„Düsseldorf hat ein Männerproblem“

Foto: Anne Orthen
Was wir bereits wissen
Düsseldorf ist Singlestadt. Am Medienhafen oder in der Altstadt balzen und flirten die Menschen. Doch in 52 Prozent der Haushalte bleiben sie alleine.

Düsseldorf..  Nach dreieinhalb Jahren als Single in Düsseldorf hat Nadine Kretz eine Erkenntnis gewonnen: Eine Frau in den Mittdreißigern muss schon ziemliches Glück haben, wenn sie einen passenden Partner finden will. Selbst wenn sie attraktiv und kontaktfreudig ist, selbst wenn sie einen großen Bekanntenkreis hat, selbst wenn sie ihre Hemmungen überwindet und auch im Netz auf Partnersuche geht. Die Düsseldorferin gilt als attraktivster Single auf Parship, Deutschlands größter Internetplattform zur Partnersuche. Ihr Profil ist tausende Mal von Männern aus der Republik aufgerufen worden, sie hat hunderte Mails bekommen. Und dennoch: Es ist schwierig. „Und es wird mit der Zeit nicht leichter“, sagt Nadine Kretz, da ist sie Realistin. Als 37-jährige Singlefrau in Düsseldorf müsse man das sein.

Sie hätte gerne einen Mann, der sein eigenes Geld verdient, nicht nur an einem Abenteuer interessiert ist, sich halbwegs zivilisiert in der Öffentlichkeit zu benehmen weiß – eigentlich einen normalen Typen eben, der sich zudem vorstellen kann, irgendwann eine Familie zu gründen. „Es gibt aber kaum welche“, sagt sie nach grob geschätzt mehr als 100 Treffen mit verschiedenen Männern. Kretz ist nicht verzweifelt, sondern ernüchtert. Sie ist hübsch. lustig und klug. Es liegt nicht an ihr.

Sie kennt viele Frauen, denen es ähnlich geht, die bereit sind, Kompromisse zu machen, es geht ihnen nicht um den Traumtypen. Sie wollen nur nicht belogen werden, fordern Höflichkeit beim ersten Treffen ein, sind nicht nur auf ein sexuelles Abenteuer aus, sondern auf Perspektiven. „Die allermeisten Männer aber haben keine Lust auf etwas Festes“, sagt Kretz. „Oder sie haben einen Knall.“ „Düsseldorf hat ein Männerproblem“, sagt Nadine Kretz. Eine andere Singlefrau, bereits etwas älter, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen will, sagt: Die Männer sind verheiratet oder furchtbar, meistens beides.

Die Statistik zeigt, dass dieses Problem vor allem ein qualitatives kein quantitatives ist. Tatsächlich ist Düsseldorf eine Single-Stadt. In mehr als der Hälfte der Haushalte lebt ein Mensch allein. Die meisten von ihnen sind laut Statistik zwischen 45 und 65 Jahre alt (54 000), gefolgt von den 30- bis 45-Jährigen (49 000). Sieht man von den verwitweten Menschen ab, leben die meisten von ihnen in den innerstädtischen Stadtteilen, in den schicken Neubauten, den renovierten Altbauten. In Pempelfort gibt es rund 14 000 Singlehaushalte von insgesamt 20 000, in Stadtmitte 6700 von insgesamt 9700.

Gerade in den relativ teuren, angesagte Wohngegenden ist die Quote der Ein-Personen-Haushalte groß. Die Menschen hier arbeiten viel, um sich die Wohnung leisten zu können, denn alleine zu leben, ist teuer – statistisch gesehen ist die „Armutsgefährdungsquote“ der allein Lebenden mit 30 Prozent fast doppelt so hoch wie im Durchschnitt der Gesamtbevölkerung (15,6 Prozent). Das sind zwar Zahlen, die sich auf ganz Deutschland beziehen, doch das Problem besteht auch in Düsseldorf: Singles haben kein Netz, es gibt kein zweites Gehalt, mit der man eine Durststrecke überbrücken könnte. Nadine Kretz probiert es weiter.