Boss Josef Hinkel und freut sich auch über den Wagen mit Lokalkolorit. Darauf zu sehen ist Thomas Geisel, der einem riesigen Sparschwein in den Schlund schaut und feststellen muss: Es herrscht gähnende Leere in der Stadtkasse. „Das hat Witz, der Wagen gefällt mir gut“, kommentierte der OB lächelnd.

Aber auch die Vereine präsentieren auf ihren liebevoll gefertigten Wagen jede Menge Interessantes. Till’s Freunde haben das Motto „Traurig jeck“ gewählt und zeigen einen von Ela entwurzelten Baum im Hofgarten.

Nostalgisch angehaucht

Auf dem Jubiläumswagen „50 Jahre Heine-Uni“ ist das Konterfei des großen Sohnes der Stadt zu sehen, zusammen mit dem Spruch: Weise erdenken Gedanken, und Narren verbreiten sie. Die Rheinische Garde Blau-Weiss dokumentiert die Kriegsherde der Welt und garniert dies mit der Devise: Wir jagen die Kriege weg, wäre das nicht traumhaft jeck? Nostalgisch angehaucht geben sich die Närrischen Schmetterlinge. Sie gedenken mit Portraits dreier verstorbener Karnevals-Größen: Marianne Plum, Günther Pagalies und Jürgen Rieck.

Auch das CC, das zum ersten Mal seit einem Dutzend Jahren wieder mit einem eigenen Wagen am Start ist, hat sich Gedanken gemacht. Unter dem Motto „Der Karneval ist für alle da“ zeigt der Wagen Christen, Muslime, Juden und Atheisten gemeinsam. Mit an Bord ist Jacques Tilly, in eine katholische Ordenstracht gewandet.

Für optische Glanzlichter sorgen auch die Fußgruppen. Südamerikanische Tanztruppen erweisen sich ebenso als Hingucker wie die KG Regenbogen, die mit ihren Kostümen wieder kunterbunte Farbtupfer setzt. Bei prächtigem Sonnenschein geizen die gut gelaunten Besucher nicht mit Applaus und Helau-Rufen. Auch die Kamellejäger kommen voll auf ihre Kosten. Rund 50 Tonnen süßes Wurfmaterial bringen die Vereine unters jecke Volk, das entspricht dem Gewicht von zehn ausgewachsenen Elefanten. Dabei sind Fruchtgummis, Kaubonbons und Mausespeck. Aber auch Blumen, kleine Bälle und Papiertaschentücher. Kurios: Eine Fußgruppe versorgt die Jecken mit Grünkern-Tütensuppe mit Haltbarkeitsdatum bis zum 31. Dezember 2014. Guten Appetit! Nach zweieinhalb Stunden haben alle 5000 Zoch-Narren die Rathaustribüne passiert. Jetzt rollen die Awista-Fahrzeuge an. Deren Motto heißt: Traumhaft weg ist der ganze Dreck. Tusch, Helau und tschüss bis zum nächsten Jahr.