„Die falsche Wahrnehmung ist ärgerlich“

In Garath tut sich was – und demnächst solldas noch viel mehr weg. Der OB bringt das mit seinem Projekt „Garath 2.0“ voran.
In Garath tut sich was – und demnächst solldas noch viel mehr weg. Der OB bringt das mit seinem Projekt „Garath 2.0“ voran.
Foto: Ingo Lammert
Auftakt zum Stadtentwicklungsprojekt „Garath 2.0“ mit Hunderten Bürgern

Düsseldorf..  „Garath wird total unterschätzt. Es ist ein grüner Stadtteil, der interessant ist für junge Familien und alle Generationen. Wir wollen mitnichten alles neu machen, aber neue Anstöße für eine positive Entwicklung geben.“ Mit diesen Worten startete Oberbürgermeister Thomas Geisel das Stadtteilprojekt Garath 2.0. Mit mehreren hundert interessierten Bürgern diskutierten Fachleute der Stadtplanung in der Freizeitstätte Garath über konkrete Problemlagen und Ziele.

Freizeitstätten-Leiterin Maren Siegel bezeichnete den 50 Jahre alten Stadtteil, der unter einem althergebrachten Negativ-Klischee leidet, als „liebenswert mit Ecken und Kanten“. Die gut funktionierende und vernetzte Nachbarschaft sei ein Alleinstellungsmerkmal des oft zu Unrecht geschmähten Stadtteils.

Architekt Hartmut Miksch fordert für einen Wandel auch deutliche positive Signale: „Garath hat nichts mit einem Hochhausstandort zu tun. Die falsche Wahrnehmung von außen ärgert mich. Garath hat viel mehr Qualitäten als gemeinhin bekannt sind.“ Als zentrale Forderung aus Stadtplanersicht nannte Miksch: „Zügig Wohnungen schaffen, in denen die Menschen ganz alt werden können“ – mit allen Anforderungen, die dafür nötig sind und heute oft fehlen. Er sprach sich auch für eine Nachverdichtung mit Stadthäusern für junge Familien aus. Im Projekt Garath 2.0 dürfe es „keine Tabus“ geben. Als Beispiel für gutes Gelingen nannte er die Solarsiedlung, die viel Aufmerksamkeit für qualitätvolles Bauen in Garath erzeugt habe.

Soziologie-Professor Reinhold Knopp, der mehrere Untersuchungen in Garath durchgeführt hat, fordert Rahmenbedingungen für den Nachzug von jungen Leuten, Studierenden und Künstlern. Kritisch äußerte er sich zu Mietanhebungen bestimmter Unternehmen, zu Lücken in der Nahversorgung (Lebensmittel, Bekleidung, höherwertige Gastronomie) und zur Vernachlässigung der einst geplanten Nebenzentren. Als Werbemotto schlug Knopp vor: „Kommt nach Garath, weil man hier preiswert wohnen kann!“

OB Geisel, der das Stadtentwicklungsprojekt initiiert hatte, schlug vor, neben der Betonung eines breiten Wohnungsbau-Mixes auch Ausstellungen nach Garath zu holen, Atelierräume zu schaffen und über eine Buslinie zur Uni nachzudenken. Die Öffentliche Hand könne nicht alles finanzieren, aber Anstöße geben. Gastspiele des jungen Schauspielhauses in der Freizeitstätte könnten dazu gehören.

In Arbeitsgruppen lieferten Bürger Ideen zur Entwicklung, zu Einkaufs- und Wohnproblemen. Das Planungsbüro StadtRaumKonzept, mit der Moderation des Prozesses bis Frühjahr 2016 beauftragt, will demnächst „Treppengespräche“ in Wohnhäusern inszenieren und bei Festen präsent sein. Planungsamtsleiterin Ruth Orzessek-Kruppa kündigte weitere Bürgerarbeit und eine Zukunftskonferenz für Garath an.