Diabetes hat nichts mit Diät zu tun
06.09.2009 | 21:58 Uhr 2009-09-06T21:58:00+0200
Düsseldorf. Was haben Diabetes und Diät miteinander zu tun? Nichts! Beim 7. Düsseldorfer Diabetes-Tag wurde mit Vorurteilen aufgeräumt.
Das große Pieksen war wieder angesagt. Zahlreiche Besucher des 7. Diabetes-Tages im Gebäude der Handwerkskammer nutzten die Gelegenheit, Blutwerte bestimmen zu lassen. Sie sagen viel aus über die immer noch unterschätzte Volkskrankheit.
Neben der Bewegung ist die Ernährung der Schlüssel zu besserer Gesundheit - eine Binsenweisheit und zugleich der Grund, warum Familien in Jahren und Jahrzehnten so vieles falsch machen. Ernährung müsste mehr über das Bewusstsein gesteuert werden; das hat man aber beim Lesen von Werbung oder beim Einkaufen nicht immer dabei.
Die Ärztin Monika Toeller hatte das wohl größte Publikum, als sie am Samstag nicht nur gefühltes, sondern tausendfach nachgewiesenes Fehlverhalten darstellte: Wir verzehren zu viel Fett und zu wenig Kohlehydrate. Eine europaweite Studie, zu der auch eine große Düsseldorfer Stichprobe beigetragen hat, weist nach, dass Butter, bestimmte Margarinesorten, fette Milch und fette Süßigkeiten im Übermaß konsumiert wird. In der Summe sind es doppelt so viel gesättigte Fettsäuren wie empfohlen. Dagegen ist noch Platz auf dem Speiseplan für ungesättigte Fettsäuren, also: Oliven-, Raps- und Sojaöl, Nüsse, fetter Fisch wie Hering, Lachs und Makrele. „Gut für die Blutgefäße”, sagte Toeller.
Sie empfahl Ganzkorn-Getreideprodukte, Linsen und Pumpernickel und widersprach, dass es bei Obstsorten Einschränkungen gäbe: „Nicht eine einzige Obstsorte ist Diabetikern verboten.” Aber: Alles eine Frage der Menge.
Toeller räumte auch Irritationen in Bezug auf Diät-Lebensmittel aus. Klare Aussage: „Nicht nötig, teuer, überflüssig.” Dennoch warb mindestens einer der Verkaufsstände des Diabetes-Tages für Diätschokolade und andere bunte Sachen. Die Ärztin des Deutschen Diabetes-Zentrums an der Uniklinik Düsseldorf will sich für ein Verbot für das nächste Jahr einsetzen. Spezielle Abnehm-Produkte, die zurzeit Düsseldorfer Apotheken anbieten, nannte sie „sehr bedenklich”.
Der „Vater” des Diabetes-Tages, Professor Werner Scherbaum, hatte die Veranstaltung diesmal dem Thema Familie gewidmet: „Denn Diabetes kann Menschen jeden Alters treffen.” Kinder, Selbsthilfegruppen und Organ-Probleme wurden in 18 Fachvorträgen beleuchtet. Zu wenig bekannt ist etwa, wie Blutzucker auch die kleinen Blutgefäße im Auge angreift. Die Augenärztin Katja Severing stellte dar, dass nach fünf Jahren 17 Prozent der Diabetiker Veränderungen der Netzhaut aufwiesen - nach 15 Jahren aber bereits 90 Prozent! Die Regulierung von Blutdruck und Blutfett sei die zuverlässigste Therapie, so Severing.
Oliver Schröer wies auf den Zusammenhang von Diabetes und Polyneuropathie an: Die Nervenschädigung, die häufig an den Füßen auftritt, ist besonders tückisch - Betroffene spüren den Schmerz nicht, tragen falsche Schuhe, können im Rollstuhl landen. Ob Hausärzte richtig behandeln, hängt bisweilen von (behaupteten) Budget-Streits mit Krankenkassen ab. „Gehen Sie zum Diabetologen”, empfahl Schröer, der selbst in der Fußambulanz im Martinus-Krankenhaus in Bilk Hilfe anbietet.
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