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Die Gefühle zählen

24.08.2008 | 15:05 Uhr

DEMENZ-TREFF. Einfühlungsvermögen und Geduld schaffen das nötige Vertrauen.

Altenpflegerin Ulrike Mundt (li) spielt mit den Besuchern des Klön-Treffs. Die Fachfrau hat einen feinen Sensor für ihre Stimmungen und weiß, darauf einzugehen. (Foto: J. Michaelis)

HILDEN. "Bei Euch möchte ich 100 Jahre alt werden!" Unvermittelt und spontan äußert mit fester Stimme die Demenz-Kranke Gisela W. diesen von tiefem Vertrauen und momentanem Wohlbefinden zeugenden Wunsch. Gegolten hatte er Ulrike Mundt, Leiterin des Klön-Treffs für Demenz-Kranke und der sie an diesem Morgen unterstützenden Betreuungshelferin Rosi Bracht, die beide das Kompliment für ihre Tätigkeit spürbar freudig betroffen macht.

Entlastung für Angehörige

Fünf an Alzheimer erkrankte Menschen sind an diesem morgen im Klön-Treff, im freundlich lichten großflächigen Saal im Haus der Freizeitgemeinschaft im Alten Helmholtz, in der Gerresheimer Straße 20 b, erschienen. Seit einem Jahr wird dieser Klön-Treff jeden Montag und Donnerstag von 9 bis 12 Uhr vom Demenz-Info-Center (DIC) Hilden angeboten. Drei Stunden fachkundige Betreuung - Zeit für die sonst betreuenden Angehörigen, Bekannten oder Nachbarn zum "Aufatmen", wie Hedwig Braun, Initiatorin der seit 2002 bestehenden Selbsthilfegruppe "Alzheimer-Angehörigen-Treff"(AAT) erläutert.

Für den Klön-Treff- 15 Euro kostet die dreistündige Betreuung- werden dringend weitere Helferinnen gesucht, die auf der Basis "Geringfügig Beschäftigter" eingestellt werden könnten. Es wäre hilfreich, wenn die Bewerberinnen oder Bewerber für diese Tätigkeit ein wenig Erfahrung im Umgang mit älteren Menschen hätten, betont Hedwig Braun.

Welches enormes Einfühlungsvermögen, wie viel Geduld, Gelassenheit aber auch Durchsetzungsvermögen bei der Betreuung von Demenz-Kranken erforderlich ist, wird jedem schnell deutlich, der mal Gast beim Klön-Treff war. Es beginnt jeweils mit einem gemeinsam nahezu zelebrierten Frühstück, das durchaus weit über eine Stunde dauern kann. Lese- und Spielrunden, Vorlesen und Basteln schließen sich an. Die 77-jährige Gisela W., einst selbständige Schneiderin braucht den ständigen Kontakt mit der Betreuerin, fühlt sich sonst vernachlässigt. Sie verschafft sich Aufmerksamkeit, in dem sie immer wieder aufsteht und ihre Jacke sucht.

Der 70-jährige Hendrick D., körperlich topfit, joggt noch jeden morgen, plaudert eine geraume zeit charmant mit den Damen. Unvermittelt ein Stimmungswandel. Er will unbedingt in zehn Minuten nach Hause. Es bedarf einiger Überredungskünste, um ihn umzustimmen.

Den Ausschlag zu bleiben gibt das Angebot, er könne einer Betreuerin beim Spülen helfen. Halina L. (81) hat an diesem Morgen ein Foto aus ihrer Schulzeit mitgebracht und fordert immer wieder jeden auf, sie im Kreis ihrer großen Schulklasse zu suchen.

Eher unbeteiligt an der lebhaften Gesprächsrunde zeigt sich der 85-jährige Diplom-Kaufmann Hans R. Aber auch bei ihm, wie bei allen andern, berichtet Altenpflegerin Ulrike Mundt, seit 20 Jahren im Pflegebereich tätig, können plötzliche Stimmungsschwankungen und Aggressionen einsetzen. Vieles läuft in der Kommunikation mit diesen Kranken, erzählt Ulrike Mundt, nicht über die Logik ab, sondern ausschließlich über die emotionale Schiene, über die Gefühle. So lasse sich die 78-jährige Bruni H. durch keine Worte überreden und überzeugen, hier müsse vielmehr mit Augenkontakt und Stimmlage Vertrauen geschaffen werden. Ulrike Mundt: "Sie können Demenz-Kranken auch nichts vormachen über ihre eigene Stimmungsbefindlichkeit, die Kranken erkennen die wahren Gefühle des Gesprächspartners."

KLAUS-DIETER KRUPP

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