Die Gerichte bekommen Vorfahrt

Manche Ideen brauchen etwas länger, bis sie Gehör finden und dann auch tatsächlich umgesetzt werden. Schon bei der Planung von Amts- und Landgericht am Oberbilker Markt war dort eine Vorfahrt konzipiert worden, wie es sie auch bei großen Hotels gibt. Sie war für all jene gedacht, die sich nur schnell vor dem Gebäude absetzen lassen wollten. Eine praktische Sache, auch wenn man schwere Akten zu schleppen hat.

Aber als mit dem Bau im September 2007 begonnen wurde, da ging es vor allem um ästhetische Fragen. Der Entwurf des Architektenbüros agn hatte in einem Wettbewerb den ersten Preis errungen: Betrachtet man den Grundriss aus der Luft, gleicht er einem Paragrafenzeichen. Und trotz seiner riesigen Ausmaße – mit etwa 23 000 Quadratmeter Fläche – wirkt das Gebäude erstaunlich luftig. Eine Vorfahrt, die sich der Bauherr BLB gewünscht hatte, passte da nicht ins Bild. „Oberste Priorität hatte damals die großzügige Gestaltung des Vorplatzes“, sagt Elisabeth Stöve, Vorsitzende Richterin am Landgericht.

Idee leuchtete nicht ein

Um also den Haupteingang offen zu halten, aber eben doch eine Art Vorfahrt zu haben, wünschten sich die Gerichte eine 50 Meter lange Einbahnstrecke auf der seitlich anschließenden Mindener Straße. Eine Idee, die den Stadtteilpolitikern im Bezirk 3 nicht einleuchtete. „Das macht kein Mensch“, die Planung sei „suboptimal“ und „in sich unschlüssig“ urteilten die Bezirkspolitiker und lehnten den Antrag einstimmig ab.

So zogen die Gerichte 2010 in das neue Gebäude ohne irgendeine Art von Haltespur. Anderthalb Jahre später, der Arbeitsalltag war eingekehrt und die letzten Pflaster-Arbeiten am Vorplatz erledigt, meldeten sich die damaligen Gerichtspräsidenten (die mittlerweile in Rente) erneut zu Wort: Eine eigene Autospur müsse her, damit dort Dienstwagen vorfahren könnten. Denn anders als gedacht ließen eben viele Fahrer die Gerichtsbesucher nicht in der anliegenden ruhigen Mindener Straße aussteigen. Den damit verbundenen Fußweg von kaum hundert Metern bis zum Haupteingang sparten sich die meisten lieber. Stattdessen halten die Taxen auf dem rechten Fahrstreifen der Werdener Straße vor dem Haupteingang und lassen die Fahrgäste mitten im fließenden Verkehr aussteigen. Das führt zu Staus, Gehupe und Gedrängel auf dem linken Streifen, also zu jeder Menge Stress. „Ich habe bei solch einer Gelegenheit selbst einmal einen Auffahrunfall mitangesehen“, sagt Bezirksvorsteher Walter Schmidt. Ein Ärgernis, das aus der Welt geschaffen werden musste. Die Gerichtspräsidenten kündigten im September 2011 eine Lösung an: Eine Haltebucht auf dem Vorplatz, für die der Radweg verlegt werden müsse.

In diesen Tagen wird sie tatsächlich gebaut. Nach Auskunft der Stadt kostet die Arbeiten 55 000 Euro. Wenn Anfang Juni die Umgestaltung des Oberbilker Markts der Öffentlichkeit präsentiert wird, soll auch die Zufahrt fertig sein.