Der Park als Museum
06.05.2009 | 18:59 Uhr 2009-05-06T18:59:00+0200Malkästner haben das Kleinod hinterm Haus in drei Jahren restauriert. Wer es sehen will, muss zwei Euro Eintritt bezahlen.
Ein Garten zum Schwärmen ist er geworden: der Malkastenpark an der Jacobistraße. Nach drei Jahren ist die Restaurierung beendet, die Sichtachsen sind wieder frei, die Wege neu belegt, die Büsche gestutzt. Im Venusteich sprudelt die Fontäne, Kunstwerke stehen und hängen zwischen seltenen Bäumen wie Wild-Zitrone und chinesischem Papiermaulbeerbaum. Schon Goethe lustwandelte hier, als er bei den Brüdern Jacobi zu Gast war. Wer den Park ab sofort erleben und bestaunen will, muss allerdings am Drehkreuz zwei Euro einwerfen.
„Ein bisschen sehr schmal für mich”, schmunzelte Oberbürgermeister Dirk Elbers, als er sich gestern durch die neue Drehtür wand. Helga Fragel (60) war wenig später die erste Besucherin: „Früher bin ich mit meiner Familie immer hierher gekommen, besonders wegen der herrlichen Bäume.” Die Eintrittsgebühr fand sie ungewöhnlich, aber gerechtfertigt, wenn damit die Pflege des Parks finanziert wird.
Die Anlage bleibe in privater Hand des Malkastens, müsse wie ein Museum gesehen werden, verteidigte Robert Hartmann, Vorsitzender der Künstlervereinigung, die Eintritts-Regelung: „Andere Museen sind auch nicht kostenlos.” Im Übrigen sei der Park eine der schönsten Gelegenheiten, Kunst in der Natur zu bewundern.
Als nächstes müsse das ehemalige Gärtnerhaus saniert werden. Ausstellungsräume und Gästeateliers seien dort geplant. Auch draußen auf der Straße vor dem Malkasten wollen die Künstler aufräumen. „Uns stören die Autos, da hätten wir gern wieder eine Grünfläche”, betonte Hartmann.
Ein ganz besonderer Tag war die Eröffnung gestern für Gartenbau-Architekt Achim Röthig: „Hinter uns liegt eine schwierige Aufgabe. Aber wir haben sie immer konstruktiv gelöst.” Ihm sei es nicht darum gegangen, eine bestimmte Zeit zu rekonstruieren, sondern die Geschichte der Anlage vom barocken Gartenstil zum englischen Landschaftsgarten ablesbar zu machen. Die Strukturen müssten erkennbar bleiben „Denn fertig ist ein so bedeutender Park niemals.”
Unter seiner Regie wurden der Venusteich entschlammt, die Brücken saniert, die Wege erneuert und mit Metallbändern eingefasst, die Köpfe von Goethe, Achenbach, Mutter Ey, Jacobi und Schadow samt ihren Sockeln restauriert und schließlich die Beleuchtung verbessert. Am liebsten sei es ihm, sagte Röthig, wenn die Leute finden, es habe sich gar nicht viel verändert: „Dann weiß ich, dass der Grundcharakter erhalten blieb.”
So führt die breite Mittelachse bis zum Venusteich. Dahinter wurde die Düssel reguliert: Romantischer als hier fließt sie nirgendwo durch die Stadt. Eine abgestorbene Robinie liegt quer über einem Weg, ist von Efeu umrankt und wirkt wie ein Kunstwerk, unter dem man sich bücken muss.
Bevor die Künstler den Park kauften (1860), haben die Philosophen das Refugium entdeckt. Goethe hat hier mit Friedrich Heinrich Jacobi philosophiert und seinen Namen in eine Buche geritzt. Auch Herder, Klopstock, Lessing und die Brüder von Humboldt kannten das kunsthistorische Kleinod. Alle Einzelheiten sind jetzt auf den neuen Info-Tafeln zu finden.
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Herr Elbers amüsiert sich über das schmale Drehkreuz am Eingang. Kann man dann davon ausgehen, dass es noch einen extra Zugang gibt? Der Malkasten-Verein will doch sicher nicht Kinderwagen, Rollstuhlfahrer und dicke Leute aussperren. Oder???