Der Zauber von Oz

Oguz Engin, 45, gebürtiger Berliner, gelernter Zoofachverkäufer, nennt sich selbst „Oz“ und „Zauberkünstler“.
Oguz Engin, 45, gebürtiger Berliner, gelernter Zoofachverkäufer, nennt sich selbst „Oz“ und „Zauberkünstler“.
Foto: Wappner
Oguz Engin, 45, gebürtiger Berliner und gelernter Zoofachverkäufer sorgt in der aktuellen Apollo-Show in Düsseldorf für magische und komische Momente.

Düsseldorf..  Das Gespräch mit Oguz Engin an der Bar im Apollo-Varieté hätte anders verlaufen sollen. Über Magie, über Heimweh oder Düsseldorf wollten wir sprechen – ausführlich. Magie? „Gibt es nicht, daran glaubt nur Uri Geller, es gibt lediglich die perfekte Illusion.“ Heimweh? „Habe ich nicht, denn ich bin viel unterwegs und fühle mich überall zu Hause, wo ich auf der Bühne stehen kann.“ Düsseldorf? „Eine tolle Stadt, ich mag die Königsallee!“ Alles schnell abgehakt.

Doch zum Glück ist das Gespräch mit Oguz Engin, dem Moderator und heimlichen – oder auch gar nicht so heimlichen Star – der aktuellen Show „1001 Nacht in Marrakesch“, anders verlaufen. Denn der Mann mit den strahlenden Augen und dem sanften Ausdruck im bärtigen Gesicht hat viel mehr zu erzählen. Draußen vor dem Apollo versammeln sich gerade ein paar Wirrköpfe, die sich zu „Pegida“ zählen – begleitet von einem Großaufgebot der Polizei, und Türke Engin redet über den Unterschied zwischen Demonstrieren und Provozieren, beispielsweise, wenn man mit Deutschland-Fahnen an einer Moschee vorbeimarschiert. Er redet auch viel über Menschenliebe und darüber, dass er vor rund zehn Jahren seinen eigenen Frieden gefunden hat. „Da habe ich zum ersten Mal im Koran gelesen“, sagt er. Seitdem ist er ein streng gläubiger Muslim.

Zauber-Weltmeister

Oguz Engin, 45, gebürtiger Berliner, gelernter Zoofachverkäufer, nennt sich selbst „Oz“ und „Zauberkünstler“. Auf der Bühne lässt er Münzen verschwinden und wieder auftauchen, lässt die Leute im Publikum wegen seiner rasanten Fingerfertigkeit staunen. Nicht umsonst wurde er mit 18 Jahren bei einer Zauber-Weltmeisterschaft in Den Haag als „weltbester Manipulator“ ausgezeichnet. Er war schon viel unterwegs in der Welt, hatte Auftritte in Japan, in Rom, in Monte Carlo.

Oz holt die Frauen und Männer aus dem dunklen Zuschauerraum gern auf die Bühne ins Rampenlicht, die hassen sowas eigentlich, doch beim charmanten und witzigen Türken fühlen sich die Auserwählten nach wenigen Minuten wohl. Oz empfängt sein Publikum mit offenen Armen. „Ich liebe meine Arbeit, ich mag die Menschen.“

Die Entscheidung, Zauberkünstler zu werden, fiel, da konnte der kleine Engin kaum laufen. „Meine Eltern haben sich früh scheiden lassen, und meine Mutter musste zwei Jobs annehmen“, erzählt der Entertainer. „Ich habe sie als Kind kaum gesehen, und als ich sie mal fragte, warum das so ist, sagte sie mir, sie müsse Geld für die Familie verdienen.“ Als Oz dann im Kindergarten in Berlin-Kreuzberg einem Zauberer zusah, wie der Geldscheine aus einem Hut hervor trickste, war alles klar: „Ich musste Zauberer werden, Geld für Mama besorgen.“

Die Familie ist nach wie vor das Wichtigste für Engin. Seine kurdische Frau Sennur und seine drei Kinder Dalya (8), Leyya (4) und die zehn Monate alte Elyesa sind für die Zeit des Oz-Gastspiels mit nach Düsseldorf gekommen. Die Fünf wohnen in einer Apollo-Künstlerwohnung an der Aachener Straße, eines der Kinder geht in Bilk derzeit zur Schule.

Nach allem, was man so hört, schätzen die Gastkünstler das Apollo-Publikum als eher verhalten ein. Engin aber liebt die Düsseldorfer, „denn sie haben ihren eigenen Humor“. Wenn die Leute im Saal nicht lachen, „dann war eben mein Timing nicht gut“, sagt er. Der Mann ist ein Menschenfreund.

Draußen wehen jetzt die Deutschland-Fahnen der Wirrköpfe. Oz dreht sich um, schaut aus dem Fenster und sagt dann Versöhnliches: „Diese Menschen gab es vor uns, sie gibt es jetzt, und es wird sie nach uns geben – man sollte sie nicht hassen.“

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