Der Pfarrer geht – jetzt baut die Kirche um

Langenfeld..  Die Ankündigung zu Jahresbeginn kam überraschend: Jürgen Rentrop, seit 17 Jahren Pfarrer in Langenfeld, verlässt die Gemeinde St. Josef und Martin zwei Jahre früher als geplant. Freitag, der 31. Juli 2015, wird sein letzter Arbeitstag in der Posthorn-Stadt sein. Nicht die einzige Veränderung, die der größten Pfarre im Erzbistum bevorsteht. Sicher ist bereits: Die Gemeinde, die vor fünf Jahren aus acht Einzelpfarren hervorging, bekommt als erste im Erzbistum einen Geschäftsführer. Und das Pfarrhaus neben St. Josef wird zum Verwaltungszentrum für alle 23 000 Katholiken in Langenfeld ausgebaut.

Der Pfarrer

Jürgen Rentrop ist jetzt 63. Eigentlich hätte er sein Amt als Leitender Pfarrer bis 65 ausfüllen wollen. „In dem Fusionsprozess, in dem wir uns seit sechs Jahren befinden, arbeitet man als Letztverantwortlicher zwei bis drei Mal soviel wie unter normalen Umständen. Deshalb war mir klar, dass ich dieser Belastung nicht bis zum Eintritt in den Ruhestand mit 75 standhalten könnte“, sagt der promovierte Theologe. Er sei gerne Seelsorger. „Deshalb möchte ich wieder mehr Zeit für die Menschen haben und ihnen nicht wegen administrativer Pflichten davonlaufen müssen.“ Dass er in diese Berufung nun früher zurückkehren wird, liegt an den Umbauplänen und der künftigen Verwaltungsleitung. „Die sollte mit einem Pfarrer harmonieren, der nicht schon nach kurzer Zusammenarbeit seine Sachen packt, wie es bei mir der Fall wäre. Außerdem muss die Wohnung im Pfarrhaus mindestens für die Dauer der An- und Umbauarbeiten geräumt werden.“ In welcher Gemeinde Rentrop künftig wirken wird, ist noch offen. „Ich habe den Wunsch geäußert, dass es Köln werden wird oder Düsseldorf, wo ich aufgewachsen bin.“

Sein Nachfolger

Die Stelle ist ausgeschrieben. Dass der Auserkorene seinen Dienst am 1. August antritt, ist indes unwahrscheinlich. „Vakanzzeiten von sechs bis zwölf Monaten sind durchaus normal“, sagt Rentrop. Während der Vakanz dürfte einer der beiden anderen Gemeindepfarrer die Leitung kommissarisch übernehmen. Wird Köln dann einen Aushilfs-Seelsorger nach Langenfeld abordnen? Thomas Antkowiak, Vorsitzender des Pfarrgemeinderats (PGR), hofft darauf, sagt aber auch: „Wir müssen uns vorübergehend auf etwas schwierigere Zeiten einstellen.“

Der Verwaltungsleiter

Zur Entlastung der Leitenden Pfarrer im Erzbistum – und auch der ehrenamtlichen PGR, wie es sich Antkowiak wünscht – sollen kaufmännische Angestellte Aufgaben wie Personalgespräche oder Etat-Aufstellungen übernehmen. Langenfeld ist eine von 18 Pilotgemeinden. Der (noch auszuwählende) Verwaltungsleiter dürfte deshalb spätestens 2017 seinen Dienst antreten.

Um- und Ausbau

In dem mehr als 100 Jahre alten Pfarrhaus ist es eng geworden: Statt wie früher zwei Sekretärinnen arbeiten inzwischen elf Gemeindemitarbeiter in dem denkmalgeschützten Backsteinbau – zusammengezogen aus den Büros der früheren Einzelgemeinden, die zum Teil in Wohnraum umgewandelt wurden. „Das Genehmigungsverfahren für den Um- und Ausbau läuft“, sagt Rentrop, der von einem Baustart im nächsten Jahr ausgeht. Der geräumige Pfarrgarten soll „möglichst geschont“ werden. „Geplant ist, die Mauer niederzureißen, um ihn mehr der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“

In der Gemeinde werden die Pläne von vielen begrüßt, es gibt aber auch Kritiker. Rolf Kamp vom Kirchenchor St. Mariä-Himmelfahrt sieht die Zentralisierung skeptisch: „Dringlicher als ein Verwaltungsleiter wäre ein vierter Seelsorger“, sagt der Ex-Ortsausschussvorsitzende, der vor vier Jahren vergeblich kämpfte gegen eine Vorverlegung der Sonntagsmesse an der Hardt auf den Samstagsabend. „Langenfeld ist zu groß für ein zentrales Pfarramt. Da werden die Wege für viele Gemeindemitglieder zu lang.“

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