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Die Altstadt schminkt ihr Gesicht

10.12.2008 | 21:45 Uhr

SICHERHEIT. Wirte wollen ihr Viertel aus den Negativ-Schlagzeilen haben. Für Image-Kampagne, gegen ungehemmtes Saufen.

Die Wirte rund um die Bolkerstraße sorgen sich nach den gewalttätigen Auseinandersetzungen jugendlicher Gruppen um das Image der Altstadt. Die Polizei hat reagiert - mit massiver Präsenz am Wochenende. Morgen lädt OB Dirk Elbers zum Runden Tisch. Forderungen nach einem Alkoholverbot auf den Straßen werden laut. Wie weit soll die Toleranz im Vergnügungsviertel gehen? Ein Meinungsbild.

Was gewollt ist, hat Uerige-Chef Michael Schnitzler auf den Punkt gebracht: "Ich möchte eine weltoffene, vielfältige und lebenslustige Altstadt, die auf die Wünsche der vielen unterschiedlichen Besucher eingeht, ohne dass sich jemand unwohl fühlt."

Das hören die meisten Wirte gerne, auch ihr Sprecher Tobias Ludowigs vom Weinhaus Tante Anna. Er will das kleine Viertel endlich aus den Negativ-Schlagzeilen haben und spart nicht mit Medienschelte. Man habe den Eindruck, "hier gebe es bürgerkriegsähnliche Zustände. Dabei sind über 99 Prozent unserer Besucher absolut friedlich", stellt er klar. Prügeleien in der Altstadt habe es auch früher gegeben. Doch gemessen an der großen Zahl der Besucher "passiert doch wenig." Dass die Hemmschwelle Jugendlicher zur Gewalt sinkt, sei "kein Altstadt-Problem", sondern ein gesellschaftliches Phänomen.

"Sie ist unser Aushängeschild"

Ludowigs will die Werbetrommel rühren . "Wir müssen die Altstadt attraktiv halten. Sie ist unser Aushängeschild. Wir müssen schnellstens etwas für unser Image tun." Die Verstärkung der Polizei begrüßt er. Dass die Lokale deutlich früher schließen sollen, hält er für "provinziell". Viele Wirte wollen sogar, dass die Sperrstunde um fünf Uhr früh aufgehoben wird, damit sich nicht auf einen Schlag zu viele Gäste auf den Heimweg machen und zusätzliche Konflikte entstehen.

Einer der Befürworter eines generellen Alkoholverbots außerhalb der konzessionierten Flächen in der Altstadt ist Karl-Heinz Gatzweiler, Chef der Hausbrauerei "Zum Schlüssel" auf der Bolkerstraße: "Den Kiosken in der Altstadt sollte der Verkauf alkoholischer Getränke untersagt werden. Die Stadt sollte zudem auf gar keinen Fall mit Junggesellen-Abschieden werben, weil gerade bei diesen Veranstaltungen exzessiv getrunken wird, auch wenn es hier durchaus positive Ausnahmen gibt." Gatzweiler erinnert aber auch an die Verantwortung der Gastronomen. Sie sollten Saufgelage nicht fördern, etwa durch das Angebot von Happy Hour und Sangria in Kübeln mit Strohhalm. Der "Schlüssel"-Chef: " Das gehört nicht in die Altstadt."

Die Politik ist gepalten. Zwei Stimmen nur: SPD-Ratsfrau Helga Leibauer plädiert für ein Alkoholverbot auf öffentlichen Plätzen in der Altstadt. Ausnahmen: Außenterrassen und Festveranstaltungen. "Ich sehe zunehmend Jugendliche mit Bierflaschen in den Straßen", kritisiert sie. "Die Kids tauschen sich aus, in welchen Kiosken sie Alkohol bekommen. Da wird hemmungslos verkauft." FDP-Fraktionsgeschäftsführer Manfred Neuenhaus ist strikt gegen ein Verbot: Erstens wären die Ordnungskräfte völlig überfordert. Zweitens: "Nur weil einige junge Leute sich nicht benehmen können, sollten wir nicht die Rechte der Mehrheit beschneiden."

MICHAEL MÜCKE

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Kommentare
11.12.2008
16:34
Die Altstadt schminkt ihr Gesicht
von Blasius | #1

Klar, dass der Schlüssel-Chef den Verkauf von Alkohol am Kiosk verbieten lassen will. Damit mehr Leute sein überteuertes gebräu trinken.
Schwacher Vorschlag.

Also, ich fühle mich in der Altstadt wohl und sicher. Die Berichterstattung und das Gejammer ist total überzogen. Da stecken wieder irgendwelche finanziellen Interessen dahinter (wie leider so oft in Ddorf).

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