Die Stadtsparkasse hat über 1000 Kunstwerke

Bei der Stadtsparkasse legt man sein Geld an, hebt es ab oder nimmt sich einen Kredit. Oder man lässt sich von ihr Kunst erklären. Wie bitte? Ja, das ist möglich, die Stadtsparkasse ist eine eifrige Kunstsammlerin, hat seit Mitte der sechziger Jahre eifrig Werke aus dem Rheinland gesammelt. Mehr als 1000 sind seitdem zusammengetragen worden. Millionenwerte hängen in den Geschäftsstellen und in der Zentrale an der Berliner Allee. „Es war nie die Absicht, wertvolle Kunst anzuhäufen, um sie später vielleicht zu verkaufen“, sagt Pressesprecher Gerd Meyer und schiebt nach: „Das hat die Stadtsparkasse auch nicht vor.“ Die Diskussion um den nicht sachgerechten Umgang mit Kunst bei Westlotto oder die Debatte um mögliche Kunstverkäufe beim WestLB-Nachfolger Portigon lenkt den Blick auch auf die Stadtsparkasse. Dort ist das Land involviert, hier die Stadt – in beiden Fällen stellt sich die Frage, wie Einrichtungen mit öffentlichem Hintergrund mit der Kunst umgehen.

Große Namen auf der Liste

Bei der Stadtsparkasse grenzt man sich vor allem ab. Die Kunst soll kein Handelsgut sein, sie gehört zum Leben in der Region, die der Marktführer mit öffentlichem Auftrag betreut. Genau 1022 Werke umfasst der Katalog. Jeder Mitarbeiter kann ihn im Intranet einsehen und sich ein Werk für das eigene Büro aussuchen. Bei Stefan G. Drzisga, Direktor fürs Private Banking, hängt ein Gerhard Richter – immerhin der weltweit teuerste Künstler.

„Das Bild hing dort schon, als ich das Büro bezog.“ Allerdings handelt es sich dabei nicht um ein Gemälde aus der Kerzen-Reihe, sondern ein Plakat – allerdings von Richter signiert. Vor Jahren für nicht mal 1000 Euro gekauft, der Versicherungswert liegt bei 12 000 Euro. Was das Exemplar auf dem Kunstmarkt heute bringt? Die Frage ist für die Verantwortlichen nicht relevant. Viele weitere große Namen finden sich auf der Liste. Vom berühmten Fotografen-Ehepaar Hilla und Bernd Becher gehören dem kommunalen Kreditinstitut gleich zwei Serien – je sechs Arbeiten mit Förder- und Wassertürmen. Versicherungswert: mehr als 100 000 Euro. Gleich 60 Porträts sind es vom Becher-Schüler Thomas Ruff, auch Katharina Sieverding ist vertreten, ebenso gibt es frühe und somit besonders wertvolle Werke der Zero-Künstler Piene, Mack und Uecker.

Als die Stadtsparkasse 2000 ihr 175-jähriges Bestehen feierte, gründete sie eine Kunst- und Kulturstiftung. Seitdem läuft der Umgang mit der Kunst anders, es startete der Aufbau einer Sparkassen-Sammlung beim Museum Kunstpalast (MKP).

Das Engagement des einstigen Sparkassen-Patriarchen Fritz Kulins, der das Haus 20 Jahre leitete, ist überführt in geregelte Gremienarbeit. Stiftungsgeschäftsführerin Martina Waetermans schlägt mit MKP-Chef Beat Wismer und Gregor Jansen (Kunsthalle) zeitgenössische Werke zum Ankauf vor, die der Öffentlichkeit einmal im Museum präsentiert werden sollen. Dafür muss allerdings die Bau-Malaise des MKP überwunden sein. Wichtig für die Öffentlichkeit: Die Stiftung führt parallel bei Diners und Lunches Künstler und Bürger zusammen, es gibt Führungen für Bürger ab 50 in der Kunsthalle. Bleibt die unbeantwortete Frage, was die Sparkassen-Kunst wert ist. Ziemlich viel. „Die Liegende“, eine Plastik von Henry Moore im Hofgarten, wurde 1986 für eine Million D-Mark gekauft. Sie wird heute auf vier Millionen Euro geschätzt.

Nur auf etwas mehr beläuft sich der Versicherungswert aller Sparkassen-Kunstwerke. Der Marktwert beträgt ein Vielfaches.