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Der tägliche Stau nach Düsseldorf

17.09.2012 | 08:00 Uhr
Der tägliche Stau nach Düsseldorf
Im Schritttempo durchs Morgengrauen: Das übliche Bild am Südring in Bilk.Foto: Sergej Lepke

Morgens um acht Uhr ist die Welt gar nicht in Ordnung. Wer mit dem Auto zur Rushhour nach Düsseldorf fährt, kann gleich in den ersten Gang zurückschalten. Stop and Go auf allen Einfallsstraßen, eine nicht enden wollende Blechlawine auf den Autobahnen A 46, A 52 und A 3 Richtung Innenstadt. Jeden Tag fahren eine Million Autos nach Düsseldorf rein oder raus. Da fehlt nicht mehr viel für den Super-Stau, zumal die Prognosen allein bei den Berufspendlern im nächsten Jahrzehnt Steigerungen von bis zu 40 Prozent für möglich halten! Mobil sieht anders aus.

Dabei ist die Verkehrslage nur vor den Stadttoren Düsseldorfs so chaotisch. Die Experten des städtischen Verkehrsmanagements stellen immer wieder fest, dass sich die Lage deutlich entspannt, sobald der Autofahrer das Stadtgebiet erreicht hat. Und das trotz eines Kfz-Bestandes von aktuell 276 255 Fahrzeugen in Düsseldorf. Allerdings: Bei publikumsstarken Messen und Großveranstaltungen bleibt Düsseldorf fast das Herz stehen, weil der Verkehrsinfarkt droht.

Das Rathaus sucht Antworten auf jetzige und künftige Verkehrsprobleme. Dezernent Stephan Keller hat von Anfang klar gemacht: Er will alle Verkehrsarten fördern. Er spricht von „Optimierung“, aber nie auf Kosten eines anderen. So wird für Radfahrer dann kein zusätzlicher Platz geschaffen, wenn der Autoverkehr dadurch abgebremst würde. Nachvollziehbar ist diese Haltung, aber nicht unumstritten, wie es die Opposition immer wieder deutlich macht. In einer so dicht besiedelten und stark frequentierten Stadt wie Düsseldorf sind Konflikte vorprogrammiert. Die Frage ist, welche Prioritäten die Politik letztlich setzt.

Und wie sich die Düsseldorfer und die Besucher in Zukunft fortbewegen werden. In der Gesamtbetrachtung macht den größten Anteil noch der Autoverkehr aus (53 Prozent), der ÖPNV kommt auf 23 Prozent, der Fußverkehr auf 18 und der Radverkehr auf sechs Prozent. Die Düsseldorfer selbst fahren aber hier etwas weniger Auto (40 Prozent), gehen schon mal öfter zu Fuß (27 Prozent) oder steigen gerne aufs Rad (elf Prozent). Der Lkw-Verkehr wird mit drei Prozent innerhalb des Lastringes noch als verträglich betrachtet.

Zu den Gewinnern der Zukunft werden die Rheinbahn und der Verkehrsverbund VRR zählen. In der jüngsten Langzeitbetrachtung bis 2025, die eine Zunahme der Gesamtverkehrs um fünf Prozent voraussagt, wird sich zwar der Pkw-Bestand um weitere 1,7 Prozent erhöhen. Er steigt aber nicht in dem Maße, wie die Bevölkerung wächst. Heißt im Umkehrschluss: Die Motorisierung der Düsseldorfer nimmt ab – um voraussichtlich 1,3 Prozent.

Es steigen mehr auf Bahn und Bus um. Zwar werden die Ticketpreise zum Ärger vieler Kunden mit Verweis auf die Energiekosten fast jedes Jahr erhöht. Aber das Auto wird noch teurer. Die Preisspirale an den Tankstellen dreht sich unaufhaltsam weiter.

Welche Verkehrsprojekte in Zukunft mit Nachdruck vorangetrieben werden müssen, wird die Auswertung der jüngsten Analysen zeigen. Zu zwei Initiativen hat Verkehrsdezernent Stephan Keller vorab klar Position bezogen: Wichtig sei der Bau der Stadtbahn-Linie U 81, um Messe und Airport besser an das ÖPNV-Netz anzuschließen und mit der Rheinquerung die Pendlerprobleme in den Griff zu bekommen. Deshalb plädiert er ebenso für den Ausbau des S-Bahnhofes Bilk zum Halt für Regionalzüge.

Ein weiterer Schwerpunkt: Die Düsseldorfer werden immer älter. Es müsse „Mobilität für alle“ gesichert werden, fordert der Beigeordnete. Dazu zählt vor allem der barrierefreie Zugang zu Haltestellen und Bahnhöfen.

Zudem sind in den nächsten 10 bis 15 Jahren große Investitionen nötig, um die Infrastruktur zu erhalten. Ein Beispiel: Die Rheinbahn und das Rathaus müssen über 30 Millionen in die Sanierung der Zugsicherung für die U-Bahnen stecken. Zuschüsse gibt es dafür nicht. „Damit werden die Städte allein gelassen“, bedauert der Dezernent.

Michael Mücke



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