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Der Letzte seiner Art

27.10.2012 | 15:00 Uhr
Der Letzte seiner Art
Seit 1978 betreibt Franz-Josef Annas den Tante-Emma-Laden „Lebensmittel Annas“ in Düsseldorf - Hamm. Franz-Josef (64) und Ehefrau Karin (51) Annas in ihrem Laden.Foto: Lars Heidrich

Hamm/Knittkuhl.   In der Rheinmetropole gibt es immer mehr Geschäfte, die ein altes Konzept neu interpretieren.

Wer bei „Lebensmittel Annas“ über die Türschwelle tritt, den trifft augenblicklich der Schlag. Man verliert in diesem, kaum Wohnzimmer großen Laden die Zeit. Alles ist noch so, wie vor 50 Jahren. Und auch der Mann, der zwischen Bärenmarke, Landbrot, Sahnesprühern und Gläsern mit Tortenpfirschen in Scheiben hinter der Ladentheke hervor späht, könnte mit seinem weißen Kittel und dem schütteren, nach hinten gekämmten Haar aus einem Schwarzweiß-Film entsprungen sein. Franz-Josef Annas führt einen noch originalen Tante-Emma-Laden. Es ist der letzte seiner Art in Düsseldorf.

„Wir sind froh, dass es hier in Hamm keine Discounter gibt, das sichert uns die Existenz“, gesteht Annas, der das seit 1952 existierende Geschäft irgendwann von seinem Vater Wilhelm übernommen hat. In Hamm besitzen er und seine Frau Karin (51) tatsächlich so etwas wie ein Monopol, Einkaufsmöglichkeiten gibt es im Stadtteil sonst kaum. Allerdings regelt bei den Annas’ die Nachfrage das Angebot. „Wir nehmen auch Sonderbestellungen auf, in der Regel von älteren Leuten“, sagt der Inhaber. „Für die gehen wir einkaufen – zwischen 13 und 15 Uhr, wenn wir Mittagspause haben.“

Tante Emma gibt’s auch in Knittkuhl und heißt dort Christine Fabian. Die gelernte Fleischereifachverkäuferin hat im Dörfchen, das zum Stadtteil Hubbelrath gehört, Probleme. „Ich habe nicht zu jeder Zeit alles da“, sagt Fabian, die auf der Straße Am Püttkamp seit vier Jahren „Emma Knittkuhl“ betreibt. „Darüber meckern dann die Leute und nehmen lieber den weiten Weg zum nächsten Discounter auf sich. Sogar, wenn sie alt und gehbehindert sind und auch im Winter.“ Doch für Fabian gibt’s keine Alternative: „Ich kann nicht zu viel auf Vorrat kaufen, weil ich es mir nicht leisten kann, auf der Ware sitzen zu bleiben.“

Die originalen Tante-Emma-Läden sind in Düsseldorf so gut wie ausgestorben. Viele Einzelhändler haben seit den achtziger Jahren im Zuge der Discounter-Schwämme aufgegeben. Die Leute holen ihre Zeitung oder die Backmischung heute am Kiosk, Wurst und Käse beim Metzger oder beim Türken um die Ecke. Dort ist unter Umständen auch das persönliche Gespräch möglich, das man an der Supermarktkasse nicht mehr führen kann.

Immer mehr Neueröffnungen

Während jedoch einerseits die ursprünglichen Krämerläden vom Aussterben bedroht sind, erlebt Düsseldorf andererseits eine Renaissance der alten Verkaufskultur. In der Rheinmetropole machen seit Jahren immer mehr Geschäfte auf, die „Tante Emma“ wieder beleben, indem sie ihr einfach neue Klamotten anziehen. „Wenn wir über das Angebot der früheren Tante-Emma-Läden sprechen, dann muss man sagen, dass dieser Service mittlerweile durch den türkischen Feinkostladen abgedeckt ist“, sagt Anne Linnenbrügger vom Einzelhandelsverband Düsseldorf. Andererseits gäbe es auch viele Läden in der Stadt, „die das alte Konzept neu interpretieren und damit Erfolg haben“.

„Emma’s Enkel“ fährt mit einem solchen Konzept seit Jahren gut. Das Geschäft an der Berliner Allee vereint familiäre Atmosphäre im Laden mit einer online-basierten Einkaufsmöglichkeit. Wer es eilig hat, bestellt per Smartphone oder von unterwegs online. Wer mehr Zeit hat, kann in der „Guten Stube” Platz nehmen, Kaffee trinken und seinen handschriftlich oder verfassten Einkaufzettel abgeben. Dann gibt es noch „TEL – Tante Emma’s Laden“ auf der Königsallee oder das „Emma’s“ – einen kleinen Laden mitsamt Café an der Bürgerstraße in Unterbilk. Dort wird der Kuchen noch selbst gebacken. „Auch hier ist gerade am Wochenende viel zu tun“, sagt Mitarbeiterin Nora Felföldi. „Aber die Leute sind gelassen, auch wenn sie mal länger auf ihre Bestellung warten müssen, weil sie unsere Philosophie anerkennen.“

Die Philosophie von Franz-Josef Annas in Hamm lautet indes: Brasseln und weiter machen, so lange die Leute das Angebot nutzen. „Wir haben rund um die Uhr zu tun“, sagt der 64-Jährige. „Aber es macht Spaß, weil uns etwas an unseren Kunden liegt.“

Von Stephan Wappner



Kommentare
30.10.2012
07:10
Der Letzte seiner Art
von Blende-Jochen | #1

Lieber Redakteur, Du kennst schon den Unterschied zwischen "Schwemme" und "Schwämme"? Herzlichst, Jockel

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