"Der Steinbrück könnte auch in die Bütt"
18.02.2010 | 18:31 Uhr 2010-02-18T18:31:00+0100
Monheim. SPD lud zum politischen Aschermittwoch. Peer Steinbrück bewies erneut sein komisches Talent. Doch beim Thema Steuerhinterziehung wurde es still im Saal.
Unterhaltsame Spitzen gegen die politischen Gegner schoss Peer Steinbrück beim politischen Aschermittwoch der SPD in Monheim. Landtagskandidatin Birgit Alkenings nutzte den Abend in Bormachers Festhalle, um ihren Rückhalt für die heiße Phase des Wahlkampfs zu verbessern. Zum Dessert bekamen die 150 Gäste Kabarett mit Sia Korthaus.
Als Fastenessen lässt Monheims SPD-Chef Jens Geyer Heringsstip mit Zwiebeln und Kartoffeln servieren – Auftakt für 40 magere Tage bis Ostern.
Der Speise für den Leib folgt die Nahrung für den Geist. Für Politik- und Redeprofi Peer Steinbrück ist Geld ein Stammthema. Die Mundwinkel des Hamburgers haben sich seit seinen Regierungszeiten wieder merklich gehoben. Der Ex-Minister, bei der letzten Bundestagswahl Direktkandidat im Südkreis, zieht mit seinen geschliffenen Reden eigene Fans zu den Auftritten. Zuhörer Ralf Kanzler findet: „Der ist rhetorisch so klasse, dass es immer eine Ohrenweide ist.”
Birgit Alkenings, in Hilden Stadträtin, erläutert ihren Lebenslauf. Die studierte Chemikerin ist gegen die CO-Pipeline. Mittelstand und Industrie – soweit sie klimaverträglich sind – will die 43-Jährige gefördert sehen. Leere Kassen seien für Alkenings keine Folge der Finanzkrise, sondern es liege daran, „dass dieses Land einfach beschissen regiert wird.”
Auch Steinbrück lässt kein gutes Haar an Merkel und Co. Die Frage, wer den Scheck bezahlt, den die Regierung ausstellt, beantwortet der SPD-Mann ganz einfach: Die Steuerzahler. Leere Stadtkassen führen zu höheren Abgaben und Gebühren für die Bürger, erklärt er. Der Druck auf Steuerhinterzieher ist das Einzige, das er an der Bundesregierung lobt. Ein heikles Thema: Da wird der Saal ganz still.
Einverstanden sind die Zuhörer dann wieder mit dem Thema Westerwelle. Die aktuellen Standpunkte des Außenministers zur Sozialpolitik lässt Steinbrück dabei aus. Er zeigt die Siegerpose des FDP-Manns nach der Bundestagswahl mit auf Brusthöhe gehobener, linker Faust. „Ich bin mir nicht sicher, dass ich von so jemandem regiert werden will”, sagt der Ex-Ministerpräsident.
Anklänge an den Karneval sind deutlich zu spüren. Andrea Bekus, aus Langenfeld zum Zuhören gekommen, findet zu Steinbrück: „Der kann auch in die Bütt.” Vor dem nächsten Schelmenwecken liegt allerdings die Landtagswahl.
Und falls jemand auf die Stimmabgabe verzichten möchte? „Wer nicht wählt”, warnt Steinbrück, „wird regiert von Leuten, die noch dümmer sind als er selbst.”
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