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Ulmer Höh

Der Letzte macht die Tür zu...

10.02.2012 | 17:58 Uhr
Der Letzte macht die Tür zu...

Düsseldorf.   Ulmenstraße 95. Noch funktioniert die elektrische Pforte - aber die wird irgendwann demontiert. Zigtausende Männer kamen durch die stählerne Tür in das Gebäude. Für viele öffnete sie sich erst nach Jahren wieder. Das aufgegebene Düsseldorfer Gefängnis Ulmer Höh wird jetzt ausgeräumt.

Ulmenstraße 95. Noch funktioniert die elektrische Pforte - aber die wird irgendwann demontiert. Zigtausende Männer kamen durch die stählerne Tür in das Gebäude. Für viele öffnete sie sich erst nach Jahren wieder. Die Ulmer Höh ist eines der ältesten Gefängnisse. Nach 119 Jahren ist Schluss. Der Justizvollzugsbedienstete greift noch mal zum Schlüssel für einen letzten Rundgang. „Wir begrüßen Sie...“ Freundlicher hätte ein Hotel-Portier nicht sein können.

Die Schuhe vergessen

Auch Gefängnisdirektor Bernhard Lorenz fühlt sich so, als wäre er in eine andere Rolle geschlüpft. „Ich komme mir vor wie ein Museumsdirektor.“ Noch vor einigen Tagen saßen 440 Gefangene in den Zellen, herrschte Hochbetrieb. Jetzt ist alles verlassen. Ein Häftling hatte sogar seine Schuhe in der Zelle vergessen, ein anderer sein Frühstück abgebrochen. Es mufft, überall liegt Dreck. Die Putzkolonnen sind ebenfalls weg. Lorenz schaut sich um: „Wenn dieses Gebäude leer ist, sieht es fürchterlich aus.“

Keine Spur von Nostalgie. Warum auch? Schöne Erinnerungen an den Knast wird wohl kaum einer haben. Die Denkmalschützer interessieren sich auch nicht für das preußische in Kreuzbauweise errichtete Gefängnis. Stattdessen wird eines Tages die Abrissbirne die Haftanstalt platt machen, wird sie die Gefängnismauer zu Schweizer Käse machen - die Löcher so groß, dass Inhaftierte, die vom Ausbruch träumten, ins Schwärmen kommen müssten.

„Dann komme ich frei“

Heute arbeiten noch ein paar wenige Gefangene im Knast, räumen aus, bauen aus. An Flucht denkt keiner, die Tage sind eh’ gezählt. „Noch bis Juli - dann komme ich frei“, erzählt ein 52-Jähriger. Ihm macht die Arbeit im leeren Knast richtig Spaß. „Hier kommt man in Räume, die man früher nie gesehen hatte.“ Was ihm noch mal deutlich wird, ist der Unterschied zum Neubau in Ratingen. „Dort sind die Zellen richtig toll.“

Rundgang Ulmer Höh

Die Zellen in der stets überbelegten Ulmer Höh waren zu klein, die wenigen Möbel abgenutzt, einen eigenen Toilettenraum gab es nicht. Wer von hier „umzieht“, muss sich im neuen Gefängnis automatisch besser fühlen. Die Ulmer Höh konnte die vorgegebenen Standards nicht erfüllen.

Die Runde ist schnell gemacht. Das Auf- und Zuschließen alle paar Meter hat sich erübrigt. Viele Schlösser wurden entfernt. Das Ausräumen dauert noch Wochen. Dann übergibt Mieter Bernhard Lorenz dem Landesbetrieb endgültig die Schlüssel und damit die Ulmer Höh. Und: Auch der Letzte macht die Tür zu.

Die alte grüne Alarmglocke nimmt er mit. Für einige Ersatzteile und so manches Inventar interessieren sich noch andere Gefängnis-Leiter, die das Gewünschte mit dem Transporter abholen lassen.

Der Rest ist Geschichte. Für die Dokumentation „Eine Ära geht zu Ende“ ließ Bernhard Lorenz die wichtigsten Daten zusammentragen. Der „Vampir von Düsseldorf“ war hier inhaftiert, unter die Guillotine kam der Massenmörder Peter Kürten aber 1931 in Köln. In der Ulmer Höh selbst sollen bis zum Jahre 1934 acht Mörder hingerichtet worden sein.

Zu den „prominentesten“ Gefangenen zählte Andreas Baader von der RAF. Nach seiner spektakulären Festnahme 1972 wurde er im Krankenhaus der Ulmer Höh ärztlich versorgt.

Einen Gefangenen wollten die Justizbeamten keine Minute länger in der Ulmer Höh behalten. Sie kauften ihn frei. Der Schwarzfahrer Karol V. sollte 1995 für zehn Tage in Haft, weil er die Geldstrafe nicht bezahlt hatte. Sein Gesundheitszustand war aber so schlecht, dass die Mitarbeiter Mitleid bekamen. Das Gefängnispersonal und ein Anwalt spendeten die nötigen 228 Mark für seine Freilassung.

Michael Mücke

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