Die rollende Intensivstation

Irgendwo in Düsseldorf lebt ein kleiner Junge, der sein Leben auch dem Deutschen Roten Kreuz verdankt. Als er zur Welt kam, hatte er Fruchtwasser eingeatmet, brauchte sofort intensivmedizinisch Behandlung. DRK-Rettungsdienstleiter Oliver Kowa und sein Stellvertreter Markus Schneider erinnern sich noch gut an das winzige, verkabelte Bündel Mensch, angeschlossen an diverse Maschinen, auf dem Weg in die nächste Spezialklinik – im Intensivmobil des Roten Kreuzes.

Dieser Tage hat der Verband das fünfte derartige Fahrzeug in Betrieb genommen. Eine knappe halbe Million hat es gekostet, und es ist exakt nach den Vorgaben von Markus Schneider entstanden, der ins Konzept fast 20 Jahre Erfahrung mit solchen Transporten einbrachte.

Die meisten der stetig mehr werdenden Krankentransporte übernehmen im Auftrag der Stadt die Hilfsorganisationen DRK, Arbeitersamariterbund (ASB), Malteser-Hilfsdienst und Johanniter. 2013 waren das rund 44 000 Fahrten, und knapp 5000 davon waren so genannte Intensivverlegungen. Deren Zahl steigt ständig, von 2009 bis 2013 allein um mehr als 30 Prozent.

„Das liegt vor allem daran, dass sich die Krankenhäuser immer mehr spezialisieren“, sagt Schneider. Für die Krankenkassen seien die teuren Spezialverlegungen immer noch günstiger, als in allen Kliniken die gleichen hochwertigen Fachabteilungen zu unterhalten. Beispiel Herz-OPs: Die macht in Düsseldorf ausschließlich die Uni-Klinik, die aber nicht jeden OP-Patienten stationär aufnehmen kann. So wird regelmäßig das Intensivmobil angefordert, um Frischoperierte noch beatmet ins Heimatkrankenhaus zurückzubringen. Das DRK hat sein Angebot frühzeitig an diesem Bedarf orientiert, fährt heute die meisten Intensivtransporte am linken Niederrhein.

Das neue Fahrzeug hat Platz für ein komplettes Krankenhausbett, verfügt über Beatmungsgerät, Defibrillator, Blutgas-Messgeräte und computergesteuerte Perfusoren, die Medikamente exakt dosieren und verabreichen. Drei Stromkreise sichern die medizinischen Geräte, der Wagen ist mit mehreren leistungsstarken Batterien ausgestattet ist und sogar kleine Operationen sind darin möglich. Neben dem Intensiv-Equipment hat das Auto auch noch das übliche Rettungs-Werkzug eines RTW an Bord. Denn im Fall einer Großlage – wie unlängst beim Straßenbahnunglück in Bilk – werden auch die Intensivmobile im Rettungsdienst eingesetzt.

Die fünf DRK-Fahrzeuge sind in ganz Deutschland unterwegs, denn sie sind nicht nur für Intensivverlegungen am linken Niederrhein zuständig, sondern etwa auch für den Transport beatmeter Menschen etwa in Reha-Kliniken. „Durch den medizinischen Fortschritt kommt das immer häufiger vor, denn es gibt immer mehr Patienten, die beatmet werden müssen, aber zuhause leben“, sagt Schneider. Und gerade für solche Patienten, etwa Querschnittgelähmte oder ALS-Patienten, die keine Intensivversorgung, sondern nur die ärztlich überwachte Beatmung brauchen, hat er in das neueste Intensivmobil einen Monitor einbauen lassen – beim Transport, der Stunden dauern kann, können sie dann Filme anschauen. Komfort, sagt Schneider, „gehört beim DRK zum Service“.