Diakonie schafft Start-up-Apartments für Wohnungslose

Endlich wieder ein eigener Haustürschlüssel: Zarko Jovanovic ist froh, vorerst nicht mehr bei Bekannten unterkommen zu müssen.
Endlich wieder ein eigener Haustürschlüssel: Zarko Jovanovic ist froh, vorerst nicht mehr bei Bekannten unterkommen zu müssen.
Foto: Christine Holthoff
Was wir bereits wissen
Die Diakonie, SWD und Fiftyfifty bieten Obdachlosen vorübergehend Wohnraum. Doch geeignete Unterkünfte gibt es noch immer viel zu wenig in Düsseldorf.

Vor fünf Jahren war die Welt von Zarko Jovanovic noch in Ordnung. Er war glücklich verheiratet, lebte zusammen mit Frau und Kindern, verdiente Geld als Lagerarbeiter. Doch dann wurde seine Frau schwer krank, sie fiel sogar ins Koma.

Dreieinhalb Jahre arbeitete Jovanovic daraufhin nur noch nachts, tagsüber pflegte er seine Frau – eine Doppelbelastung, der er nicht ewig standhalten konnte. Er verlor seinen Job, es gab Streit mit der Schwiegermutter, man ließ ihn nicht mehr zu seiner Frau und kündigte ihm auch die Wohnung. Seitdem kam Jovanovic mal hier unter, mal dort, fand aber keine eigene Unterkunft. Seit Mitte Januar hat er die nun doch: in einem der vier neuen Start-up-Apartments, die die Diakonie mithilfe der Städtischen Wohnungsgesellschaft (SWD) und der Obdachlosenhilfe Fiftyfifty in Unterbilk anbietet.

Sechs Monate, um weiterzusuchen

„Wenn man in Düsseldorf wohnungslos ist, gibt es verschiedene helfende Strukturen; was aber tatsächlich fehlt sind Wohnungen“, sagt Dirk Redemann, Leiter des Bereichs „Betreutes Wohnen für Menschen in sozialen Notlagen“ bei der Diakonie: „Mit den Start-up-Apartments können wir die Obdachlosen umgehend und ohne große Hürden mit Wohnraum versorgen.“

Die Apartments sind allerdings nur ein Anfang: Sechs Monate können die Bewohner dort bleiben. Die Zeit sollen sie nutzen, um eine Bleibe auf Dauer zu finden. Unterstützt werden sie dabei von Mitarbeitern der Diakonie, die ihnen drei Stunden pro Woche zur Seite stehen.

Dass die Obdachlosen sich selbst das Ziel gesteckt haben, eine dauerhafte Wohnung zu finden, ist die einzige Bedingung, um in die Start-up-Apartments einziehen zu dürfen. Offiziell bewerben kann man sich um einen Platz dort allerdings nicht, erläutert Redemann: „Wir bekommen aus unseren verschiedenen Diensten Hinweise, wenn jemand geeignet sein könnte.“ Ende April wird die erste Wohnung bereits wieder frei. Der Nachmieter steht schon in den Startlöchern – es gibt eine Warteliste.

Zu wenig preiswerte Wohnungen

„Natürlich ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein“, sagt Redemann, „aber für die einzelnen Personen bedeutet das eine ganze Menge.“ Denn wer eine feste Adresse angeben kann, hat bei der Suche nach einer Wohnung oder auch Arbeit gleich bessere Chancen.

Gravierender als die Vorurteile, die manche Vermieter Obdachlosen gegenüber hätten, sei aber das Problem, dass es schlichtweg zu wenig günstige Wohnungen in Düsseldorf gebe. „Es ist kontraproduktiv, dass unter dem alten Oberbürgermeister systematisch Obdächer abgebaut wurden“, sagt Hubert Ostendorf, Geschäftsführer von Fiftyfifty, die das Projekt durch Spenden erst möglich gemacht haben. Inzwischen sei der Draht zum Rathaus zwar besser, Düsseldorf bei preiswertem Wohnraum aber immer noch im Hintertreffen.

Wieder mehr Selbstbestimmung

Zarko Jovanovic ist froh, dass er nach einem Jahr ohne Wohnung wieder ein eigenes Dach über dem Kopf hat. „Endlich muss ich nicht mehr irgendwo anklopfen und fragen“, sagt er. Sein neues Reich im vierten Stock über der Diakonie-Beratungsstelle Horizont ist klein, etwa 24 Quadratmeter. Es gibt einen Raum mit Bett und Küche, dazu ein Bad. „Uns war es wichtig, dass es abgeschlossene Wohneinheiten sind, in denen man sich wohlfühlt, aber auch für sich selbst verantwortlich ist“, so Redemann.

Ob Jovanovic schon bald wieder ganz auf eigenen Füßen stehen kann, weiß er noch nicht, ist aber guter Dinge: „Ich habe einige Wohnungen in Aussicht.“