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Die Wagner-Pleite

11.05.2013 | 00:23 Uhr

Wo war der Intendant? Letzten Samstag war Christoph Meyer zwar im Opernhaus und verteidigte mutig (genauso wie Kulturdezernent Hans-Georg Lohe), selbst nach brüllenden Buh-Orkanen von Wagner-Wutbürgern, die künstlerische Freiheit der Inszenierung von Burkhard Kosminski: Er hatte Wagners „Tannhäuser“ in die Gaskammern von Auschwitz verlegt. Und hatte Tannhäuser als Nazi-Offizier mit Hakenkreuz-Uniform auftreten und eine Familie erschießen lassen. Plakative Bilder, an denen sich ein Empörungssturm entzündete. Er mündete darin, dass viele Besucher einen Notarzt aufsuchten, und Christoph Meyer Tage später Aufführungen der Wagner-Oper ohne Bühnenbild und Kostüme anordnete.

Wo war aber der Intendant, der bislang eher unpolitische und skandalfreie Inszenierungen schätzte, vor einem Jahr? Damals, als Kosminski sein wenig originelles, naturalistisches Regiekonzept vorstellte, das im Sprechtheater wohl kaum jemanden noch schockieren dürfte. Schon damals hätte Meyer die Reißleine ziehen müssen. Wo war der Intendant vor einigen Wochen, bei den ersten Bühnenproben? Spätestens dann hätte er erkennen und vorhersehen müssen, dass die Erschießung einer jüdischen Familie durch den Titelhelden und verendende Menschen in durchsichtigen Glaskammern nicht nur den Blutdruck von konservativen Wagnerfans in die Höhe schießen lassen.

Was ist das für ein Intendant? Bis Sonntag stellt er sich schützend vor den Regisseur, spürt plötzlich, dass sich der Wind in der Stadt dreht und macht dann eine Kehrtwende. Wenn es einen Skandal gibt, dann ist es Meyers Verhalten, sein offensichtliches Unvermögen, die Reaktionen des Publikums vorauszusehen. Sonst wäre er im Wagner-Jahr auf Nummer Sicher gegangen und hätte nicht einen Opern-Anfänger wie Kosminski verpflichtet, sondern einen versierten Opern-Regisseur.

Durch sein Fehlverhalten hat Meyer vermutlich eine sechsstellige Summe in den Sand gesetzt. Denn alles muss bezahlt werden - das Salär von Bühnenbildner und Regisseur, die vertraglich engagierten Statisten und die Kosten für Kostüme und das aufwendige Bühnenbild, das vermutlich eingestampft wird. Glück im Unglück für den Intendanten: Sein Vertrag wurde erst kürzlich verlängert.

Michael-Georg Müller



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Kommentare
Kommentare
11.05.2013
16:16
Die Meyer-Pleite
von bohemien | #1

Sehr richtig, Herr Müller, Generalintendant Meyer setzt kurz mal eine sechsstellige Summe in den Sand und die Rheinoper soll eine Million Euro einsparen, um den Spielbetrieb in Duisburg aufrecht zu halten.
Fällt ausser mir noch jemand etwas auf ?
Was sind das eigentlich für merkwürdige Methoden an der DOR ? Warum gibt es da keine Kostentransparenz ?
Mit Zahlen, vor allem Besucherzahlen, hat die neue Leitung so ihre Probleme. Trotzdem sollten die Steuerzahler Einblick in das Finanzgebaren der Deutschen Oper verlangen. Mir drängt sich der Verdacht auf, das da nicht alles koscher ist.
Kober und Meyer halten sich doch nur in Düsseldorf, weil sie so gut mit der Stadtspitze vernetzt sind. Man hört doch ihre Namen oft genug im selben Atemzug mit Elbers, Fedossenko, Lohe und Conzen. Und das nicht nur fachlich bedingt, sondern gern auch im Halbschatten der Politik.
Mit Verlaub, ein Intendant der so eine erbärmliche Vorstellung gibt, wie Meyer, sollte umgehend seinen Hut nehmen.
Adieu !

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