Die Mitarbeiter fühlen sich schlecht informiert

Das Foto zeigt eine Kaisersfiliale in Düsseldorf.
Das Foto zeigt eine Kaisersfiliale in Düsseldorf.
Foto: Kai Kitschenberg
Was wir bereits wissen
Die Düsseldorfer Kaiser’s-Filialen bekamen am Donnertsagabend eine E-Mail über den geplanten Einzelverkauf. Viel wissen die Angestellten nicht.

Düsseldorf..  Trotz jahrelangem Hin und Her ist die Nachricht vom Einzelverkauf der Kaiser’s-Tengelmann-Filialen am Freitag ein Schock für die Angestellten gewesen. Auch die circa 30 Filialen in der Landeshauptstadt sollen verkauft werden, was mit jeder einzelnen Filiale und vor allem mit den Mitarbeitern passiert, das ist unklar.

Mit einer E-Mail informierte Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub die Filialleiter, in ihr stand: Die Verhandlungen seien gescheitert, die einzelnen Filialen werden zum Kauf angeboten. Von einer 14-tägigen Angebotsfrist für Interessenten war die Rede, bis dahin hoffe man noch auf einen Ministerentscheid und auf eine Übernahme durch Edeka.

Was passiert mit den Mitarbeitern?

„Das ist Hoffnung ohne Inhalt“, sagt ein Düsseldorfer Filialleiter gegenüber der NRZ. Er persönlich gehe von einer Zerschlagung aus. Der Filialeiter fühlt sich schlecht informiert, dazu komme, dass er am Freitag seinen Mitarbeitern die schlechte Nachricht überbringen musste, ohne selbst zu wissen, was jetzt passiert. „Wir wissen nicht, ob wir das Weihnachtsgeschäft noch vorbereiten sollen,“, sagt er, oder ob man schon bald schließe. Genauso wenig wisse man, was mit den Mitarbeitern passiert, werden sie von den Käufern übernommen? Bei seiner Arbeit herrscht schlechte Stimmung, alle seien niedergeschlagen. Auch habe es schon Krankmeldungen gegeben.

Am vergangenen Freitag wurde bekannt, dass die circa 450 Filialen einzeln verkauft werden sollen. Beim Einzelverkauf will Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub dem Branchen-Primus Edeka den Vorzug geben, soweit es kartellrechtlich unproblematische Filialen seien, äußerte er gegenüber dem Handelsblatt. Er sieht die Hälfte der 16 000 Arbeitsplätze gefährdet.

Versorgungslücken können in Wittlaer entstehen

Nicht alle Geschäfte sind attraktiv und werden einen Käufer finden. Sorgen machen sich da auch die Lokalpolitiker. Stefan Golißa (CDU), Bezirksbürgermeister vom Stadtbezirk 5, sieht in Wittlaer ein Problem: „Wittlaer ist seit der Diskussion um den Verkauf von Kaiser’s-Tengelmann besorgt“, sagt er. Im Neubaugebiet Einbrungen würde ohne die Kaiser’s-Filiale eine große Lücke in der Nahversorgung entstehen. Eine andere Situation würde in Lohausen herrschen, dort gebe es ein ganz modernen Kaiser’s-Filiale mit großem Parkplatz, „der sicherlich einen Abnehmer findet“, so Golißa.

Gerresheimer würden Laden vermissen

Auch der Kaiser’s-Laden auf der Benderstraße in Gerresheim ist beliebt. Vor mehreren Monaten musste bereits die Filiale am Kölner Tor schließen, was Anwohnerin Loni Burkard sehr enttäuschte: „Der fehlt schon richtig.“ Falls sie jetzt „andere Waren“ braucht, muss sie ein Stück weiter zur Benderstraße laufen. Mit einer Schließung dieser Filiale würde endgültig die Vielfalt wegfallen, so Burkard.

Wie es auch kommen wird, die Mitarbeiter müssen abwarten: „Wir fühlen uns wie Spielbälle“, sagt der Düsseldorfer Filialleiter. Die Angestellten seien denen „da oben“ egal, da ginge es um Geld. Seiner Meinung nach sei die Situation jetzt für den Edeka-Konzern optimal. „Die suchen sich die guten Filialen, die Filetstücke, heraus, alles andere wird fallengelassen“, sagt er.