Die Studenten schäumen

Der Preis eines Semestertickets für Studenten im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) soll steigen.
Der Preis eines Semestertickets für Studenten im Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) soll steigen.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Die angekündigte Preiserhöhung des Verkehrsverbundes Rhein-Ruhr (VRR) fürs Studententicket schlägt an den Düsseldorfer Hochschulen hohe Wellen.

Düsseldorf.. Fast 25.000 angehende Akademiker an der Uni sowie rund 10.000 Fachhochschüler in der Rheinmetropole müssen damit rechnen, dass ihre zurzeit 25,43 Euro-Monatskarte bald teurer wird. Kalkulation und tatsächliche Nutzung lägen mittlerweile weit auseinander, so der VRR zur anstehenden „Preisanpassung“.

Für die Sprecher der Düsseldorfer Uni-Studenten ist das der blanke Hohn. „Es ist unverschämt, einen solchen Grund anzugeben“, sagt Arantzazu Bößem Esperilla vom Asta-Vorstand. Der VRR müsse längst wissen, dass Düsseldorf eine Pendler-Uni ist, die von Studenten aus Köln, Essen, Duisburg oder dem Kreis Viersen besucht wird. „Das“, so Bößem Esperilla, „kann den Herrschaften nicht plötzlich so aufgefallen sein“.

Dabei hat ein neues ÖPNV-Angebot in Düsseldorf noch vor wenigen Tagen für gute Stimmung gesorgt. Die U 79, wichtigste Linie für die Studis, verkehrt seit Anfang der Woche durchgängig von 6.30 bis 18.30 Uhr im Zehn-Minuten-Takt. Zudem wurde ein Shuttle-Bus (SB 56) als Schnellverbindung vom Bilker Bahnhof zur Heine-Uni eingerichtet, um diverse Engpässe endlich zu beseitigen. Und jetzt das. „Da kann man ja nur davon ausgehen, dass dies taktische Gründe hatte und dass das neue Angebot der Rheinbahn dann bald als Rechtfertigung herhalten wird“, so Bößem Esperilla. Nicht nur die Studentenschaft in der Landeshauptstadt schäumt vor Wut, bisher laufen mehr als 15 000 Studenten auf der Facebook-Seite „So nicht, VRR“ gegen die geplante Preiserhöhung Sturm.

Martin Volkenrath (SPD) „begrüßt, dass es mehr Nutzer gibt, als ursprünglich kalkuliert“. Allerdings, so der Vorsitzende des Verkehrsausschusses, dürften die Mehrkosten nicht zu 100 Prozent auf die Nutzer übertragen werden.

Das Semesterticket wird solidarisch finanziert. Heißt, wer in Düsseldorf immatrikuliert ist, besitzt die Monatskarte automatisch, ob er sie nun nutzt oder nicht. Das Geld aus dem Ticketverkauf sammelt der VRR und nimmt auf Basis einer Fahrgastzählung eine Ausgleichszahlung an die diversen Unternehmen vor. Für den Studenten, der aus Wuppertal zur Heine-Uni kommt und nur einen Teil der Strecke mit der Rheinbahn fährt, für den bekommt die Rheinbahn anteilig Geld. Das ist beim Semesterticket so wie bei allen anderen Tickets.

So oder so wird die Rheinbahn also Profit aus der Preiserhöhung schlagen, die mit rund fünf Prozent beginnen soll, aber irgendwann dem Vernehmen nach bei mehr als 40 Prozent landen kann. Doch von Abzocke könne nicht die Rede sein, betont Rheinbahn-Sprecherin Heike Schuster. Das Semesterticket sei nach wie vor „gnadenlos günstig“, zudem sei nachgewiesen, dass immer mehr Düsseldorfer Studenten auf den ÖPNV statt aufs Auto zurückgreifen. Mittlerweile nutzten in Düsseldorf 60 Prozent der Studenten Bus und Bahn, so Schuster. Zum Vergleich: Im Gebiet des VRR nahmen zwischen 2002 und 2005 nur 38 Prozent der Studenten ein Ticket in Anspruch.

Zum Wintersemester 2013/14 wird sich laut VRR-Sprecherin Sabine Tkazik in Düsseldorf „definitiv nichts ändern“, doch bereits am 27. September steigt eine Vollversammlung, in der über die neuen Preise abgestimmt werden soll. „Wir planen fürs Sommersemester 2014 eine Anhebung von höchstens einem Euro“, sagt Tkazik, räumt jedoch ein, dass man „perspektivisch über weitere Preisanpassungen nachdenken“ müsse.