Der Rhein bei Düsseldorf ist besonders für Flüchtlinge gefährlich

Der Ordnungs- und Sicherheitsdienst der Stadt Düsseldorf verteilt im Sommer hundertfach solche gelben Karten. Auf ihnen steht, was die Menschen am Rhein gefahrlos genießen können und was lieber nicht.
Der Ordnungs- und Sicherheitsdienst der Stadt Düsseldorf verteilt im Sommer hundertfach solche gelben Karten. Auf ihnen steht, was die Menschen am Rhein gefahrlos genießen können und was lieber nicht.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Viele Flüchtlingsfamilien verbringen in Düsseldorf ihre Freizeit am Ufer des Rheins. Doch sie kennen die Gefahren nicht. Das soll sich jetzt ändern.

Düsseldorf.. Vergangenen Freitagabend, 18.40 Uhr, unterhalb der Oberkasseler Brücke, Rheinkilometer 720: Aus den Wellen steigen zwei völlig entkräftete Männer. Der eine, ein 38-jähriger Düsseldorfer, hat einen Schock. Am Ufer kümmern sich Feuerwehrleute und Mitarbeiter der Wasserschutzpolizei, dazu kommen zahlreiche Gaffer. Großeinsätze wie diese sind im Sommer nicht unüblich. Immer wieder überschätzen Männer, Frauen und auch Kinder ihre schwimmerischen Fähigkeiten und unterschätzen die Gefahren des Rheins und der Baggerseen. Bei den beiden Männern, die übrigens laut eigener Aussage (leicht alkoholisiert) nach Dormagen schwimmen wollten, ging die Sache nochmal gut aus.

An gleicher Stelle ist jedoch vor einigen Wochen ein 30-Jähriger von der Strömung erfasst, unter Wasser gezogen und abgetrieben worden. Der erste tote Schwimmer in diesem Jahr in Düsseldorf.

Flüchtlinge kennen die Gefahren des Rheins nicht

Die Stadtverwaltung warnt regelmäßig vorm Schwimmen im Strom. „Allerdings können wir es nicht verbieten, weil es sich beim Rhein um eine Bundeswasserstraße handelt“, sagt Sprecher Volker Paulat. Die meisten Düsseldorfer seien auch vorsichtig und mit den Tücken der natürlichen Gewässer vertraut. Was aber ist mit den Menschen, die in der Stadt noch fremd sind, die Gefahren also nicht kennen – Flüchtlingsfamilien etwa.

Großeinsatz In Meerbusch wird dieses Thema mittlerweile politisch diskutiert. In letzter Zeit häufen sich dort die Meldungen besorgter Bürger, die am Rhein zahlreiche Menschen mit Migrationshintergrund beobachten, die ihre Freizeit am Rhein verbringen. Grundsätzlich völlig okay, aber die Kinder entfernen sich – zum Teil unbeaufsichtigt – zu weit vom Ufer weg.

„Die Kids lassen sich vom zunächst sinkenden Wasserspiegel verleiten, können dann aber von der zurücklaufenden Welle überspült und mitgerissen werden“, sagt Christian Staudinger-Napp, Fraktionsvorsitzender der Partei „Die Aktiven“. Er fordert: „Das Ordnungsamt sollte vermehrt, eventuell auch in Zusammenarbeit mit Polizei und DLRG, insbesondere an den Wochenenden punktuell alle erholungssuchenden Menschen am Rhein auf die Gefahrenlage aufmerksam machen.“

Stadtverwaltung verteilt Gelbe Karten

Die Düsseldorfer Flüchtlingsbeauftrage Miriam Koch hat sich mit dem Thema beschäftigt und schlägt vor, Schwimmwarnungen für Rhein und Baggerseen auf der Startseite der städtischen Homepage prominent zu platzieren. „Viel wichtiger ist aber noch, dass wir die Warnhinweise in den verschiedenen Sprachen in den Asylbewerber-Unterkünften aushängen, damit die Menschen informiert sind.“

Das soll schnell passieren, denn schon morgen gehen die Temperaturen wieder nach oben, und die Menschen lockt es an die natürlichen Gewässer der Stadt. Dann werden wieder OSD-Mitarbeiter auf Streife gehen und „Gelbe Karten“ verteilen. Darauf steht: „Sonnen und chillen, ja – schwimmen und plantschen, nein!“ Solche Gelben Karten werden in den Sommermonaten zu Hunderten verteilt. Allerdings, so teilt das Ordnungsamt mit, eine eher vorbeugende und „über-obligatorische Maßnahme“. Die Karten gäbe es auch nur auf Deutsch. Wichtig sei es tatsächlich, die Menschen in diesem Fall an der Quelle abzuholen, also in den Flüchtlingsheimen.