Derendorfer ist Klosterbruder in Jerusalem
07.11.2011 | 17:32 Uhr 2011-11-07T17:32:00+0100
Düsseldorf.Seit 13 Jahre lebt Bruder Josef in der heiligen Stadt.
Wenn um 5 Uhr morgens die Sonne über Jerusalem aufgeht, ist Bruder Josef schon längst wach. Denn dort lebt der Düsseldorfer in dem Benediktinerkloster Dormitio am Berg Zion, wo sein Tag um 4.30 Uhr beginnt. „Ich wollte schon als kleiner Junge im Kloster leben“, erzählt der 39-Jährige, der sich trotz des frühen Tagesanbruchs als „Morgenmuffel“ bezeichnet. Auch in Deutschland hatte er einige Klöster besucht, denn nach seiner Ausbildung zum Krankenpfleger wusste er, „dass es sich lohnt auf die Karte ‘Gott’ zu setzen.“ Dass er in Israel landete war ein Zufall: „Ein deutscher Kollege wurde hier zum Abt gewählt und brauchte noch Leute, die mitkommen.“
Das war vor 13 Jahren. Seitdem lebt der gebürtige Derendorfer rund 3200 Kilometer Luftlinie von seiner Heimat entfernt, mitten in der Jerusalemer Innenstadt. Dort besteht sein Tag aus sechs Stunden Arbeit und 4 bis 5 Stunden Gebet, ganz unter dem Benediktiner-Motto: „Ora et labora“ – bete und arbeite. Bei der Arbeit im Kloster kommt ihm sein ehemaliger Ausbildungsberuf zugute. Er kümmert sich häufig um ältere Mitbrüder. Außerdem ist er Kantor, also Chorleiter beim Gottesdienst. Zusätzlich kümmert er sich um die zahllosen Pilger und Touristen, die die Dormitio besuchen. Besonders um Ostern, Pfingsten und Mariä Himmelfahrt ist das Kloster ein beliebtes Ausflugsziel, da sich diese drei biblischen Ereignisse in unmittelbarer Nähe, nämlich auf dem Zionsberg abgespielt haben sollen.
„Das rechte Maß finden“
Doch auch ein wenig Freizeit haben die Mönche: „Wir machen hin und wieder DVD-Abende und am Sonntag trinken wir auch mal Wein oder Bier.“ Das sei auch für Ende Oktober geplant, denn dann feiert er seinen 40. Geburtstag. Hier gilt dann, „das rechte Maß zu finden.“ Der Ordensmann ist überzeugt: „Nichts ist gut oder schlecht von sich aus – auch Altbier nicht.“ Die Frage sei, wie man damit umgeht. „Ich feiere auch nur, weil es ein runder Geburtstag ist, sonst feiern wir hier eher Namenstage, meiner ist am 19. März.“ Das ist allerdings der Tag seines Ordensnamens Josef.
Bruder Josef, der mit bürgerlichem Namen Antonio San Torcuato heißt, kommt eigentlich aus Düsseldorf-Derendorf und lebt als Ordensbruder in Jerusalem.Drei Wochen Urlaub
Bruder Josef, der mit bürgerlichem Namen Antonio San Torcuato heißt, passt sich an die Gegebenheiten an, genau wie sein biblischer Namensvetter, dem Mann von Maria und Ziehvater von Jesus. Den Ordensnamen bekam er als Novize verliehen und er kann durchaus Parallelen zwischen seinem Leben und dem des Josef erkennen: „Bei ihm lief alles anders, als er es sich vorgestellt hat, ähnlich wie bei mir. Es wäre mir nie der Gedanke gekommen, nach Jerusalem zu gehen, das hat sich so ergeben.“
Da drängt sich die Frage auf, ob er denn auch Heimweh nach Düsseldorf hat. „Nein ich habe kein Heimweh, aber ich breche ungern auf“, gibt er zu. Drei Wochen Urlaub hat er im Jahr, die nutzt er auch um in die alte Heimat zu reisen und hier Familie und Freunde zu besuchen. Doch der Aufbruch fällt ihm schwer. „Wenn ich in Jerusalem bin, fahre ich nicht gern nach Düsseldorf, aber wenn ich Düsseldorf bin, fällt es mir auch schwer wieder nach Jerusalem aufzubrechen.“
Zuletzt war er im Mai in Düsseldorf. Wenn er hier ist geht er gerne zum Rheinufer oder Radfahren, denn das kann er in Israel nicht. Aber er vermisst Düsseldorf auch nicht, wenn er in der Dormitio ist. „Das Kloster gibt mir einen Lebensrahmen, der mir hilft in Frieden mit mir selbst und anderen zu leben.“
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