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Die neue Freiheit liegt in Flingern

27.05.2011 | 19:15 Uhr
Die neue Freiheit liegt in Flingern
Erwin Michelberger, 1. Vorsitzender Filmwerkstatt Düsseldorf, Kulturdezernent Hans-Georg Lohe und Heinz Holzapfel, Leiter der Filmwerkstatt. im neuen Kino. Foto: Uwe Schaffmeister

Düsseldorf.   Wenn Heinz Holzapfel von „Freiheit“ spricht, gilt dies in vielerlei Hinsicht. So geht es natürlich um die Freiheit der Kunst, aber nicht nur.

Wenn Heinz Holzapfel von „Freiheit“ spricht, gilt dies in vielerlei Hinsicht. So geht es natürlich um die Freiheit der Kunst, aber nicht nur. Außerdem verfügen Düsseldorfs Filmer im neuen Domizil im Herzen von Flingern ab sofort über eine Palette frischer Möglichkeiten. Neue Räume für Projekte. Ein neues Umfeld, aus dem sich sicher neue Publikumsschichten gewinnen lassen. Und erstmals gibt es ein eigenes Kino und damit ein weiteres Stück Unabhängigkeit. „Freiheit“ könnte also durchaus als Oberbegriff über dem gesamten Umzug mit Neustart stehen - da passt es gut, dass am 1. Juni auch die ersten Kinowochen der alten neuen „Filmwerkstatt Düsseldorf“ unter diesem Motto starten.

Neue Nachbarn, neue Kooperationen

Und so waren die Gesicher gestern durchweg entspannt. Das von Holzapfel, Geschäftsführer der Filmwerkstatt, Erwin Michelberger (1. Vorsitzender), Christian Deckert (Künstlerischer Leiter) und Kurator Jan Wagner - aber auch das von Kulturamtsleiterin Marianne Schirge, Kollegin Karin Rauers und Kulturdezernent Hans-Georg Lohe. Alle waren zu einem ersten Rundgang durch die neuen Räume gekommen.

Rund 400 Quadratmeter im Hinterhof der Birkenstraße stehen der Filmwerkstatt ab sofort zur Verfügung. Nachbar ist der Berufsverband bildender Künstler (BBK), der hier ebenfalls eine neue Heimat fand. Früher wurde der Bau von der Glaserei nebenan genutzt, später arbeitete hier ein Szenemagazin. Jetzt also residiert die Filmkunst in den weiß getünchten Mauern und beschert dem kultigen Viertel neue Impulse. Jan Wagner freute sich gestern über den Kontakt zur israelischen Videokünstlerin Keren Cyter. Ihr Atelier liegt nur ein paar Türen weiter. Kooperationen sind auch mit der Heine-Universität, der Musikhochschule und der Kunstakademie geplant.

Während im Kino der Steve Mcqueen-Film „Bullitt“ lief - tags zuvor hatten sich Holzapfel und Kollegen bei einem Probelauf „Blade Runner“ vom Leistungsvermögen der aus der Jazz Schmiede übernommenen Boxen überzeugt - ging es im Schnellschritt durch die zwei Etagen. Aus dem geräumigen Eingangsraum mit Tresen über Aufnahme- und Tonstudio, Büro, Schnitt- und Ausstellungsraum bis ins Untergeschoss zum Kino.

Gemütliche Sessel aus der Kämmerei

Zwar möchte Holzapfel nicht von einem „Programmkino“ sprechen. Aber es gibt eine große Leinwand, ein wechselndes Programm und derart gemütliche Sessel, dass man gar nicht mehr aufstehen möchte; sie stammen aus der Stadtkämmerei. Für gute Bilder sorgt ein gesponserter Hochleistungs-Beamer. Bis zu 40 Zuschauer finden Platz. Fünf Euro, vier ermäßigt, wird der Eintritt künftig kosten.

Hans-Georg Lohe ist stolz auf den neuen Kulturstandort. 35 000 Euro investierte die Stadt in den Umzug der Filmwerkstatt. Das Gebäude gehört dem Unternehmer Gil Bronner, der der Stadt bereits das Atelierhaus an der Reisholzer Walzwerkstraße vermietet. Diese wiederum schloss auch in Flingern Verträge mit BBK und Filmwerkstatt ab und garantiert so ein langfristiges Bleiberecht. Und: Im Schulgebäude an der Fliednerstraße, seit 1992 Domizil der Filmwerkstatt, ist Platz für die offene Ganztagsschule entstanden.

In Kaiserswerth, so Michelberger, kamen zu Vorträgen mitunter zwölf Gäste. Hier in der City hofft man auf mehr Publikum. Kino wird es ab Juni jeden Samstag und Donnerstag geben - und auch was Sonderveranstaltungen angeht, sind Düsseldorfs Kunstfilmer jetzt flexibel. Zuvor zeigten sie ihr Programm in der Black Box. Nun können sogar Firmen das gemütliche City-Kino mieten.

Bis Ende Juli stehen unter dem Motto „Freiheit“ Filme und Vorträge auf dem Programm, wobei sich Freiheit, so Holzapfel, auf eine gesellschaftliche Position bezieht. Holzapfel: „Das Individuelle interessiert uns.“ Insgesamt 20 Spiel- und Dokumentarfilme werden gezeigt. Darunter Klassiker wie „The Wild One - Der Wilde“ mit Marlon Brando und Luis Bunuels surrealistisches Meisterwerk „El Angel Exterminador - der Würgeengel“ ebenso wie Derek Jarmans Künstlerfilm „Caravaggio“ und David Lynchs preisgekröntes Roadmovie „Wild At Heart“.

Eine Lobby für die Filmkunst

Ansonsten bleibt alles beim Alten. Filmemacher können Studios und Geräte nutzen - junge Talente werden gefördert und professionell begleitet. Schließlich versteht sich die Filmwerkstatt als Lobby für anspruchsvolle Filmkunst, die, so Michelberger, „ohne öffentliche Gelder nicht existieren kann.“ Und ein schönes Ambiente gibt es dazu. Auf der Terrasse finden künftig außerhalb des Festivals die Liegestühle der Sommerlichtspiele Platz, stellt sich Holzapfel vor. „Wir wollen ein Ort sein, an den man gerne kommt.“

Birkenstraße 47. Alle Infos www.filmwerkstatt-duesseldorf.de, Tel. 0211 4080701.

Petra Kuiper

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