Die Cheerleader-Champions

Der Schweiß läuft in Strömen bei den 45 Mädchen in der Tanzhalle im Keller der Montessori-Grundschule an der Lindenstraße. Doch auch nach vier Stunden hartem Training verschwindet das Lächeln nicht aus ihren Gesichtern. Der Ehrgeiz, alles noch ein bisschen besser machen zu wollen, ist bei jeder Tänzerin spürbar.

Sie sind das Nonplusultra in Deutschland, die Cheerleader des SC Unterbach. Bei den Tänzerinnen, aufgeteilt in drei Altersgruppen von fünf bis 25 Jahren, stapeln sich die Pokale in den Vitrinen. Zu den diversen Landes- und nationalen Meistertiteln kommen inzwischen auch drei Teilnahmen an Europameisterschaften in Italien und England hinzu. Und nach dem vor kurzem verteidigten NRW-Titel gehen die Unterbacherinnen mit der höchsten Punktzahl im nationalen Ranking auch bei den Deutschen Meisterschaften am 30. und 31. Mai in Stuttgart einmal mehr als Favoriten an den Start – wohlbemerkt in allen drei Altersklassen (fünf bis elf, zwölf bis 15 und ab 16 Jahre) mit insgesamt sogar fünf Gruppen.

Cheerleading auf Wettkampfniveau hat wenig mit dem zu tun, was man aus amerikanischen Teenager-Filmen kennt. Es fliegen keine spärlich bekleideten, Pompons schwingenden Mädchen in die Höhe, und es gibt auch keine Jungen, die sie auffangen könnten – auch wenn die Unterbacherinnen vor fünf Jahren aus den Düsseldorf Panthern hervorgegangen sind. Doch Schwerpunkte und Ambitionen haben sich verlagert, gefragt ist nun Akrobatik und Akribie bei der choreographischen Umsetzung. Cheerleading ist Leistungssport, der viel Fleiß, Taktgefühl und jede Menge Wiederholungen erfordert. Dennoch würden auch die Kleinsten nach dem Training am liebsten weitermachen und ihrem Bewegungsdrang nachgeben, versichert Coach Kiki Hautow. „Gerade die jungen Mädchen sind kaum zu bremsen.“ Und es kommen immer wieder Neulinge hinzu. Wer Spagat oder Rad schlagen kann, sich verdrehen und verrenken kann, sei zwar im Vorteil, „Voraussetzung ist das aber nicht. Denn all das, was dazugehört, lernt man ja bei uns. Einige sind schon im neunten Jahr dabei, andere haben zwischendurch aufgehört und sind doch wieder zurückgekehrt“, erklärt die Trainerin.

Das alles kostet viel Geld

Beim SC Unterbach fühle man sich als autarke, aber dem Verein eng verbundene Abteilung bestens aufgehoben. Im Sommer würden die Tänzerinnen auch auf dem Clubgelände Trainingseinheiten absolvieren, ansonsten sei man etwa auf die Tanzhalle in Flingern angewiesen. Und da Mädchen und junge Frauen aus ganz Düsseldorf und der Peripherie beim SC Unterbach tanzen wollen, seien nicht selten auch die Eltern gefordert, ihre Zöglinge zum Training zu kutschieren – und auch mal mit Waffeln backen oder Haarschleifen verkaufen die Unkosten abzudecken. „Die vielen Reisen, der Transport, die Unterbringung und nicht zuletzt die Kostüme, das alles kostet natürlich Geld, und es mangelt uns doch oft an genügend finanziellen Mitteln“, sagt Managerin Renate Hautow.

Etwas Geld in die Kasse bringen Auftritte bei Festen, Feiern oder Modeschauen, auch von Footballteams wie den Langenfeld Longhorns oder den Düsseldorf Bulldozern lassen sich die Unterbacherinnen nach wie vor buchen, um die ganz großen sportlichen Ziele erreichen zu können. Der Traum von einer erneuten EM-Teilnahme Ende Juni im kroatischen Zadra sei zwar durchaus realistisch, „ein Selbstläufer wird die Deutsche Meisterschaft im Mai aber natürlich nicht“, warnt Kiki Hautow und wendet sich wieder konzentriert dem Training ihrer Mädchen zu.