Die Pendler der S8 schimpfen weiter

ie S 8 am Hauptbahnhof: In den neuen Zügen gibt es nur 170 statt wie bisher 190 Plätze,
ie S 8 am Hauptbahnhof: In den neuen Zügen gibt es nur 170 statt wie bisher 190 Plätze,
Foto: Bretz
Was wir bereits wissen
Es gab einen Beschwerdebrief des VRR an die Bahn. Geändert hat sich nicht viel

Düsseldorf..  Der Ärger um die neue S 8 ist leider zum Dauerbrenner geworden. Bereits während der Probeläufe der neuen Züge gab es Ende November Probleme wegen des erschwerten Ein- und Ausstiegs – für Leute im Rollstuhl eher unzumutbar. Im Winter gingen die Türen zum Teil nicht mehr auf. Grund: Streusalz. Dann die ständigen Verspätungen und die Enge in den Waggons – kaum ein Durchkommen für Mütter mit Kinderwagen. Die Pendler toben, nach wie vor. Der vorläufige Höhepunkt: Fahrgäste wurden am Hauptbahnhof abgewiesen, weil die neuen Züge komplett überfüllt waren.

In den neuen Zügen gibt es nur 170 statt wie bisher 190 Plätze, „allerdings reicht nach unseren Berechnungen das Angebot aus, um alle Gäste mitzunehmen“, so Sabine Tkatzik, Sprecherin beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR). Dass die neue S 8, die wegen ihrer Sprintstärke von den Betreibern als „Porsche unter den S-Bahnen“ betitelt wurde, über weniger Türen verfügt, ist anscheinend auch kein Problem. Tkatzik: „Da dauert das Ein- und Aussteigen zwar länger, aber das holt die Bahn aufgrund ihrer Sprinstärke zwischen den Stationen wieder auf.“

Der VRR hat ein anderes wesentliches Problem ausgemacht. Denn auf die Schiene gebracht werden die Züge von der Deutschen Bahn, und da haperte es in den vergangenen Monaten in Sachen Liefernachweise. „Die Qualität war da nicht so, wie wir sie bestellt haben“, erklärt Tkatzik. Vor allem in der Hauptverkehrszeit sei die S 8 mit einer Einfachtraktiertung unterwegs gewesen, heißt mit nur einem Waggon. Folge: totale Überfüllung. Der VRR hat einen Beschwerdebrief an die Deutsche Bahn geschrieben, mit der Bitte um baldige Besserung.

Geändert hat sich nicht viel. Ein Pärchen auf der Durchreise traute unlängst am Hauptbahnhof seinen Augen kaum. „Da fliegen wir schon bald zum Mars, und hier in Düsseldorf schaffen sie es nicht, vernünftige S-Bahnen aufs Gleis zu bringen.“

Das Problem mit dem nicht behindertengerechten Einstieg wird bei der S 8 bleiben, so lange sämtliche Bahnsteige in Düsseldorf nicht auf dem gleichen Höhenniveau wie die Waggons liegen. Die Züge sind 76 Zentimeter hoch, die Düsseldorfer S 8-Bahnsteige jedoch 96 Zentimeter. Für Düsseldorfer wie Petra Neumann aus Grafenberg eine Katastrophe. Die 50-Jährige besitzt einen Schwerbehindertenausweis, hat es aber bislang geschafft, von zu Hause aus mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeitsstelle nach Bilk zu kommen. Einstieg Burgmüllerstraße in die 709, dann an der Völklinger Straße umsteigen in die S 8 und am Bilker Bahnhof wieder umsteigen in den Bus, und schließlich zur Arbeit Am Steinberg. „Das war bisher schon beschwerlich genug“, sagt Neumann. „Aber seit es die neuen Zügen von der S 8 gibt, habe ich Angst“, sagt sie. Ohne fremde Hilfe geht es nicht mehr.

Sie fährt jetzt anders, nimmt irgendwann die 713 anstatt die S 8. „Das dauert zwar noch länger, aber so fahre ich sicherer.“