Der Mann im Hintergrund

Die erste Erinnerung, die Robert Stuprich an das Kino hat, stammt aus dem Januar 1991. Im ehemaligen „Rex“ lief „Kevin allein zu Haus“. Die ganze Familie saß mit ihm im dunklen Saal an der Friedrich-Ebert-Straße und lachte. Noch heute muss Stuprich schmunzeln, wenn er an die tollpatschigen Einbrecher denkt, die reihenweise in Kevins Fallen tappen und dabei so manchen Zahn verlieren. Der inzwischen 31-Jährige sitzt immer noch gerne in dunklen Räumen, die meiste Zeit allerdings alleine und in die Arbeit versunken. Robert Stuprich ist Schnittmeister oder wie man in der Branche sagt: Film Editor. Seine Aufgabe ist es, das vorhandene Material zu sichten und die Szenen in eine passende, logische Reihenfolge zu bringen. Wenn eine Sequenz nicht so richtig funktioniert, muss der Editor den Film durch Kürzungen oder Umstellungen verbessern. „Beim Schnitt wird das finale Drehbuch geschrieben“, sagt Stuprich.

Abschluss an der Filmakademie

Vor wenigen Monaten hat der Düsseldorfer seinen Abschluss an der renommierten Filmakademie Baden-Württemberg gemacht, zuvor hat er das Georg-Büchner-Gymnasium in Golzheim besucht und erste Filmerfahrung bei einer Produktionsfirma gesammelt. Heute Abend läuft sein aktuelles Filmprojekt im ZDF (23.55 Uhr). „Fremdkörper“ heißt das „kleine Fernsehspiel“, das beim diesjährigen Max-Ophüls-Preis mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde. In dem Film geht es um den Spediteur Wolfgang, in dessen Körper sich eine illegal gekaufte Niere befindet. Wolfgangs Welt gerät ins Wanken, als ihn ein Erpresserbrief der vermeintlichen Spenderin nach Istanbul treibt. Der gesamte Film ist am Bosporus entstanden, insgesamt wurden 29 Stunden Filmmaterial aufgezeichnet. Stuprich hat sich jede Sekunde davon angesehen und das mehr als einmal. Schon zu Beginn hatte er sich überlegt, mit Schnitten sparsam umzugehen. „Dadurch wollte ich den Zuschauern die Charaktere näher bringen und sie emotional greifbar machen“, so die Erklärung.

Direktes Feedback an die Regie

Beim eigentlichen Dreh war Stuprich nur selten anwesend. Die meiste Zeit hat er das Material des jeweiligen Vortages gesichtet, damit möglichst ohne Zeitverlust gearbeitet werden konnte. „Diese Aufteilung hat den Vorteil, dass wir direktes Feedback an die Regie geben konnten und umgekehrt, beispielsweise wenn eine Szene noch mal gedreht werden muss.“ Herausgekommen ist ein spannender, vor allem aber auch nachdenklich machender Film mit einer Länge von 64 Minuten. Die Möglichkeit, Geschichten zu erzählen und die visuelle Sprache des Kameramanns weiter zu erzählen, ist für Robert Stuprich der eigentliche Reiz bei der Arbeit. Er sagt, durch den Editor bekomme der Film erst einen Rhythmus, dann strahlt er wieder, so wie bei „Kevin allen zu Haus.“ Am meisten freut er sich aber, wenn er die Reaktionen des Publikums miterleben kann. „Das ist ein tolles Gefühl, nach monatelanger Arbeit. Im besten Fall können wir Menschen mit unserer Arbeit berühren.“

Ein Film über Youtube-Stars

Vor wenigen Tagen hat Stuprich die Reaktion des Zuschauer erneut erlebt – allerdings noch bevor auch nur eine Minute seines neuesten Projekts im Kino zu sehen war. „Ich arbeite gerade an einem Film, der Ende des Jahres starten soll“, berichtet der 31-Jährige aus Flingern. „Es ist eine fiktive Geschichte über zwei reale Youtube-Stars, die sich selbst spielen.“ Stuprich und die beiden Hauptdarsteller saßen in einem Straßencafé, als plötzlich eine Gruppe angerannt kam und wild kreischend um Autogramme bat – allerdings richtete sich die Bitte nur an die beiden Internet-Berühmtheiten. Robert Stuprich macht das nichts aus, er steht nicht so gerne im Rampenlicht. Er genießt es vielmehr, im Hintergrund zu sein und in einem dunklen Raum an seinem Film zu schneiden – übrigens mit dem Computer, auch wenn er natürlich das klassische Handwerk mit Schere und Kleber beherrscht. Vielleicht ist Stuprich aber auch einfach zu bescheiden.