„Düsseldorf hat das Thema lange verschlafen“

Oberbürgermeister Thomas Geisel hat Miriam Koch vergangene Woche als Flüchtlingsbeauftragte der Stadt Düsseldorf vorgestellt.
Oberbürgermeister Thomas Geisel hat Miriam Koch vergangene Woche als Flüchtlingsbeauftragte der Stadt Düsseldorf vorgestellt.
Foto: Andreas Bretz
Was wir bereits wissen
Im Interview erklärt die neue Flüchtlingsbeauftragte Miriam Koch (48) warum ihre Stelle so wichtig ist und wo die drängenden Themen liegen.

Düsseldorf..  Im Düsseldorfer Rathaus gibt es seit vergangener Woche erstmals eine hauptamtliche Flüchtlingsbeauftragte: Miriam Koch (48), bislang Fraktionsgeschäftsführerin der Grünen, wechselt ins OB-Büro. Das Thema drängt: Zum Jahresende wird inzwischen mit 5000 Flüchtlingen gerechnet, mehr als doppelt so viele wie derzeit. „Das ist eine der größten Herausforderungen für Düsseldorf“, sagte OB Thomas Geisel bei der Vorstellung von Koch (NRZ berichtete). Deren erstes wichtiges Thema wird die Frage der Unterbringung: Letzte Woche musste erneut die „Task Force“ aus Stadt, Polizei und Feuerwehr tagen, weil es akut an Plätzen mangelt.

Frau Koch, warum braucht die Stadt eine Flüchtlingsbeauftragte?

In diesem Bereich arbeiten viele Ämter zusammen. Es ist eine gute Idee, diese Zusammenarbeit an einer Stelle zu koordinieren. Ich bin die zentrale Ansprechpartnerin nach innen und auch nach außen. Eine solche Position gibt es auch in anderen Städten.

Warum herrscht ein solcher Druck in dem Thema?

Die Zunahme an Flüchtlingen ist sicher in allen Städten eine Herausforderung. Düsseldorf hat darüber hinaus das Thema jahrelang verschlafen, das haben wir Grüne auch immer wieder kritisiert. Wir müssen schnell nachholen, was andere Städte lange organisiert haben, teils mit aufwendigen Mediationsverfahren mit den Bürgern.

Wie wollen Sie den Mangel an Unterbringungsplätzen beheben?

Es gibt natürlich schon viele Pläne. Ich werde mir nun schnell ein Bild machen. Wichtig ist, dass wir weiter nach Plätzen in bestehenden Gebäuden suchen. Die Unterbringung in Wohnungen wird erfahrungsgemäß von der Bevölkerung besser akzeptiert als Containeranlagen. Wir prüfen aber auch weiter die Standorte für Systembauweise.

Bürger beklagen mangelnde Beteiligung. Wie wollen Sie das ändern?

Wir haben keine Zeit mehr für aufwendige Mediationsverfahren. Aber jeder Schritt zu Transparenz ist einer zu Bürgerbeteiligung. Es wird zum Beispiel Info-Veranstaltungen in den Stadtteilen geben. Klar ist aber auch: Die Menschen müssen untergebracht werden.

Die Frage der Unterbringung überschattete zuletzt andere Aspekte. Wo sehen Sie weitere Aufgaben?

Wir müssen die Beschulung der Kinder organisieren, auch Sprachkurse sind ein wichtiges Thema. Wegen der Betreuung der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge möchte ich Kontakt zur Stadt Wuppertal aufnehmen, dort gibt es ein gutes Modell mit Vormundschaften. Darüber hinaus will ich die Willkommenskultur begleiten.

Was bedeutet das?

Es gibt in Düsseldorf erfreulicherweise schon ein verbreitetes Bewusstsein, dass man Flüchtlingen helfen muss. Sie haben sich nicht freiwillig auf den Weg gemacht. Wir Düsseldorfer müssen uns unserer humanitären Verantwortung stellen. Dazu gehört, die Menschen ins gesellschaftliche Leben zu integrieren. Dazu möchte ich beitragen.

Sie haben keine Erfahrung in der Verwaltung. Was qualifiziert Sie?

Ich habe als Fraktions-Geschäftsführerin viel Management-Erfahrung. Ich habe eine schnelle Auffassungsgabe, bin kommunikativ, belastbar – und habe keine Angst vor Öffentlichkeit.

Ist der Job der Einstieg in eine Verwaltungskarriere?

Die Stelle ist unbefristet und das Thema wird uns noch begleiten. Was dann kommt? Schauen wir mal.