Düsseldorf ist endlich winterfest
05.01.2010 | 13:15 Uhr 2010-01-05T13:15:00+0100Düsseldorf hat sich endlich winterfest gemacht. Im Vergleich zum letzten Kälteeinbruch Mitte Dezember sind Straßen, Wege und Haltestellen diesmal besser gestreut und geräumt.
Die Fußgängerzone in der Altstadt ist komplett von Schnee befreit. Die Autofahrer sind gerüstet und fahren langsamer. Es gab gestern kaum wetterbedingte Unfälle, berichten Polizei und Feuerwehr. Die Lage auf den Straßen und Autobahnen war - auch dank der Ferien - relativ entspannt. Nur wenige Verspätungen wurden im Nahverkehr der Deutschen Bahn und bei der Rheinbahn gemeldet. Am Airport starteten die meisten Jets planmäßig. Das befürchtete Schneechaos blieb diesmal aus.
Von Entwarnung allerdings keine Spur: Auch in den nächsten Tagen wird Düsseldorf seinen Frostpanzer nicht ablegen. Gestern früh wurden sogar minus acht Grad gemessen. Und: Für Samstag befürchtet die Stadtreinigung Awista heftige Schneefälle in der Stadt.
Der Winterdienst war wieder seit vier Uhr früh auf den Beinen. 23 Fahrzeuge rückten aus, um Straßen und Radwege zu streuen. Seit sechs Uhr kehrten 160 weitere Mitarbeiter die 3500 Fußgänger-Überwege. Dieser Winter hat sich gesalzen. 4000 Tonnen Streusalz wurden seit Dezember angefordert. Trotzdem sind die Vorratsspeicher bald wieder leer. „Wir mussten erneut nachbestellen”, erklärte Awista-Sprecher Ralf Böhme.
Mit einem derart kalten Wetter lässt sich kein gutes Geschäft machen. Im Gegenteil: Diesmal wird die Awista wohl draufzahlen. Mit der Stadt hat die sie eine vertragliche Festpreis-Vereinbarung für den Winterdienst. 2,5 Millionen Euro stehen 2010 zur Verfügung. „Es sieht so aus, dass das nicht reichen wird”, so Böhme. Für die weiteren Kosten muss die Awista, die diesen Winter schon über 160 mal ausrückte, dann selbst aufkommen.
Da haben es die Stadtwerke besser. Die rechnen mit den Kunden centgenau ab. Das Kraftwerk Lausward macht richtig Dampf. Beide Gasblöcke produzieren derzeit 300 Megawatt. Zusätzlich werden zwei Großkessel befeuert, weil der Fernwärme-Verbrauch deutlich gestiegen ist.
Die Düsseldorfer benötigen derzeit die sechsfache Menge an Gas. Während an einem Sommertag mit einer Durchschnittstemperatur von 18 Grad gerade mal sechs Millionen Kilowattstunden Gas abgesetzt werden, sind es an einem Wintertag wie gestern mit durchschnittlich minus zwei Grad schon 38 Millionen kwh!
Die Stadtwerke können noch viel mehr einheizen. „Wir haben genug Kapazitäten”, versicherte Stadtwerke-Sprecherin Christina Näckel.
„Bei uns muss keiner frieren”, betont Sozialamtsleiter Roland Buschhausen mit Blick auf die 150 bis 200 Obdachlosen, die sonst die Nacht im Freien verbringen. Die meisten von ihnen haben inzwischen die Notschlafstellen aufgesucht. Hundert der 120 Plätze sind derzeit belegt. Bei Bedarf werden weitere Betten zur Verfügung gestellt.
Der größte Schneeberg seit Jahren hat sich am Flughafen angehäuft. Seit Silvester wurden weitere 700 Lkw-Ladungen zu einem Abladeplatz hinter der neuen Feuerwehr-Wache gebracht. Auf einer Fläche von 80 000 Quadratmetern türmen sich die Schneemassen bis zu fünf Meter hoch. „Erst im Mai wird alles weggetaut sein, kündigte Airport-Sprecher Christian Witt an.
160 Mitarbeiter sorgen dafür, dass die Start- und Landebahnen gut geräumt sind. Weitere 50 sind speziell dafür ausgebildet, die Flugzeuge vor dem Start zu enteisen. Allein gestern früh wurden an 26 Maschinen vor allem Tragflächen und Leitwerk mit einem Auftaumittel besprüht. Mit Hilfe von zehn Spezialfahrzeugen (wegen ihrer Rüssel heißen sie „Elephants”) können pro Stunde bis zu 25 Jets besprüht werden, so dass der Flugbetrieb normal weiter läuft.
Verzögerungen traten auf der größten Baustelle Düsseldorfs auf. „Wir hatten Startschwierigkeiten und konnten heute nur mit gebremstem Schaum arbeiten”, teilte gestern Gerd Wittkötter, Projektleiter der Wehrhahnlinie, mit. Der Grund: Ventile an den Baustoff-Silos waren festgefroren. Sie mussten erst mit Heizgeräten aufgetaut werden. Am Nachmittag war wieder alles Okay. Wittkötter: „Wir arbeiten normal weiter und bleiben im Zeitplan.”
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