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Autobiographie Volker...

Der Menschenfreund

20.03.2009 | 18:58 Uhr

Volker Schlöndorff ist nicht der Mann der großen Auftrittsposen.

Dazu ist der mit Oscar, Palme und anderem Lorbeer der laufenden Bilder Dekorierte viel zu sympathisch. Natürlich machte der Regisseur am Donnerstagabend im Heine Haus als Gast der Literaturbuchhändler Selinde Böhm und Rudolf Müller auch Werbung für seine Autobiographie „Licht, Schatten und Bewegung”. Dabei könnte seine ebenso selbstironisch heitere wie spannende und dichte Verknüpfung von Film gewordenem Leben und Leben gewordener Filmarbeit eigentlich ein Selbstläufer sein.

So vielschichtig, humorvoll und bildstark ist die von Nouvelle Vague, Amerika-Erfahrungen und deutschem Filmprofilprägen genährte Wortausbeute dieses maßgeblichen deutschen Regisseurs, Drehbuchautoren und Filmproduzenten. „Ein Dichter und Freund”, fügte Gabriele Henkel hinzu. Und begrüßte Schlöndorff in der Stadt von „Heine, Wim Wenders, Campino, Henkel, Prittstift und Löwensenf”.

Einen Szenenzusammenschnitt seiner wichtigsten Filme hatte er der Lesung vorausgeschickt. „Meine Visitenkarte im audiovisuellen Zeitalter”, sagte Schlöndorff im offenen weißen Hemd und dunkelblauem Sakko. Haarkranz und Oberlippenbart trägt er seit langem. Seine Augen lachten wenige Tage vor dem 70. Geburtstag immer noch so wunderbar menschenfreundlich hinter der Brille.

Eine Visitenkarte, die er nicht nötig gehabt hätte. Wem sind sie nicht in den persönlichen Bildspeicher gebrannt: jene „Blechtrommel”-Szenen mit dem unglaublichen David Bennett als Oskar Matzerat und der großartigen Angela Winkler - Brause im Bauchnabel und Aale im Pferdekopf. Der erste Oscar für einen deutschen Film nach dem Zweiten Weltkrieg.

Ein Literatur-Verfilmer? Gegen dieses Etikett wehrt sich Schlöndorff nicht mehr, sagte er im leider viel zu kurzen Interview mit Heinz Holzapfel von der Filmwerkstatt. „Alle Kunst ist Variation über Variation.” Seine tiefe Liebe zur Literatur sei gewachsen als den Pubertierenden die Bücher aus der Enge seines heimatlichen Schlangenbad im Taunus katapultierten. Aufklärung über die Welt hat er in der Literatur gesucht. Es sind nicht die Bilder in den Büchern, sondern die Menschen, die ihn locken. „Wenn ich mit der Hauptperson Dinge bearbeiten kann, die mich selbst bedrängen,” nur dann sind ihm Bilder dazu eingefallen.

Am liebsten habe er dabei eng mit den Autoren zusammen gearbeitet. Die Angst vor ihnen verschweigt er nicht. Von seinen Abenteuern mit dem ganz genau hinschauenden Günter Grass und den bewegenden Begegnungen mit dem todkranken Max Frisch berichtete Volker Schlöndorff, karikierte vergnüglich Cannes als Mekka der Filmkunst der 60er Jahre und seinen Eklat mit Musils Zögling Törless. Der erste Film des einstigen Louis Malle-Assistenten, der dem damals 27-Jährigen den Vorwurf „Nestbeschmutzer” beschert hatte. Passend dazu tauchte Schlöndorff in seine Jugend im französischen Jesuiten-Internat ein, sparte später auch Depressionen und Erfolglosigkeit des 47-Jährigen in New York nicht aus.

Projekte für die Zukunft? „Ja, Gott sei Dank”, darunter einen Film über Vivaldi und Lehrer-Schüler-Probleme im heutigen Berlin. „Ich höre jetzt mal auf hier, so schwer es mir fällt”, gestand der Regisseur und Vorleser dem dicht gedrängt lauschenden Publikum. Da hilft nur selber lesen, was „Licht, Schatten und Bewegung" auslösen können!

Volker Schlöndorff, „Licht, Schatten und Bewegung. mein Leben und meine Filme, Hanser Verlag, 24,90 Euro

Ulrike Merten

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