Der Schlösserknacker aus Langenfeld

Langenfeld..  Schlösser mit dem Schlüssel öffnen kann jeder – aber ohne Schlüssel? Das ist eine Kunst! Eine Kunst, die sich zum Sport entwickelt hat. „Lockpicking“ nennt sich die Disziplin. Einer, der sich gerade darauf spezialisiert, ist Nils Trexler. Der 17-jährige Langenfelder hat zu Hause geschätzt um die 70 Schlösser, mit denen er übt und trainiert.

Vor ihm auf dem Tisch liegen verschiedene Werkzeuge, zwei große Vorhängeschlösser, mehrere Schließzylinder und allerhand Zubehör. „Dieses hier habe ich mal als ,Gute-Laune-Schloss‘ bekommen“, erzählt er. „Es ist relativ leicht zu öffnen.“ Stimmt: Unter Anleitung gelingt es sogar dem Anfänger auf Anhieb. Damit es nicht zu einer Anleitung für Kriminelle wird, soll hier auf Details verzichtet werden. Denn Legalität gehört zu den unverzichtbaren Prinzipien dieses ungewöhnlichen Sports. Deshalb lautet eine der Grundregeln: „Öffnen darfst du nur Schlösser, die dir selbst gehören oder für die du die ausdrückliche Erlaubnis des Berechtigten hast, sie zu öffnen.“

Angefangen hat für Nils Trexler alles mit einem alten Schlüsselbund, der zu Hause hing. „Bei einigen Schlüsseln wusste keiner, zu welchem Schloss sie gehören. Also hab’ ich einfach alle Schlösser im Haus durchprobiert.“

Bei dieser Gelegenheit fand er auf dem Dachboden einen alten Schließzylinder – und sägte ihn aus Neugier auf. „Da kamen gleich alle Stifte raus, und da ich ihn nicht wieder zusammensetzen konnte, habe ich einfach mal gegoogelt.“ So begann die Beschäftigung mit Schlössern.

Im Supermarkt kaufte sich der Teenager ein einfaches „Hangschloss“, ein Vorhängeschloss. „Das habe ich mit einer Büroklammer öffnen können.“ Auf der Erstkommunion seiner Cousine traf er dann auf jemanden, der sich beruflich auf Tresoröffnungen spezialisiert hat und der seine Dienste weltweit und völlig legal anbietet – als eine Art Schlüsseldienst für besondere Fälle. Dieser Bekannte erzählte ihm vom Lockpicking.

Sportsfreunde der Sperrtechnik

So lernte Nils Trexler eine faszinierende neue Welt kennen. Eine Welt, in der die Anhänger, die das Lockpicking als legalen Sport betreiben, sogar Meisterschaften austragen. Daran hat der Langenfelder noch nicht teilgenommen. Gern hätte er sich die Meisterschaft 2014 in Hamburg als Gast angesehen, aber wegen einer Messe waren alle bezahlbaren Hotelzimmer in der Stadt ausgebucht.

Es gibt auch einen Verein mit verschiedenen, über das Bundesgebiet verteilten Gruppen, über den man das Lockpicking betreiben kann: die Sportsfreunde der Sperrtechnik Deutschland (SSD). Bisher hat Nils Trexler zweimal die monatlichen Treffen der Kölner Gruppe besucht. Bei diesem Interesse ist es nicht überraschend, dass er Anfang des Jahres ein zweiwöchiges Praktikum bei einem Schlüsseldienst machte. Schon jetzt kennt er sich recht gut mit Herstellern und Arten von Hangschlössern aus. Wenn er über sein Hobby spricht, ist er ganz in seinem Element.

Da ist auf der einen Seite der spürbare Respekt vor solide und sicher konstruierten Schlössern. „Sehen Sie sich diesen Zylinder an: Ich kenne keinen, der den beim Lockpicking hätte öffnen können!“ Und da ist die sportliche Herausforderung bei Schlössern, die man öffnen kann. Es ist nicht bloß eine mechanische Frage, es ist eine logische Denkaufgabe, die sich an der Konstruktion und der Situation orientiert, etwa daran, ob abgeschlossen ist oder nicht.