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Kunstfest

Die Stille vor dem Sturm

09.08.2010 | 18:57 Uhr
Die Stille vor dem Sturm
Insgesamt zehn Düsseldorfer Museen und Ausstellungshäuser nehmen an der Quadriennale 2010 mit Ausstellungen teil. Vorne Geschäftsführer und Kulturdezernent Hans-Georg Lohe. Foto: Sergej Lepke

Düsseldorf.Steht ein großes Fest bevor, will der Gastgeber gemeinhin gerne wissen, auf welche Resonanz seine Einladung stößt... Schließlich hat die Stadt mit fünf Millionen Euro für ihr am 10. September startendes geballtes Kunstfest nicht wenig investiert.

Und mit den rund 380 000 Besuchern der Quadriennale-Premiere 2006 eine Erwartungshaltung genährt, die es mindestens zu erreichen, wenn nicht zu übertreffen gilt.

Überraschungseffekte

Doch noch können oder wollen etwa die Touristik-Strategen der DMT oder die Deutsche Bahn keine Angaben zum erwarteten, besser noch, zum schon vorgebuchten Ansturm auf Hotelpakete, die Quadriennale-Box oder das Kultur-Ticket-Spezial machen.

So wird es also eine Party mit Überraschungseffekten, wenn am 10. September in zehn Museen und Instituten gleichzeitig die Ausstellungen starten, wenn 33 Galerien der Stadt ihre Deutschlandpremieren feiern und die Stoschek Collection, die Zero-Foundation, Kai 10 und die Langen Foundation parallel ihre Partner-Projekte vorstellen.

Der Rote Bulli

„Wir arbeiten alle an unseren Ausstellungen“, wertet Werner Lippert vom NRW-Forum die wohl auch von den Sommerferien verstärkte Ruhe vier Wochen vor dem Sturm. Die ersten Kataloge seien bereits fertig, „und bei uns sind die Bilder von Stephen Shore gerade angekommen.“ Das NRW-Forum zeigt unter dem Titel „Der Rote Bulli“ in welchem Einfluss-Verhältnis der amerikanische Künstler und die neue Düsseldorfer Fotografie stehen.

Allerdings seien die Führungen zur großen Beuys-Schau in der Kunstsammlung am Grabbeplatz an den ersten beiden Wochenenden bereits ausgebucht, weiß Lippert. Die Neugierde auf einen der Düsseldorfer Säulenheiligen der einstigen Avantgarde und seine künstlerischen „Parallelprozesse“ zu wecken, ist Marion Ackermann mit ihren seit einem knappen Jahr vorgeschalteten Beuys-Diskussionen im Schmela-Haus offenbar gelungen.

Im Straßenbild sind seit einigen Tagen die ersten Quadriennale-Plakate zum FluxusFreund und Kollegen Nam June Paik aufgetaucht. Das museum kunst palast setzt - vereint mit Tate Liverpool- darauf, dass den Besuchern in der Auseinandersetzung mit dem Videokunst-Pionier ein neues Licht aufgeht. Man darf gespannt sein!

Marcel Broodthaers, James Lee Byars, Katharina Sieverding, Katharina Grosse, die Kunst der 80er Jahre oder die der Zeichnung, oder Björn Dahlems Theorie des Himmels... unmöglich, selbst für sehtrainierte Kunst-Enthusiasten, der Fülle der Angebote gerecht werden zu können.

Junges Vorspiel

Selbst wenn am Startfreitag alle Häuser von 20 bis 24 Uhr geöffnet haben und ein kostenloser Bus-Shuttle im Halbstundentakt die Stationen der Kunst-Helden miteinander verbindet. So gilt es auszuwählen. Die Galerien zeigen ihre Entdeckungen junger Positionen - die kunstgegenwärtige Avantgarde? - jedenfalls bereits ab dem 3. September. Und gegenüber ausländischen oder überregionalen Besuchern haben Düsseldorfer den Vorteil, das Fest der Bildenden Künste in kleinen Happen auf vier Monate verteilt auskosten zu können. Bis 16. Januar sind die meisten Ausstellungen der Quadriennale 2010 noch zu erleben. Spätestens dann wird wohl auch der Gastgeber wissen, für wie viele Besucher er das alles aufgetischt - und wie es geschmeckt hat.

Ulrike Merten

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