Die erste Lärmpatrouille der Altstadt

Altstadt..  Der Wirt einer Kneipe an der Bolkerstraße legt den Arm um einen Besucher und tätschelt ihn freundschaftlich. Dann lächelt er und sagt: „Ganz ehrlich: Diese neue Regelung ist doch Mist.“ Der Wirt, der weder seinen Namen noch den seines Lokals in der Zeitung lesen möchte, sieht aus, als ob er noch viel mehr zu dem Thema sagen möchte – doch er hält sich zurück: „Warum gehst Du in die Altstadt? Um es ruhig zu haben?“

Eine Antwort auf diese Frage wartet er gar nicht erst ab. Es ist Samstagabend, die Straßen in der Altstadt füllen sich. Die Jungs von „Ollis Junggesellenabschied“, wie es auf ihren T-Shirts steht, laufen die Bolkerstraße entlang, trinken Bier, grölen und johlen. Ist es hier laut? Sicher. Aber ist es auch zu laut? Um das zu klären, ist eine Streife des Ordnungs- und Servicedienstes (OSD) der Stadt zwischen den Feiernden in der Altstadt unterwegs.

Unter der Woche hatte die Verwaltung beschlossen (die NRZ berichtete), die Einhaltung des Immissionsschutzgesetzes fortan zu kontrollieren. Insofern hat der Wirt vom Anfang Unrecht, wenn er von einer neuen Regelung spricht: Das Gesetz sah schon immer Beschränkungen für die Lautstärke vor – nur wird deren Einhaltung ab jetzt auch überwacht. „Vorher haben wir das toleriert und nur auf Beschwerde hin eingegriffen“, erzählt Dennis Beyer, Dienstgruppenleiter des OSD, der Samstagnacht auf Streife ist.Mit zwei Kollegen zieht Beyer erst die Bolkerstraße, dann die Kurze Straße entlang. Ihren Weg müssen die drei Ordnungshüter ständig unterbrechen. Jemand fragt nach der Shisha-Bar „Leyla“, eine Frau nach einem WC. „Das passiert sehr oft, dass wir nach dem Weg gefragt werden. Man erkennt uns halt gut an der Uniform“, sagt Beyer. Aber sollte es nicht eigentlich um Lautstärke gehen?

Offensichtlich haben die Wirte Zeitung gelesen: Lautsprecher hat keiner mehr von ihnen vor der Tür. Nur bei einer Gaststätte dringt etwas lauter Musik nach außen. Beyer und sein Team reden freundlich mit dem Inhaber: Kein Problem, er werde drauf achten. Heile Welt in der Altstadt. Von einem drohenden Donnerwetter zwischen Ordnungsamt und Wirten spürt man nichts. Dennis Beyer grüßt im Vorbeigehen freundlich einen Türsteher.

Gibt es also viel Lärm um nichts? Nun, so voreilig will Beyer das nicht sagen. „Wenn die Temperaturen steigen, wird es auch vor den Geschäften in der Altstadt wieder lauter“, ist er sich sicher. Dann dürfen die Altstadtwirte keine Gnade erwarten. Bereits beim ersten Verstoß könnte ein Bußgeld fällig werden.

Ein weiterer Blick hinter die Kulissen: Besuch bei einem anderen Wirt. Auch hier das gleiche Spiel – keine Namen. Etwas sagen will jeder, aber nur unter dem Mantel der Anonymität. „Wir können die Altstadt auch ganz lahmlegen“, droht der Mann, der offensichtlich gestresst ist. Er schüttelt den Kopf und wendet sich ab. „Keine Namen“, sagt er nochmal.

Im Café Madrid, immerhin, spricht der Geschäftsführer. Bereitwillig nennt er seinen Namen: Mauritio Gigli. Ja, er fände das gar nicht schlecht, wenn es etwas ruhiger würde. Aber bitte, alles im Rahmen. „Diese Straße gibt es nur einmal auf der Welt“, mahnt er zur Umsicht. Und er weist auf eine offene Frage hin: Ab wann ist es eigentlich zu laut?

Dennis Beyer vom OSD hat kein Dezibel-Messgerät und keine Richtwerte, nach denen er Handeln soll. „Die Musik soll nicht zu anderen Gaststätten rüberkommen können“, sagt er. Es ist die erste Streife dieser Art, die das Ordnungsamt angesetzt hat. Erfahrungswerte gibt es also noch nicht. Dass die Wirte in Zukunft versuchen werden, die Grenze selbst auszutesten, darf aber angenommen werden. Der Mann, der seinem Gast Hand auf die Schulter legt, ist jedenfalls schon dabei.