Die Radfahrer stehen im Fokus

Polizeipräsident Norbert Wesseler
Polizeipräsident Norbert Wesseler
Foto: Lars Heidrich
Was wir bereits wissen
Unfälle mit Radfahrern stellen die Düsseldorfer Polizei derzeit vor die größten Probleme. Dies ergibt sich aus dem aktuellen Verkehrsbericht, der am Montag im Präsidium am Jürgensplatz vorgestellt wurde.

Düsseldorf..  2014 zählten die Beamten 889 Unfälle im Stadtgebiet, an denen Biker beteiligt waren. Ein absoluter Höchstwert in den vergangenen zehn Jahren. Und dies, obwohl die Polizei in Kooperation mit Stadt und Verkehrswacht zuletzt die groß angelegte Kampagne „Sehen & gesehen werden“ ins Leben gerufen hatte.“ Im Rahmen seines Amtsantritts hatte sich Polizeipräsident Norbert Wesseler selbst auf den Sattel gesetzt und einzelne Viertel unter die Lupe genommen. „Da ist mir häufig aufgefallen, dass Radwege im Nirwana enden“, so Wesseler. „Wir müssen etwas tun für die Radfahrer.“ Zumal es, ergänzt Wolfgang Töpfer, Leiter der Direktion Verkehr, „in keinem Fall die Regel ist, dass die Radler selbst die Unfallverursacher seien“, auch wenn dies gern suggeriert werde.

Während die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle 2014 im Vergleich zum Vorjahr leicht sank – und zwar von 28 239 auf 27 622 –, stieg die Zahl der Verkehrstoten von sechs auf zehn. Darunter waren fünf Senioren. Töpfer: „Wir werden immer älter, der Verkehr wird immer dichter und für Ältere unübersichtlicher, das schlägt sich dann auch in der Unfallstatistik nieder.“

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr in Düsseldorf 2958 Menschen bei Verkehrsunfällen leicht oder schwer verletzt. Dies macht eine Steigerung von 5,5 Prozent aus.

Drei tödliche Unfälle geschahen im abgelaufenen Jahr, so hielt Töpfer gestern noch einmal fest, „unter besonders tragischen Umständen“. Einmal wurde ein Mann an der Grafenberger Allee (Höhe Cranachstraße) von dem Anhänger einer Straßenbahn überrollt, nachdem er versuchte hatte, seinen Weg zwischen eben diesem Anhänger und Triebwagen abkürzen. Dann kam am Staufenplatz eine Seniorin ums Leben, als sie sich beim Eintreffen der Bahn nach ihrer Tasche bückte und dann vom Waggon getroffen wurde. Der dritte ungewöhnlich-tragische Fall ereignete sich am Worringer Platz: Ein Mann wurde von einem Omnibus überrollt, als er hinter einem Container plötzlich und unerwartet auf die Fahrbahn lief.

Verrohung der Sitten

Positiv: Seit sechs Jahren ist kein Kind auf Düsseldorfs Straßen gestorben. Gleichzeitig stiegen die Unfällen, an denen Kinder beteiligt waren, um 14,6 Prozent auf 236 an. „Allerdings sprechen wir hier, wie in den vergangenen Jahren auch schon, von einem niedrigen Niveau“, so Töpfer.

Erfreulich: Bei der Zielgruppe der Jungen Erwachsenen (18 bis 24 Jahre) ist – sowohl, was die Beteiligung an Verkehrsunfällen (-7,5 Prozent), als auch deren Verursachung (-7,1 %) betrifft – ein Rückgang festzustellen.

Laut Töpfer „alarmierend“ ist indes das, was man im Straßenverkehr als Verrohung der Sitten bezeichnen könnte. Wie schon in 2013 wurden auch im Vorjahr weit mehr als 6000 Unfallfluchten bekannt, wobei es immerhin eine leicht höhere Aufklärungsquote gab. Zudem nehmen so genannte Nötigungen („Drängeln, Ausbremsen) auf den Straßen deutlich zu.

Bei den Autofahrern sind nach wie vor Fehler beim Abbiegen oder Wenden die Hauptunfallursache. Gefolgt von zu hoher Geschwindigkeit, obwohl in 2014 laut Polizei auf den Straßen 65 Prozent mehr kontrolliert wurde. Bei den Unfallursachen nimmt indes der Alkohol weiter ab, während die „Drogenfahrten“ immer mehr zunehmen.

Die Unfallschwerpunkte in Düsseldorf sind die gleichen geblieben: Zurzeit rangiert auf der unschönen Liste der Worringer Platz auf Rang eins, gefolgt vom Nordstern, dem Mörsenbroicher Ei, dem Nordfriedhof und dem Wehrhahn.