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Stadtkampagne

"Düsseldorf ist arschteuer" - alternative Szene wehrt sich gegen Kampagne der Stadt

02.12.2011 | 16:04 Uhr
Dirk Elbers (CDU) weiht die Kampagne am 22. November ein. Der Slogan "Düsseldorf ist mehr" verfängt jedoch nicht bei allen Bewohnern der Stadt.Foto: Sergej Lepke / WAZ Fotopool

Düsseldorf.  "Dein Düsseldorf" heißt die Kampagne mit der die Landeshauptstadt derzeit ihr Image aufpolieren will. Von wegen "Mein Düsseldorf" findet die freie Kulturszene. Die Stadt sei viel zu teuer und gehöre in Wirklichkeit den Reichen und den Investoren. Mit einer Gegenaktion zieht die Bewegung den Zorn der Stadt auf sich.

Düsseldorf ist schicki-micki und spießig, Düsseldorf ist die KÖ und ansonsten ein bisschen langweilig – dieses Image will die Stadt bekämpfen.  „Dein Düsseldorf“, die Kampagne, die nun zur Imagekorrektur läuft, fordert die Düsseldorfer auf, zu zeigen was ihre Stadt für sie ist. Denn, da ist die Stadt überzeugt, „Düsseldorf ist mehr“. Lieblingscafés, ungewöhnliche Ecken, süße kleine Düsseldorfer Babys – die Fotos, die eingeschickt wurden, sollen vor allem eines: „menscheln“. 

Doch nicht alle Menschen in Düsseldorf sind von der Kampagne begeistert. Einige haben die Frage auf eine Art beantwortet, die wohl nicht im Sinne der Stadtoberen ist. „Düsseldorf ist arschteuer, Düsseldorf ist unsozial, Düsseldorf ist ein beschissenes Spekulationsobjekt!“ Die freie Kulturszene Düsseldorf bezieht deutlich Stellung. Sie will ausdrücklich kein Teil des Marketings sein, sich nicht „vereinnahmen lassen“.

Luxuswohnungen, Mega-Events und Investoren stünden im Fokus der Stadt

Alles, was sich unter dem Begriff „alternative Subkultur“ sammelt, sei in Düsseldorf in seiner Existenz bedroht, klagt Anika Breuer, 26. Die Studentin ist Mitglied der Gruppe „Ifuriosi“, zu deutsch; die Wütenden. Wütend sind sie über eine Stadtpolitik, die keinen Platz für Kultur, Ausstellungen und Musikbands biete, sondern stattdessen auf Luxuswohnungen, Mega-Events und reiche Investoren setze.

„Düsseldorf soll eine Stadt der Reichen werden, in der normale Leute keinen Platz haben“ findet Breuer, die auch bei „Freiräume für Bewegung“, einem Zusammenschluss der Düsseldorfer Kulturszene, organisiert ist. Bürgermeister Dirk Elbers (CDU) wirft sie vor, kein Interesse an preiswertem Wohnraum zu haben und damit die Entwicklung zur „Luxus-Stadt“ noch zu forcieren.

"Eine Pöbelei" nennt die Stadt die Gegenkampagne

Natalia Fedossenko vom Presseamt der Stadt Düsseldorf ist ähnlich wütend wie Anika Breuer. Der Ton der Gegenkampagne sei „eine Pöbelei“ und „nicht das Niveau, auf dem wir diskutieren wollen“. Zudem ärgert sie sich, dass die beiden Internet-Domains einander so stark ähneln. „Dagegen werden wir rechtlich vorgehen“ kündigt sie an.

Natalia Fedossenko leitet das Amt für Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der Stadt Düsseldorf. Sie ärgert sich sehr über die Kampagne der Gegner und hat bereits Klage angekündigt.Foto: Sergej Lepke / WAZ Fotopool

Die Gegenkampagne von „Freiräume für Bewegung“ fordert die Düsseldorfer ebenfalls auf, Fotos ihrer Stadt einzusenden – allerdings Fotos, die zeigen, was in Düsseldorf schief läuft oder nicht genügend gefördert wird. „Wir haben ein Recht auf unsere Stadt und dafür müssen wir kämpfen“ meint die Studentin Breuer, die selbst auch aus Düsseldorf kommt. Steigende Mieten und Verdrängung von Menschen, Kunst oder Kultur nennen die Gegner auf ihrer Homepage als Gründe für den Protest.

Auf diese Gründe will Fedossenko nicht eingehen. „Sie könnten ja auch mit kritischen Fotos an unserer Aktion teilnehmen, so wie das schon viele Düsseldorfer getan haben“ bietet sie den Gegnern an.

Das große Echo gibt der Stadt recht, findet die Pressesprecherin

Doch die stellen sich quer. Am größten ist bei den Gegner die Sorge, vom Stadtmarketing vereinnahmt zu werden. „Wenn jetzt die alternative Szene als Beispiel für „Düsseldorf ist mehr“ herangezogen werden soll, ist das einfach lächerlich“ meint Anika Breuer . „Wir waren der Stadt immer völlig egal und sollen nun ausgeschlachtet werden – das geht nicht.“

Auch wenn die Stadt äußerst gereizt auf die Gegenkampagne reagiert hat, sieht sie sich dadurch auch ein bisschen bestätigt. „Das große Echo – auch von den Gegnern – zeigt, dass wir mit der Aktion richtig liegen“ findet die Pressesprecherin.

Charlotte Theile

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Kommentare
06.12.2011
11:00
Die wollen doch nur spielen...
von Jakoba | #10

... und scheinen zudem ungebührlich von sich eingenommen zu sein, keine Spur eines realistischen Selbstverständnisses.
Da steht:
"Wir – die Menschen, die hier für eine lebenswerte Stadt und gemeinsame Orte sorgen ..." – puh, ein bisschen selbstzuerkanntes Künstlertum bewirkt dies sicher nicht. Gnadenlose Selbstüberschätzung, die sich als Gesellschaftskritik tarnt.
"... werden unsere Stadt nicht hergeben für Spekulation, Image oder Aufwertung ... "
Leute, Ihr seid nicht in der Position und in der Lage, etwas herzugeben, zu (ver)spekulieren oder gar aufzuwerten. Schon gar nicht Düsseldorf.
"... Düsseldorf – du kannst uns mal! ..."
Was denn nun? "für eine lebenswerte Stadt sorgen" oder "Düsseldorf - Du kannst uns mal!"
Beides gleichzeitig geht nicht.

05.12.2011
18:32
Was ist die „alternative Subkultur“?
von hubert.braun | #9

Um es vorweg zu sagen, ich mag Düsseldorf weil es sie hier eben nur gering entwickelt gibt.

Aber es geht ja darum sie zu beschreiben, was relativ leicht es denn es gibt da eine ganze Reihe von prägnanten Merkmalen.

Zunächst einmal kommen sie unisono aus gutem Haus, wie man so sagt. Bedeutet dass ihnen stets alles in den Schoß gelegt wurde, ihre Ansprüche unermesslich sind, und sie erwarten können mal ein Leben mit mehr als gutem Auskommen sorgenfrei führen zu können. Aber mit dem unbedingten Willen sich auszuleben, Selbstverwirklichung ist dass einzige Lebensziel.

Sie reden gerne, über Probleme die sie erkannt haben und darüber was man dagegen machen kann. Haben dann auch schnell die Lösungen aller Probleme parart, weil sie einen besonderen Blick für dass zu bekämpfende und auszurottende Böse haben. Absolut legitim, wer so hehre Ziele verfolgt dem kann man doch nicht zumuten auch noch allgemeingültige Regeln zu beachten.

Ihr Beitrag für unsere Gesellschaft ist unermesslich. Zwar tragen sie weder die finanziellen Lasten für únsere Sozialsysteme mit, schaffen auch keine Arbeitsplätze und kommen nicht für das Wohlergehen der Menschen im Lande auf. Aber man muss ihnen ja dankbar sein dass sie es gestatten ein solches Maß an intellektuellem Höhenflug gebührend zu bewundern. Sie verkörpern den Bienenstaat, sie sind die Drohnen weil alle Anderen nur Arbeitsbienen sein können.

Damit ist dann auch klar dass wir sie brauchen, sie geben unserem Leben Inhalt. Wir haben sie durchzufüttern und ihre hohen Ansprüche zu befriedigen und wir dürfen ihnen huldigen. Was kann schöner sein.

03.12.2011
21:59
Natürlich ist Düsseldorf Arschteuer
von manetti | #8

aber die Dekadenz hält sich ja immer noch in Grenzen. Wer in Düsseldorf lebt, weiß, dass es auch anders geht. Das Zentrum der Stadt stellt ja nicht unbedingt die Königsallee dar, auf welcher man Luxusautos mit Düsseldorfer Kennzeichen übrigens eher seltener sieht. Düsseldorf ist nicht nur eine Medien und (noch) Modestadt, Düsseldorf hat auch immer noch reichlich Industrie. Das wird vom OB gerne mal verschwiegen, dass Unternehmen wie Henkel, Mecedes-Benz oder Demag hier produzieren. Aber was erwartet man auch von einem Handlanger des Großgrundbesitzers und Spekulanten von Spee. Dem Mann geht es tatsächlich nur um eine bestmögliche Verwertung. Wer damit nicht einverstanden ist, sieht am Beispiel Berlin Prenzlberg, dass es durchaus Möglichkeiten gibt, sich öffentlichkeitswirksam zur Wehr zu setzen!

03.12.2011
15:18
Tollpatschige Kommunikationsprofis
von mlg1 | #7

Wenn die Stadt wirklich rechtlich gegen die Gegenkampagne aus der freien Kunstszene vorgeht, dürfte sie sich damit ordentlich selbst ins Knie schießen. Über die zusätzliche Aufmerksamkeit, die so etwas beschert, dürften sich die Statdtmarketing-Kritiker nur freuen (vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Streisand-Effekt). Vor allem, bestätigt die Stadt damit ja genau das, was ihr vorgeworfen wird: Ein Hochglanz-Fleckchen für Reiche sein zu wollen, das nichts Dissidentes zulässt.

03.12.2011
13:40
Freie Kulturszene...
von foxtrott | #6

...wird immer dann benutzt, wenn sie den überetablierten Schicki-Mickis das Image aufpolieren soll.Es gibt viele Leute, die nur wegen dieser freien Szene überhaupt nach Düsseldorf fahren, weil sie der Garant für wirkliche Innovationen abseits der intriganten Schickeria-Aktivitäten ist. Insofern ist die Kritik und die Aktion von Ifuriosi mehr als berechtigt.Wäre die Kampagne "Dein Düsseldorf" souverän, würde die Gegenaktion nicht so viel Schrecken auslösen.

03.12.2011
09:02
Blockierter Kommentar.
von hofisch | #5

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

03.12.2011
06:20
Düsseldorf ist ....
von kleane | #4

Düsseldorf ist schickimicki und das kann man auch nicht weg reden. Düsseldorf ist königlich und der König heißt Elbers. Wer hat denn hier schon etwas zu sagen in Düsseldorf? Alle die unter der 100000 € Grenze monatl. verdienen sicher nicht. Eigentlich sind alle darunter nur Füllstoff für Düsseldorf, damit es auf der Straße nicht so leer aussieht.
Aber wenn man sich dies ganze schickimicki und reich gehabe wegdenkt, dann ist Düsseldorf einfach schön und das überall, nicht nur in Oberkassel

02.12.2011
20:32
Christlich
von heidelbergensis | #3

Ist eben schick als Christlicher Bürgermeister in dieser Stadt als Nicht-Sozial anerkannt zu werden.

02.12.2011
20:14
Arbeit und Leben
von bearny | #2

Es gibt einen Weg, in Düsseldorf zu leben und zu arbeiten:
Indem man in Solingen oder Wubbatal wohnt und sich so die sauteuren Mieten spart.
Insofern haben die Kampangnengegner durchaus recht.
Die Kampagnenbefürworter allerdings irgendwie auch: wer läßt sich so eine Kampagne schon gern vermiesen? Wie damals die CDU, als es hieß "Du bist arbeitslos. Du gehst kaputt. Du bist Deutschland.", und so mancher ganz schön pikiert schaute angesichts dieser Parodie.

02.12.2011
19:15
Wie heißt es so zutreffend
von Neusser | #1

"Mach was Du willst, die Gegner sind sofort zur Stelle oftmals mit einer unberechtigten Kritik".
Düsseldorf ist eine vorzeigbare Stadt in jeder Hinsicht, auch nicht zu vergessen in punkto Politik Die Stadt Düsseldorf ist quase schuldenfrei, das ist schon eine große Leistung für sich in der heutigen Zeit.
Also liebe Düsseldorfer, lasst die Kritik an Euch herabperlen.

1 Antwort
Oja...
von whis42per | #1-1

...im Abperlenlassen von Kritik ist die Düsseldorfer Politik ja auch tatsächlich auf Weltstadtniveau.

In fast allen anderen Bereichen, egal ob es um Stadtplanung, Bildung oder Kultur geht,
versucht man allerdings lediglich verkrampft einen auf Weltmetropole zu machen,
und kommt dabei so neureich rüber wie es Provinzler eben tun,
wenn sie unbedingt mithalten wollen.

Ich bin geborene Düsseldorferin und liebe diese Stadt.
Allerdings sehe ich mit Besorgnis und Zorn,
was die schwarzgelbe Regierung in und mit ihr anrichtet.
Insbesondere bei der Verwaltung des unseligen Erbes,
das der Heilige Erwin hinterlassen hat.
Vor allem dessen kurfürstliches Gebaren hat man sich dabei sehr nachhaltig abgeguckt.
Da wird dann auch mal eine kritisch berichtende Tageszeitung aus der städtischen Pressemappe gekippt.

Nein, bloß keine berechtigte Kritik abperlen lassen,
sondern ihr vielmehr auch die eigene Stimme leihen!

So wird für einen Düsseldorfer, der seine Stadt wirklich liebt, ein Schuh draus!

Und so kann diese schöne Stadt vielleicht langfristig doch ein Gesicht behalten
nd nicht nur eine AllerweltsBotoxFratze!

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