drei Tage geballte Aktivität
26.07.2009 | 16:54 Uhr 2009-07-26T16:54:00+0200Seit fünf Monaten steht sie gemeinsam mit Philipp Kronen an der Spitze der Igedo: Jetzt hat Mirjam Dietz (44) ihre erste Modemesse in Düsseldorf organisiert, die gestern begann: „Meine Bewährungsprobe.”
Trotzdem hatte sie noch Zeit für ein Gespräch mit der . Dabei hat sie übrigens nicht zu erkennen gegeben, dass sie die ständige Erwähnung von Berlin vielleicht nerven könnte. . .
Im Vorfeld der CPD haben Sie gesagt, die Messe sei eine starke Marke. Wo sehen Sie die Stärken?
Die CPD steht für Tradition, das ist wichtig in einem schnelllebigen Markt. Wenn man im Ausland von der CPD spricht, erntet man immer positive Reaktionen, das erinnert mich manchmal an den Propheten, der nichts gilt im eigenen Land. Die Düsseldorfer Messe steht für drei Tage geballte Aktivität. Wer hierher kommt, will konzentriert arbeiten.
Und in Berlin wollen alle nur feiern?
Berlin war toll, aber danach kommt das reale Leben wieder. Und das findet in Düsseldorf statt. Man könnte auch sagen: Die Branche holt sich in Berlin den Appetit, aber gegessen wird in Düsseldorf. Ich hab' dort mit Modeagenturen gesprochen, die haben nur 20 Prozent ihrer Kunden bei der „Fashion Week” gefunden, aber 80 Prozent sind auf der CPD.
Aber zurzeit redet doch die Modebranche nur noch von Berlin, hat das nicht eine Sogkraft, die andere mitzieht?
Die psychologische Wirkung ist ganz klar da. Und der viel zitierte Glamour-Effekt ist dort sehr positiv. Aber glauben Sie mir, Einkäufer haben wenig Zeit, die wollen möglichst schnell in angenehmer Atmosphäre ihr Geschäft machen.
Hat die Stadtspitze begriffen, welcher Wirtschaftsfaktor die CPD ist?
Ja, absolut. Die Kommunikation ist mittlerweile schnell, direkt und unproblematisch. Und nach Jahren der Abstinenz kommt wieder ein Oberbürgermeister zu einer Modenschau, anschließend informiert sich Dirk Elbers bei einem Messerundgang.
Früher waren die Showroom-Betreiber die bösen Abtrünnigen. Heute sprechen Sie von einem gemeinsamen Zukunftsprojekt?
Wir wollen den Standort Düsseldorf gemeinsam stärken. Und die Showrooms muss man ganz klar als Standortvorteil sehen. So was hat Berlin nicht.
Wissen Sie eigentlich, was die Einkäufer erwarten, wenn sie zur CPD nach Düsseldorf kommen?
Wir haben soeben damit begonnen, Einzelhändler zunächst in Köln, München und Mannheim persönlich zu besuchen, um zu erfahren, was sie von der CPD erwarten. Das ist Neuland und kommt sehr gut an. Wir werden das auf andere Städte ausweiten und dann systematisch auswerten. Außerdem haben wir 3000 Top-Einkäufern persönliche Einladungen zur CPD geschickt, unter anderem mit einer kostenlosen Eintrittskarte und einem Gutschein, damit sie direkt auf dem Messegelände parken können. Und jeder von ihnen hat meine Handy-Nummer bekommen.
Steht ihr Telefon noch still?
(Lachend) Es war ziemlich turbulent.
Wie wollen Sie erreichen, dass neue internationale Firmen zur CPD kommen?
Ich spreche mit Herstellern in ganz Europa, wie neulich in London. Auch um Firmen hierher zu holen, die nicht schon überall bekannt sind. Außerdem haben wir Kooperationen geschlossen wie mit dem italienischen Exportverband „Ente Moda Italia” in Florenz. Die bauen jetzt einen Standort in Düsseldorf auf, den vierten weltweit.
Was bringt das?
Italienische Modemarken. Die haben in letzter Zeit stark auf den russischen Markt gesetzt, bis dieser in der Krise weggebrochen ist. Nun besinnen sie sich wieder darauf, dass sie immer schon gute Geschäfte in Deutschland gemacht haben.
Glauben Sie, dass die Düsseldorfer und Berliner Modemessen nebeneinander existieren können?
Berlin setzt alles auf die Außenwirkung. Das wird sich relativieren und Düsseldorf letztendlich nicht gefährden. Die CPD bleibt eine Plattform, um Trends aufzuspüren und um persönliche Gespräche zu führen, was gerade in Zeiten der Internet-Kommunikation besonders wichtig ist.
Das Gespräch führte:
Ute Rasch