Deutschlands trinkfesteste Halle sucht neuen Wirt
28.01.2010 | 04:00 Uhr 2010-01-28T04:00:00+0100Düsseldorf. Der Manager der Eventhalle Castello, die oft den "Giants" für den Basketball dient, hat sich verzockt. Die Stadt Düsseldorf auch: Sie muss 25 Millionen Euro für die Übernahme aufbringen. Und die Kongressgesellschaft will die Halle nicht.
Vielleicht sind 1200 frisch vereidigte Polizisten und 3000 geladene Gäste des NRW-Innenministers Ingo Wolf (FDP) Ende Februar das letzte, was Wolfgang Frommann als Chef des „Burgwächter Castello” zu verantworten hat. Zum feierlichen Akt dürfte für ihn der letzte Vorhang fallen, nachdem er den Kredit der Stadtsparkasse für die fünf Jahre junge Eventhalle nicht mehr bedienen kann. „Sie haben ja schon einen Schuldigen: mich”, kokettiert er vor der Presse und erwähnt, mancher hätte ihm bescheinigt, das Castello „recht gut gemanagt” zu haben. Jedenfalls müsse er „nicht als Geknickter durch die Gegend laufen”.
Feiern in Krisenzeiten sehen nicht gut aus
Das Understatement liegt dem bunten Vogel im Auftrag der Freien Christlichen Schule nicht wirklich. Schnell ist er dabei zu erzählen, wie sein Castello beim Boxkampf „zur trinkfestesten Halle von ganz Deutschland wurde”, wie auch bei „wunderbaren arabischen Konzerten” Mitwirkende tief in die Alkoholkiste griffen, wie Rod Stewarts Techniker die professionelle Akustik lobten und er für 2010 ein seltenes Doro-Pesch-Konzert an Land zog. Ja, das ist die Welt des Wolfgang Frommann, kenntnisreicher Veranstalter, Gastronom und Verkäufer vom Typ Rampensau, dem es auch ganz und gar nichts ausmacht, in prekärer Finanzlage den Vorstand seines Kreditgebers Stadtsparkasse zum fröhlichen Treffen unter Brüdern einzuladen. Allein, die Franjo-Pooth-Geschädigten zuckten zurück. Was sonst.
Auch Metro und Henkel zuckten zurück. Sie ließen Betriebsversammlungen, die um die 100 000 bis 150 000 Euro Miete kosten sollten, aus dem Castello wieder abziehen - üppige Feiern in Krisenzeiten sehen nicht gut aus. Diese und andere Fehlschläge gaben Frommanns Management den Rest. Er zahlte die Monatsmieten nicht mehr. Für diesen Fall sah der Vertrag das „Heimfallrecht” vor: Übertragung der Halle an die Stadt bei Zahlung der ausstehenden Kreditsumme aus Steuermitteln an die Sparkasse. Eher 25 als 20 Millionen Euro, hieß es gestern, müsse Stadtkämmerer Helmut Rattenhuber nun berappen.
Auch andere sehen sich in Nöte gestürzt: Politiker etwa, die rasch Abstand von der misslungenen „public private partnership” im Zockermilieu gewinnen wollen. Wer hatte denn damals jenseits des üblichen Weges den Dringlichkeitsbeschluss zusammen mit OB Erwin unterschrieben. „Wir nicht”, beeilte sich FDP-Bürgermeisterin Strack-Zimmermann zu versichern. Es war aber wohl ihr Vorgänger Heinz Winterwerber, FDP.
„Das Heimfallrecht ist finanzpolitisch auf jeden Fall das Richtige”, sagt SPD-Bürgermeisterin Gudrun Hock. Dem Castello-Drama die Krone aufsetzen wollen SPD und Grüne nächste Woche im Stadtrat. Sie sehen ihre jahrelangen Warnungen bestätigt und verlangen von der Verwaltung „neue Überlegungen” (Günter Karen-Jungen) und „Klarheit über die Folgen für den Haushalt und den Sport” (Markus Raub).
Null Bock auf die Sporthalle
Der Sport sieht sich nicht betroffen. Denn der mit dem Castello vermarktete Profisport (Giants, HSG) wie auch Tagungen und Konzerte zählen in der Haushaltssystematik der Stadt als „Wirtschaftsförderung”. Bleibt es dabei?
Unklar ist das künftige Management des Reisholzer Baus. Der quasi natürliche Nachfolger, Manfred Kirschenstein, der in der Düsseldorf Congress schon Arena, Dome und Philipshalle managt, verspürt wenig Lust auf die „Sporthalle”. Die Düsseldorf Congress hat gestern eine Übernahme abgelehnt.
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