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Désirée Nick mit perlenden Kabarett-Dialogen in Düsseldorf

02.09.2012 | 16:30 Uhr
Désirée Nick mit perlenden Kabarett-Dialogen in Düsseldorf
Mackie Heilmann (li.), Adisat Sementisch, Caroline Kiesewetter (re.) und Désirée Nick (Mitte) stehen im Düsseldorfer Theater an der Kö auf der BühneFoto: WAZ FotoPool

Düsseldorf. „Ich hab nix anzuziehen!“ Wie zucken Männer zusammen, wenn sie diese verzweifelten Rufe von ihren Frauen hören, die wütend vor einem prall gefüllten Kleiderschrank stehen. Oder: „Ich muss fünf Kilo abnehmen“ – um in diesen Rock reinzupassen. Um Frauen und ihre Probleme mit ihrer zweiten Haut, Schuhen und Accessoires geht es im neuen Stück im Theater an der Kö.

Drei Grazien und eine wuchtige Madame, die zu ihren Pfunden steht, reden über Shoppen und Sex, Klamotten und Kerle. Zwei Stunden lang, in „Liebe, Leid und alle meine Kleider“. So der Titel der perlenden Kabarett-Dialoge, die auf dem New Yorker Broadway seit Monaten gefeiert werden und auch bei uns für einen Theater-Knüller gut sind. Zumindest erkannten sich bei der deutschen Erstaufführung die Frauen wieder, und aufmerksame Männer zeigten Vergnügen an der Art, wie weibliche Schwächen vorgeführt werden. Der Jubel war groß.

Süffisante Selbstironie ergießen die amerikanischen Autorinnen Nora und Delia Ephron über die Kleider-Hysterie der Damen aus und spazieren nebenbei durch die Modegeschichte der vergangenen 60 Jahre. Pop-Ikone Madonna inklusive.

Hinreißend bissig und fast 40 verschiedene Rollen

Vier wirbelnde Darstellerinnen, voran die hinreißend bissige Désirée Nick,  schlüpfen zu diesem Zweck in nahezu 40 Rollen. „Du siehst aus wie ein Flittchen“ – „Ich will nicht wie die Oma rumlaufen“ – lautstarkes Gezänk zwischen Mutter und Tochter um den richtigen Look, gut gemeinte Ratschläge von Großmüttern an ihre Enkelinnen: All’ das und viel mehr bieten die Damen im Turbotempo.

Auch die rundliche Mackie Heilmann, die rassige Adisat Sementisch und Caroline Kiesewetter lassen keine Gelegenheit aus, sich über Rock, Bluse, Jeans oder andere Modediktate aufzuregen. Egal ob vor heimischem Spiegel oder in der Umkleidekabine eines schicken Label-Tempels.

In Szene gesetzt und mit rheinischem Flair angereichert werden die Tiraden von René Heinersdorff. Der Hausherr und Regisseur lässt satirische Sprüche auf den Punkt kommen und Kö-Pointen zünden. Sie verpuffen nicht auf der Fifth Avenue und in der New Yorker Schickeria, auf die das Original anspielt.

So bravourös die Mimen auch zusammenfinden und sich nicht an die Wand spielen, so einzigartig bleibt Alleinunterhalterin Désirée Nick, besonders in den Soli, wenn sie ihrer spitzen Zunge freien Lauf lässt. Zum Showdown setzt die lispelnde Diva mit High Heels an bei ihrer Abrechnung mit der Damenhandtasche. Wie ein Pokal oder eine Monstranz thront die orangefarbene Kelly Bag einer französischen Luxusmarke auf einem Podest: Die Nick schleicht um das begehrte Objekt, beschwört das Chaos von Utensilien im Inneren und schüttet ihren ganzen Spott darauf. Bravo Désriée!

Michael-Georg Müller

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