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„Die Praxisgebühr mag niemand!“

25.10.2012 | 21:00 Uhr
„Die Praxisgebühr mag niemand!“
Arztbesuche haben sogar noch zugenommen.Foto: Jakob Studnar

„Die Praxisgebühr mag niemand!“ Dr. Ursula Fröbrich, Frauenärztin in der Düsseldorfer City, hat früh erkannt, dass die 2004 eingeführte Gebühr keine Erfolgsgeschichte werden kann.

Die zehn Euro sollten Patienten eigentlich von unnötigen Arztbesuchen abhalten. Das ist nicht eingetreten. „Dafür haben wir jeden Tag einen irren Verwaltungsaufwand“, sagt Fröbrich, deren Sprechstundenhilfe auch schon mal anderthalb Stunden mit Formalitäten plagt.

Dr. Fröbrich und viele Kollegen schöpfen nun Hoffnung: NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) will die seit Einfuhr umstrittene Praxisgebühr kippen, lautete die Nachricht in dieser Woche. Das Landeskabinett beschloss eine Bundesratsinitiative, um den Druck auf Berlin zu erhöhen. „Die gewünschte Steuerungswirkung wurde durch die Gebühr nicht erreicht“, urteilt die Ministerin. Vielmehr schade die Gebühr, weil Geringverdiener aus Kostengründen auf notwendige Arztbesuche verzichteten. Dies könne fatale Folgen haben, so Steffens.

Zahl der Arztbesuche sogar gestiegen

„Wir können diesen Vorstoß nur begrüßen“, sagt Karin Hamacher, Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein, die auf ihrem Gebiet pro Quartal fünf Millionen Erstkontakte zwischen Arzt und Patient zählt. Also Kontakte, bei denen die zehn Euro fällig werden. Während rein statistisch schwer nachzuweisen sei, inwieweit die wirklich nötigen Arztbesuche wegfielen, sprechen die Zahlen beim Thema „Arzthopping“ klar gegen die Gebühr: „In den ersten zwei, drei Quartalen sind die Zahlen bei den Arztbesuchen ein wenig zurück gegangen“, so Hamacher. Mittlerweile sei man aber wieder auf dem gleichen Stand wie zuvor. „Die Zahlen sind in den letzten Monaten sogar leicht angestiegen.“

Die Ärzte wissen: Derjenige, der zum Doktor geht, der hat auch was. „Der objektive Betrachter sieht manchmal nicht, dass der Arztbesuch für einige Patienten oft auch aus psychologischen Gründen notwendig ist“, sagt Dr. André Schumacher. Der Allgemeinmediziner aus Holthausen würde die Zeit, die er in der Praxis mit Papierkram verbringt, „lieber in die Behandlung der Patienten“ stecken.

Zudem kommt es offenbar immer wieder vor, dass die Gebühr schlichtweg gar nicht bezahlt wird. „Die säumigen Zahlungen kommen oft in den Klinik-Ambulanzen vor“, sagt Karin Hamacher von der Kassenärztlichen Vereinigung.

Frage nach dem finanziellen Ausgleich

Was sagen die Krankenkassen? Viele beurteilen den Vorschlag aus dem NRW-Gesundheitsministerium gar nicht so kritisch, wie man vielleicht erwarten würde „Aus unserer Sicht kann die Gebühr abgeschafft werden, weil die gewünschte Wirkung nicht eingetreten ist“, sagt André Maßmann von der AOK Rheinland mit Sitz in Düsseldorf. Aber: Falls sie abgeschafft werde, müsse andererseits die Frage geklärt werden, „wie ein finanzieller Ausgleich für die Kassen zustande kommen kann“.

Laut einer Untersuchung der Barmer Ersatzkasse aus dem vergangenen Jahr fallen auf einen Versicherten jährlich 16 Arztbesuche. Insgesamt nehmen die deutschen Krankenkassen fast zwei Milliarden Euro pro Jahr durch die Praxisgebühr ein.

Von Stephan Wappner



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