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Die Lange Tafel lieb lange leer

20.06.2011 | 07:00 Uhr
Die Lange Tafel lieb lange leer
Es dauerte, bis sich die Lange Tafel an der Düsseldorfer Rheinuferpromenade etwas füllte. Foto: Kai Kitschenberg/ WAZ FotoPool

Düsseldorf. Bei der langen Tafel in Düsseldorf gab es viele enttäuschte Gesichter.

Samstag, 20.14 Uhr – da ist er: der perfekte Moment. Der Rheinpegel links wirft einen langen Schatten. Gleißend pumpt die Sonne Licht über den Horizont von Oberkassel. Sie ist hell, hell, hell. Der stramme Süd-West-Wind lässt die Portugal-Fahne über dem portugiesischen Fischgrill knattern. Rheinabwärts versinkt Kaiserswerth in einer grauen Gewitterwand. Und Israel Kamakawiwo`ole, der dicke Hawaiianer mit der Ukulele, singt „Over the Rainbow“.

Wäre dies ein Film, würde nun irgendjemand „Cut“ rufen und alle wären zufrieden. In der Düsseldorfer Realität aber ging die Mittsommernachtstafel zwischen Burgplatz und altem Hafen furchtbar baden. In einer NRZ-Umfrage klagten die Standbetreiber über maue Umsätze.

Und das lag nicht allein am April-Wetter. Sondern Gewitter, Regen und Sturm kamen zu allem Unglück noch hinzu. Zwischendurch mussten die 14 Fressstände sogar um ihre Zeltpavillons fürchten. Ein zweieinhalb Meter langes Stück Plane über der Tafel flog weg. Die Blumendeko kegelte von den Tischen und stand dann vergessen unter den Parkbänken. „Wir haben alles zugezogen, der Regen flog einem waagerecht ins Gesicht“, berichtete ein Caterer hinterher. „Naja, für das Wetter kann keiner was“, war ein viel verwendeter Satz.

Auch bei Frank Hermsen vom Altstadtmarketing: „Wir haben in diesem Jahr einfach Pech mit dem Wetter gehabt. Dadurch waren weniger Besucher da und die Verweildauern war deutlich kürzer.“ Auf eine Besucherzahl wollte sich Hermsen nicht festlegen; „irgendetwas im fünfstelligen Bereich.“

Während Hermsen sein Konzept der Gastromeile pur bestätigt sah, vermissten viele von der NRZ Befragte die Kunst- und Antiquitäten-Stände. So ganz ohne Gaukler und Nippes fehlte schlicht der Grund, am windigen Rheinufer zu bleiben. So blieb die lange Tafel lange leer.

Und fast schien es, als habe der Veranstalter Mühe gehabt, die Meile zu füllen. So stand ein Crêpes-Wagen etwas verloren neben diversen Caterern und einer Mineralwasserfirma. Die verkaufte ihre Apfelschorle am Samstag zu Sonderpreisen. „Ist nicht unsere Veranstaltung“, murrte ein Mitarbeiter.

Wer kam, schlotzte einen Wein oder stürzte ein Alt, überwand vielleicht die Furcht vor Ehec und nahm einen kleinen Happen. Dazwischen lärmte eine Handvoll Junggesellenabschiede. So blieb am Ende nichts übrig vom Zauber der Düsseldorfer Mittsommernacht. Schade, eigentlich.

Dirk Neubauer



Kommentare
20.06.2011
12:05
Die Lange Tafel lieb lange leer
von MSchlemmer | #1

Wir können die in Ihrem Artikel konstatierte Unattraktivität der Langen Tafel in diesem Jahr nur bestätigen. Was uns im letzten Jahr lockte - Köstlichkeiten neben nettem Nippes, den es zu erwerben galt - Kronleuchter und sonstige nette Beleuchtung und Dekoration an den Tafeln, fehlte in diesem Jahr gänzlich. Wir waren wegen des netten Eindrucks im letzten Jahr in diesem Jahr trotz Regen angereist und wurden bitter enttäuscht. Wenn das Konzept so bleibt, dann bleiben wir auch - zu Hause.

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