Die Geister spukten im Südpark

Wersten..  So manches Elternteil dürfte sich beim Karnevalsumzug im Südpark an die eigene Kindheit und Jugend zurück erinnert haben: Die „Super Marios“ führten in diesem Jahr den Umzug an. Die Gruppe „Außenbereich“ hatte die Idee, sich in die Figur des Kult-Computerspiels zu verwandeln.

An Phantasie mangelt es den Beschäftigten der Werkstatt für angepasste Arbeit (WfaA), Zweigstelle Südpark, nie: Seit vielen Jahren ziehen rund 200 Beschäftige der Werkstatt für Menschen mit Behinderung am Karnevalsfreitag vom Haus Deichgraf herüber zum Höfchen – immer in selbst gemachten Kostümen. „Oh je, ich muss gleich noch meine Stimme für die besten Kostüme abgeben“, sagt Andrea Schmidt, Abteilungsleiterin im Südpark. „Ich weiß noch gar nicht, für wen ich mich entscheiden soll.“ Denn sie war – genau wie die Zuschauer – von vielen Ideen begeistert.

Die „Südparkgeister“ der Gruppe Eichenhain spukten in wehenden, hellgrünen Umhängen, bedeckt von Spinnweben und Krabbeltieren, umher. Die Mitarbeiter aus der Tierhaltung hatten in vergangenen Wochen an ihren Masken für das Motto „Der Wolf und die sieben Geißlein“ gebastelt und brachten sogar einen echten Ziegenbock mit.

Märchenhaft präsentierten sich auch die Ratten von Hameln (Bereich Gemüsebau), die ihrem Rattenfänger folgten. Doch auch aktuelle Themen setzten die Jecken kreativ in Szene. So nahmen die Mitarbeiter aus dem Dahliengarten das aktuelle Karnevalsmotto „Traumhaft Jeck“ wörtlich – und kuschelten sich unter dem Motto „Happy Dreams“ (Glückliche Träume) in ihre Betten. Auch ein Bezug zu Sturm Ela fehlte nicht. „Wir waren lange mit den Aufräumarbeiten beschäftigt und der Sturm wird auch dieses Jahr noch ein Thema sein, schließlich müssen wir noch einige Bäume neu pflanzen“, erklärt Schmidt.

Deswegen war im Zug auch das „Professionelle-Ela-Sturmbeseitigungs-Team“ unterwegs, dessen Mitarbeiter sich im Alltag um die Wiesen und Weiden kümmern. „Außerdem freuen wir uns, dass das erste Mal eine Abordnung der neu gegründeten Karnevalsgesellschaft „Gemeinsam Jeck“ in unserem Zug mitgeht“, sagte Schmidt. „Das Thema Inklusion wird schließlich auch in Düsseldorf immer wichtiger.“ Dass Menschen mit Behinderung ganz selbstverständlich zur Stadt gehören, machte der selbstbemalte Wagen der Gemüsegruppe deutlich: Sie haben das Haupthaus der WfaA im Südpark kurzerhand mitten in die Düsseldorfer Skyline zwischen Burgturm und St. Lambertus-Kirche eingefügt, drum herum feiern Menschen ausgelassen – auch im Rollstuhl oder mit Rollator. Auf dem Prinzenwagen nahmen in diesem Jahr Venetia Sandra und Prinz Dietrich Platz. Sie regierten ihr Volk am Wegesrand mit lauten Helau-Rufen und viel Kamelle.

Zahlreiche Familien und Kindergartengruppen feierten nach dem Umzug im Höfchen weiter. Auch Jana Behrendt tanzte ausgelassen mit ihrem vierjährigen Sohn Samuel zur Livemusik der Fischgesichter. „Der Umzug war bereits seit Tagen ein Thema im Kindergarten. Ich bin zum ersten Mal hier und es gefällt mir richtig gut. Ein süßer Umzug, klasse Musik, schöne Stimmung“, zieht sie Bilanz. „Wenn das Wetter mitspielt werden wir auf jeden Fall wieder kommen“, sagt Jana Behrendt.

Wen sie persönlich gewählt hat, verriet Andrea Schmidt übrigens nicht, aber die dreiköpfige Jury kürte die Gartenelfen (Gruppe Irisgarten) mit ihren Kopfbedeckungen aus Moos als bestes Kostüm.